CAD-Hersteller verknüpfen ihre Software mit dem Web
Häuser und Autos via Internet konstruiert

Die Computertechnik hat nicht nur das Reißbrett in den Konstruktionsbüros verdrängt. Sie hat auch dazu geführt, dass Entwicklungsteams weltweit - unabhängig von Ort und Zeit - miteinander arbeiten können.

HB STUTTGART. Die Hersteller von Software für die Konstruktion (CAD) haben längst die Weichen gestellt. Sie haben ihre Programme auf das Internet ausgerichtet. Anbieter wie Autodesk bringen in diesem Monat schon die zweite Generation von Software auf den Markt, die das Konstruieren und den Austausch von CAD-Daten via Internet - sozusagen per Mausklick - beherrschen. Der Vorteil für den Entwickler: Er muss nicht mehr verschiedene Programme beherrschen, um Daten mit Kollegen in anderen Firmen über das weltweite Rechnernetz auszutauschen. Er kann direkt aus seiner Anwendung ins Internet wechseln.

Die neuesten Entwicklungen dieser Programme sind von heute an bis einschließlich Freitag auf der CAT, der Fachmesse für computerunterstützte Techniken in Stuttgart zu sehen. Mit diesen webbasierten Programmen können digitale Konstruktionsdaten und-informationen innerhalb eines Produktionsprozesses effizienter verteilt werden und stehen jederzeit und überall zur Verfügung. Das Internet entwickelt sich so mehr und mehr zu einem virtuellen Arbeitsraum, der zugleich neue, spontanere Formen der Zusammenarbeit in virtuellen Projekten ermöglicht.

Die Hersteller von Normteilen stellen den Konstrukteuren schon seit langem die Daten von ihren Einbauteilen per CD digital zur Verfügung. Mit den neuen Programmen können die Informationen nun direkt - und immer auf dem neuesten Stand - aus den Internetkatalogen geladen und in die Zeichnung integriert werden.

Binnen weniger Jahre sind zahlreiche Application Service Provider (ASP) entstanden, die neben der Mietnutzung von Engineering-Anwendungen, Rechnerkapazität und Plattenplatz und dem dazugehörigen IT-Support oft auch Zusatzdienste offerieren. So gibt es inzwischen Projekt-Hosting-Dienste, bei denen Projektteams für einen bestimmten Zeitraum einen geschützten Bereich anmieten können, in dem sämtliche Projektunterlagen und Daten abgelegt werden.

Die CAD-Daten der verschiedenen Bauteile werden dabei für alle Projektteilnehmer transparent zu einem Modell zusammengeführt und auf mögliche Kollisionen der einzelnen Teile überprüft. Ein solch webbasiertes Tool für Einbauuntersuchungen hat die deutsche Tecoplan AG mit Xbrioso entwickelt. Jeder Nutzer erhält auf dem ausfallsicheren Rechner entsprechend der Projektgröße ein Speichervolumen, das auch als Abrechnungsbasis gilt. Xbrioso ist systemneutral und arbeitet mit einer facettierten Abbildung von CAD-Geometrien. Diese benötigen nur einen geringen Teil des Speichervolumens eines CAD-Bauteiles und enthalten gerade so viel Information, um die Aspekte der Zusammenarbeit im verteilten Team abzudecken.

Unabhängig von Strukturierung und definierten Beziehungen oder Abhängigkeiten werden die Daten in eine räumlich organisierte Datenbank eingetragen, die sofort die vollständige Umgebungsinformation zu jedem Bauteil errechnet. Damit ist sichergestellt, dass für jedes Bauteil ein aktueller und sicherer Stand über eventuelle Konflikte mit anderen Bauteilen vorliegt. Kollisionen, Durchdringungen und Abstandsunterschreitungen werden beim Speichern automatisch ermittelt. Jeder Konstrukteur ist zudem für jedes seiner Bauteile über den aktuellen Stand seiner Umgebung informiert, kennt seine Ansprechpartner und weiß, mit wem er sich abstimmen muss. Und bei Änderungen können automatisch alle Betroffenen informiert werden.

"Der Trend zum Konstruieren über das Internet ist nicht mehr zu bremsen"

Das klappt jedoch nur, wenn auch die verschiedenen Systeme von unterschiedlichen CAD-Herstellern miteinander kommunizieren können. Der Trend geht hier zu offenen Standards. "Was inzwischen schon recht gut bei dem Austausch grafischer Daten funktioniert, muss jedoch bei der gemeinsamen Nutzung parametrischer Informationen, die ebenfalls für den Konstruktionsprozess benötigt werden, noch verbessert werden", mahnt Uwe Rothenberg, Fraunhofer-Forscher beim IPK (Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik) in Berlin. "Nur wenn das gelingt, ist eine virtuelle Produktentwicklung möglich."

Auch wenn sich die Interneteuphorie deutlich abgekühlt hat. "Der Trend zum Konstruieren über das Internet ist nicht mehr zu bremsen", gibt sich Roland Zelles sicher, der bei der Autodesk GmbH in München als Vertriebsdirektor für die deutschsprachigen Länder zuständig ist. Auch für Fraunhofer-Experte Rothenberg hat sich der Trend zum Konstruieren über das Web von der Entwicklung im E-Business abgekoppelt. "Werkzeuge, mit denen sich die Entwicklungszeiten optimieren lassen, sind jetzt gerade gefragt."

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