Bye, bye Amerika
Goldrausch in Europa

Warum nach Amerika gehen? In Europa haben Hightech-Firmen und Fachkräfte genau so gute Chancen. Ob Telekommunikation, Elektronik oder Biotechnologie - das Modell "Silicon Valley" hat hier ehrgeizige und erfolgreiche Nachahmer.

DÜSSELDORF. Karlsruhe ist eine der zahlreichen über ganz Europa verteilten Hightech-Regionen, die sich am US-Erfolgsmodell des Silicon Valley orientieren. Sie liegen an der Côte d'Azur, in Skandinavien, England, Irland - oder Deutschland. Ihr Arbeitsprinzip - Konzentration aller wichtigen Ressourcen vor Ort - funktioniert so gut, dass Experten schon jetzt erste Erfolge im Wettlauf mit der Technik-Supermacht USA konstatieren. Fachkräfte, Manager und Firmengründer aus den Hightech-Branchen erhalten jetzt ganz neue Karriere-Chancen - in Europa.

"In den nächsten Jahren soll Europa mit Hilfe von Forschung und Technologie zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt werden", verkündet EU-Kommissar Likaanen. Mit der Förderung besonders innovativer Technologie-Regionen will Europa dieses Ziel erreichen. 17,5 Milliarden Euro zahlt die EU bis 2006. Alleine das deutsche Forschungsbudget legte seit 1998 um ein Viertel zu. Gut angelegtes Geld. Schließlich, so fand die Unternehmensberatung McKinsey heraus, treten heute nicht mehr "Unternehmen gegeneinander an, sondern Regionen".

Die Zwischenbilanz ist ermutigend. Ian Peerson, Zukunftsforscher bei British Telecom: "Bei der dritten Mobilfunkgeneration hat Europa die USA meilenweit abgehängt. Diesen lukrativen Markt werden Europas Unternehmen beherrschen". Regionen wie das schwedische "Mobile Valley" oder Helsinki gelten bereits als Speerspitzen für Europas Handy-Branche. Selbst die lange vernachlässigte Bio-, Gen- und Nanotechnologie hat - dank Ressourcen-Bündelung - Peerson zufolge "eine gute Chance, sich einen ordentlichen Anteil zu sichern". Innerhalb von nur vier Jahren verdoppelte sich die Anzahl der Biotech-Unternehmen in Europa. Viele davon liegen im englischen Cambridge, in den deutschen Bio-Regionen München, Rhein-Neckar und Rheinland und im Medon Valley bei Kopenhagen.

Prompt haben Experten dem Phänomen einen englischen Namen verpasst: "Hightech-Cluster". Ekkehard Franzke von Bain & Company versteht darunter "intelligent vernetzte Ansammlungen" innovativer Großkonzerne, kleiner Gründerfirmen und wissenschaftlicher Einrichtungen, und zwar auf "relativ engem geografischem Raum". "Erfolgreiche Hightech-Cluster", sagt Franzke, "entwickeln sich zu selbstverstärkenden Einheiten und sichern damit nachhaltiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit".

Deutschlands Chancen, vom Trend zur Hightech-Region langfristig zu profitieren, stehen gut. Paradox: Das Erfolgsgeheimnis der Deutschen liegt möglicherweise gerade in der Inkonsequenz, mit der sie das neue Patentrezept "Konzentration" anwenden. Biotech in Martinsried und Brandenburg, Telekommunikation in Düsseldorf, Berlin und Bonn. Für Experten ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil. "Diese Verteilung", heißt es in einer Untersuchung aus dem Bundesforschungsministerium, "bietet im Europa-Vergleich mehr Vor- als Nachteile". Zur Begründung führen die Autoren ein überzeugendes Beispiel an: die USA. Nur dort, so das Fazit, sei man ähnlich breit aufgestellt wie in Deutschland.

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