Call-by-Call-Anbieter müssen feilschen
Billigere Ortsgespräche lassen auf sich warten

Für Frühjahr nächsten Jahres rechnen Experten mit mehr Wettbewerb im Telefon-Ortsnetz. Unternehmen wie 01051 Telecom und Arcor wollen günstigere Lokalgespräche über eine eigene Vorwahl anbieten.

agh/slo DÜSSELDORF. Konkurrenten der Deutschen Telekom bereiten den Sturm auf die letzte Bastion des Bonner Konzerns vor, das Ortsnetz. Unternehmen wie Arcor und Tele2, 01051 Telecom und 3U Telecom wollen künftig günstige Ortsgespräche über eigene Vorwahlnummern (Call-by-Call) anbieten - wie bei Ferngesprächen schon lange üblich.

Der Bundesrat hat am Freitag den Weg dafür endgültig frei gemacht. Die Kunden haben dabei zwei Möglichkeiten: Entweder wählen sie vor jedem Lokalgespräch den gewünschten Anbieter oder sie wechseln für ihre Ortstelefonate dauerhaft zu einem Wettbewerber der Telekom (Preselection). Politiker erhoffen sich davon deutlich niedrigere Preise und mehr Konkurrenz im Ortsnetz, wo die Telekom einen Marktanteil von 97 % hat. Doch Experten bremsen allzu große Hoffnungen. Kein Branchenkenner rechnet mit einem drastischem Preisverfall wie bei Ferngesprächen, wo das Telefonieren seit der Marktöffnung 1998 um 90% billiger geworden ist. Im Ortsnetz dürften die Preise bestenfalls um 20 bis 25% sinken, erwartet Torsten Gerpott, Telekommunikationsexperte an der Universität Duisburg. Mehr Luft sei nicht mehr drin, sagt er. Zurzeit zahlen Telekom-Kunden - je nach Tageszeit - zwischen 1,6 und 4 Cent pro Minute für ein Ortsgespräch.

Nur wenig Herausforderer in den Startlöchern


Zudem stehen nur wenige Herausforderer in den Startlöchern, um mit Call-by-Call den im Ortsnetz etablierten Unternehmen Konkurrenz zu machen - im schlimmsten Fall rechnet Gerpott nur mit einer Hand voll neuer Anbieter. Bei Ferngesprächen konkurrierten 1998 sofort Dutzende von Call-by-Call-Firmen mit der Deutschen Telekom. Wie viele Anbieter in das Geschäft mit den Ortsgesprächen letztlich einsteigen, hängt vor allem von einem ab: Dem Ausgang ihrer Gespräche mit der Deutschen Telekom, die die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post moderieren soll. Zunächst müssen die Wettbewerber über konkrete Preise und Konditionen feilschen, technische Hürden beseitigen und Details des Gesetzes klären.

Daher steht für Experten schon heute fest: Kunden werden das lokale Call-by-Call in diesem Jahr noch nicht nutzen können - auch wenn das Gesetz das Verfahren auf Druck der Europäischen Union bereits am Dezember möglich macht. Branchenkenner sehen das Frühjahr 2003 als realistischen Starttermin.

Bei den noch offenen Punkten des Gesetzes geht es um Vorschriften, mit denen der Gesetzgeber verhindern will, dass regionalen Stadtnetzbetreibern unfaire Konkurrenz entsteht. Schließlich haben sie viel Geld in eigene Netze investiert - im Gegensatz zu Call-by-Call-Anbietern. Diese sollen die Telefonleitungen daher nicht zu billig nutzen können.

"Ortsnahe Zuführung"


Knackpunkt Nummer Eins: Das Gesetz schreibt den Anbietern von Call-by-Call eine so genannte "ortsnahe Zuführung" der Gespräche vor. Dahinter steckt die Forderung: Unternehmen, die Lokaltelefonate anbieten wollen, müssen an möglichst vielen Punkten ihre Technik mit dem Netz der Telekom zusammenzuschalten und damit in eigene Infrastruktur investieren. Noch ist aber unklar, an wie vielen Stellen dies passieren soll.

Knackpunkt Nummer zwei: Das Gesetz verlangt, dass sich die Call-by-Call-Anbieter "angemessen" an einem Teil der Infrastrukturkosten der Netzbetreiber beteiligen - konkret an den Kosten für den Telefonanschluss. Stadtnetzbetreiber wie Netcologne fordern daher, dass die neuen Konkurrenten im Ortsnetz höhere Preise für die Nutzung der Leitungen bezahlen müssen. Damit wären womöglich diese so genannten Interconnection-Gebühren für Ortstelefonate höher als bei Ferngesprächen.

Die Call-by-Call-Firmen wehren sich mit Händen und Füßen. "Es gibt keine Notwendigkeit für solche Sonderaufschläge", sagt ein Sprecher der Festnetzgesellschaft Arcor. Eine solche Differenzierung sei schlicht nicht rechtens, sagt auch Hans-Josef Piepenbrock. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt arbeitet für den Discounter 01051 Telecom. Zudem stellen die Call-by-Call-Anbieter in Frage, warum sie an den Telefonanschluss-Kosten des Netzbetreibers beteiligt werden sollen - dafür zahle bereits der Kunde mit seiner monatlichen Grundgebühr. Die Regulierungsbehörde will in den nächsten Wochen Vorschläge der Unternehmen sammeln dafür, wie das neue Gesetz verwirklicht werden kann. Im Oktober soll es eine Anhörung geben.

Unternehmen wie 01051, die heute bereits Call-by-Call für Ferngespräche anbieten, versprechen sich einiges von der Neuerung im Ortsnetz: "30 % mehr Volumen müsste drin sein", sagt Geschäftsführer Thomas Rühmer. 01051 gilt als Marktführer im Call-by-Call und als gut gerüstet für den neuen Wettbewerb. Denn die Firma hat bereits Millionenbeträge in eigene Technik investiert und hat damit gute Chancen auch die letzten Hürden des Gesetzes zu nehmen.

Quelle: Handelsblatt

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