Calmund: "Astrein"
Bayer-Star Simak hat nur Probleme auf dem Platz

Kein anderer Spieler ist durch die anfängliche Talfahrt von Fußball-Vize-Meister Bayer Leverkusen so ins Strudeln geraten wie Jan Simak. "Mit der Krise wurde er mehr als die die anderen heruntergezogen - auch persönlich", urteilte Bayer-Manager Reiner Calmund.

HB/dpa NIKOSIA/ZYPERN. Nach den überzeugenden Auftritten des am 13. Oktober 24 Jahre alt werdenden Mittelfeldspielers gegen Energie Cottbus und bei Borussia Dortmund rutschte er in ein Leistungs-Loch und - auf die Ersatzbank.

Nervlich am Ende war der vom Zweitliga-Aufsteiger Hannover 96 an den Rhein gewechselte Tscheche, als die eigenen Fans ihn im Champions-League-Spiel gegen Manchester United nach dem ersten Fehlpass auspfiffen. Während alle sich den Kopf über diesen Einbruch zerbrechen, verweigert Simak selbst seit Wochen jede Aussage.

"Er ist sehr introvertiert und muss mehr aus sich herauskommen", forderte auch Calmund vor der Champions-League-Partie gegen Maccabi Haifa. Obwohl dem in Mezno geborenen Simak der Ruf anhaftet, ein Hallodri mit Hang zu Discotheken und Glücksspiel zu haben, stellt er ihm ein gutes Zwischenzeugnis aus: "Bisher hat er sich astrein verhalten."

Allerdings hatte die Bayer-Führung schon Bedenken, den in Hannover durch gute Leistungen und zahlreiche Affären gleichermaßen aufgefallenen Tausendsassa zu verpflichten. Doch Leverkusens Chefcoach Klaus Toppmöller ("er ist kein Klosterschüler") wollte Simak nach dem Weggang von Star Michael Ballack unbedingt haben - und bekam ihn für 6 Mill. Euro.

Zwischen seinen 18 Toren, mit denen er wesentlich zum Durchmarsch von Hannover 96 in der 2. Liga beigetregen hatte, schoss er oft auch mit seinen Eskapaden den Vogel ab. Eine Schlägerei mit einem Wachmann auf der Expo, der Führerscheinentzug wegen Alkoholkonsums, ein Haftbefehl wegen Ignorierung eines Bußgeldes, angebliche Spielschulden über 150 000 Euro oder eine monatelang unbeglichene Gasrechnung sorgten für zahlreiche Schlagzeilen. Dass Simak am Ende auf Biegen und Brechen aus Hannover weg wollte, dazu die Stadt ("öde und hässlich") beschimpfte und mit Club und Trainer Ralf Rangnick über Kreuz lag, soll das Schlusskapitel der Skandalchronik gewesen sein. "Die Etappe meines Lebens, in der ich fünf Jahre dauernd in die Disco gegangen bin, ist vorbei", kündigte er zum Dienstantritt bei Bayer an.

Dass auch Simaks sportliche Leidenszeit bald vorbei ist, glaubt Toppmöller. "Man muss nur viel Geduld haben und ihm klar machen, dass er Verantwortung auf dem Platz übernehmen muss", meinte der Chefcoach, der ihn für einen "exzellenten Fußballer" hält. Auch Mittelfeldkollege Bernd Schneider verteidigt den Neuen gegen die harte Kritik der letzten Wochen. "Es hat nicht an Jan Simak allein gelegen, dass wir so schlecht waren. Außerdem braucht es seine Zeit, bis er die Umstellung von der 2. Liga in die Bundesliga geschafft hat", fügte er an. Allerdings weiß der Vize-Weltmeister, der das Auf und Ab im Profi-Fußball gut kennt, auch, dass seinem Teamkollegen nur bedingt zu helfen ist: "Es ist keine schöne Situation. Doch da müssen alle durch."

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