Call-by-Call soll Ende April starten
Telekom-Konkurrenten bereiten Sturm auf das Ortsnetz vor

Was für Zeiten: Die Kunden wählen sich die Finger wund, um eine freie Telefonleitung zu ergattern. Die Mitarbeiter im Call-Center kommen mit der Bearbeitung von Anträgen kaum nach. Die Firmen überbieten sich mit den höchsten Rabatten. Das war vor fünf Jahren. Am 1. Januar 1998 begann der Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt und versetzte Deutschland in Aufbruchstimmung - zumindest kurzzeitig.

DÜSSELDORF. Ab 25. April könnte die Fortsetzung kommen, wenn es nach dem Willen der Politik ginge. Telefonkunden sollen, wie bei Ferngesprächen seit 1998 üblich, auch bei Ortsgesprächen über eigene Vorwahlnummern (Call-by-Call) die Dienste von Konkurrenten der Deutschen Telekom in Anspruch nehmen können und so für mehr Wettbewerb und sinkende Preise sorgen. Sie sollen die letzte Bastion des Ex-Monopolisten erstürmen. Doch schon heute steht fest: Einen ähnlichen Boom wie vor fünf Jahren wird es nicht geben.

Kein Branchenkenner rechnet mit einem drastischem Preisverfall wie bei Ferngesprächen, wo das Telefonieren seit der Marktöffnung 90 % billiger geworden ist. Im Ortsnetz dürften die Preise bestenfalls um 20 bis 25 % sinken, erwarten Experten wie Torsten Gerpott von der Universität Duisburg. Mehr Luft sei nicht mehr drin, sagt er. Zurzeit zahlen Telekom-Kunden - je nach Tageszeit - zwischen 1,6 und 6 Cent pro Minute für ein Ortsgespräch.

Zudem stehen nur wenige Herausforderer in den Startlöchern, um mit Call-by-Call den im Ortsnetz etablierten Unternehmen Konkurrenz zu machen. Dazu gehören Arcor, Tele 2, 01051 Telecom und Colt. Bei Ferngesprächen konkurrierten 1998 sofort Dutzende von Call-by-Call-Firmen, die inzwischen teilweise vom Markt verschwunden sind, mit der Telekom. Dafür war damals nur eine Minimalausstattung an Technik, Personal und Kapital notwendig. Heute sind die Einstiegsbarrieren höher: Die Wettbewerber müssen ihre Technik an 475 Punkten mit dem Telekom-Netz zusammenschalten. Sie müssen in ihre Infrastruktur investieren, bevor sie Ortsgespräche per Call-by-Call anbieten und später auch das so genannte Preselection. Dabei können die Kunden über eine Voreinstellung an ihrem Telefon alle lokalen Telefonate über das Netz eines Telekom - Konkurrenten führen. Das Verfahren ist ab 9. Juli möglich. Noch wissen die Unternehmen aber nicht, wie viel sie für die Nutzung der Telekom-Leitungen zahlen müssen.

Immerhin: Die Bereitschaft der Deutschen, sich auf die neuen Angebote einzulassen, ist offenbar grundsätzlich da. So erwägen etwa 60 % der Menschen, Call-by-Call im Ortsnetz zu nutzen. Das ergab eine Exklusiv-Umfrage des Online-Marktforschers Dialego für das Handelsblatt.

In den vergangenen Jahren haben alternative Anbieter der Telekom nur mühsam Marktanteile im Ortsnetz abgejagt. Firmen wie Netcologne und Arcor mussten Kunden mit ihrem kompletten Telefonanschluss von dem Ex-Monopolisten abwerben. Gemessen an der Anzahl der Anschlüsse haben die Wettbewerber 4,4 % Marktanteil. Das seien "unzureichende Fortschritte", urteilt die EU-Kommission in ihrem Bericht über den Telekommunikationsmarkt 2002. Bei den Gesprächsminuten erreichen die alternativen Anbieter im Ortsnetz einen Marktanteil von lediglich 3,6 %. Diese Position werden die Privaten nach Ansicht von Marktforschern zwar ausbauen können. Der Marktanteil bei Ortsverbindungen werde aber nicht binnen weniger Monate auf 30 bis 40 % schnellen - wie dies 1998 bei Ferngesprächen passierte.

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