Call-by-Call-Anbieter fordern weiterhin Abrechnung aller Gesprächsgebühren über Deutsche Telekom
Telekom-Konkurrenz fürchtet um ihre Existenz

Dem Wettbewerb im Telefon-Festnetz droht ein herber Rückschlag - dies fürchten die Konkurrenten der Deutschen Telekom, die Gespräche über eigene Vorwahlnummern im Telekom-Netz anbieten (Call-by-Call). Die Firmen fürchten, dass die Telekom künftig nicht mehr die über die Wettbewerber geführten Telefongespräche abrechnen muss.

slo BONN. "Dann können alternative Anbieter nicht weiter existieren", sagte Thomas Rühmer, Geschäftsführer von 01051 Telecom, am Donnerstag in Bonn. Denn auf die Unternehmen kämen deutlich höhere Kosten zu.

Hintergrund der Befürchtung ist die für dieses Jahr geplante Novelle des Telekommunikationsgesetzes. Es gebe deutliche Anzeichen aus dem Bundeswirtschaftsministerium, dass die marktbeherrschende Telekom von ihrer Verpflichtung befreit werden solle, Call-by-Call-Gespräche abzurechnen, sagte Rühmer. Derzeit muss der Konzern diese Gebühren auf der monatlichen Rechnung ausweisen.

Call-by-Call macht nach Angaben der Beratungsfirma Wik Consult 21 % der Gesprächsminuten aus, die nicht über die Telekom abgewickelt werden. Etwa acht Millionen Kunden nutzen das Verfahren. Mit niedrigen Preisen haben Call-by-Call-Anbieter bei der Marktöffnung den Wettbewerbsdruck auf die Telekom erhöht.

Beim Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hieß es gestern offiziell: Noch sei nichts entschieden, es werde noch an der Gesetzesnovelle gearbeitet. Aus dem Umfeld des Ministerium wurde jedoch bekannt, dass eine Kompromisslösung wahrscheinlich ist. "Auf absehbare Zeit wird die Telekom weiter für die Call-by-Call-Anbieter abrechnen. Nach ein paar Jahren soll aber geprüft werden, ob die Unternehmen nicht die Leistung selbst erbringen oder eine Firma damit beauftragen können", hieß es in informierten Kreisen.

Die Telekom-Wettbewerber wollen aber mehr: Die Telekom soll unbefristet zur Abrechnung aller Gesprächsgebühren verpflichtet werden und auch wieder das Verschicken von Mahnungen übernehmen. Für das letztere müssen die Wettbewerber seit etwa zwei Jahren selbst sorgen. Rund 20 Telekomanbieter - darunter Mobilcom, Colt Telecom und AOL Deutschland - haben sich daher zu einer Initiative zusammengeschlossen und mit ihren Forderungen an die Bundesregierung gewandt. Ein entsprechendes Positionspapier wollen die Call-by-Call-Anbieter auch der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Verbraucherverbänden und der Europäischen Kommission vorlegen.

Nach Berechnungen der Beratungsfirma Dialog Consult des Duisburger Professors Torsten Gerpott würde eine Rechnung die Call-by-Call-Anbieter etwa zwei bis Euro kosten, wenn sie selbst erstellen müssten. Das würde ihre Marge auf Null reduzieren oder sogar zu Verlusten führen. Derzeit zahlen sie dafür etwa 30 Cent an die Telekom. 01051-Chef Rühmer: "Wir würden auch mehr zahlen, wenn die Telekom nur weiterhin die Rechnung übernimmt."

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%