Calmund will Bayern noch nicht abschreiben
Leverkusen marschiert zum Bundesliga-Titel

Bayer Leverkusen ist reif für den Titel. Nur noch 360 Minuten trennen den dreimaligen deutschen Vizemeister von dem Moment, den ganz Leverkusen herbeisehnt: Kapitän Jens Nowotny darf - endlich - die Hände um die Schale legen.

HB/ dpa/ Düsseldorf. "Jetzt liegt es nur noch an uns. Wenn wir in den nächsten Spielen so konzentriert zur Sache gehen, wird es schwer, uns zu schlagen", sagte Bayer-Coach Klaus Toppmöller nach dem 2:0-Erfolg im 42. rheinischen Derby gegen den fast abgestiegenen 1. FC Köln . Das kann uns keiner mehr nehmen, sollte das wohl heißen.

Doch die Rechnung macht einer (noch) nicht mit. Ausgerechnet Bayer-Manager Reiner Calmund hebt warnend den Zeigefinger: "Die Bayern darf man erst dann abschreiben, wenn sie rechnerisch wirklich keine Chance mehr haben." Zu schlecht sind die Erfahrungen, Unterhaching spukt unterm Bayer-Kreuz noch immer umher.

Doch Bange machen gilt nicht: Nach dem 30. Spieltag trennen den Top-Anwärter Leverkusen vom viertplatzierten Titelverteidiger Bayern München neun Punkte. "Ein schlechter Spieltag für uns", brachte Meister-Trainer Ottmar Hitzfeld seine Champions-League-Helden schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Die Durchhalteparolen von Oliver Kahn, Leverkusen noch einmal attackieren zu wollen, waren Worthülsen. Jetzt glaubt kein Bayer mehr an ein neuerliches Fußball-"Wunder": "Schade" - Bayerns Torschütze Claudio Pizarro genügte ein Wort, um das zu sagen, was alle dachten: Das war's. Hitzfeld war verbal nicht so sparsam und in der Analyse knallhart: "Wir können nicht mehr Meister werden."

Aber in den UEFA-Pokal absteigen, den "Cup der Verlierer", wie Bayern-Aufsichtsratschef Franz Beckenbauer diesen Wettbewerb einst schnöde abtat. Jetzt sollte sich der "Kaiser" nicht mehr so negativ äußern, denn nach dem 2:2 gegen Werder Bremen ist der Bajuwaren-Stolz plötzlich nur noch Vierter und wurde vom FC Schalke 04 (2:0 gegen den Hamburger SV) überholt.

"Auf Schalke" herrschte königsblaue Euphorie, zumal Emile Mpenza nach zwei Monaten Verletzungs-Zwangspause endlich wieder mit seinem Sturm-Partner Ebbe Sand vereint ist. Generös zeigte man sich, zuvorderst Rudi Assauer.

Der Schalke - Manager schmuste sich bei Leverkusen-Verfolger Borussia Dortmund ein und erklärte es zu seinem Herzenswunsch, dass ausgerechnet der Schalke-Erzfeind Meister wird. "Ich hab' die stille Hoffnung, dass Dortmund das noch packt. Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets, und da ist es wichtig, dass ein Club aus dem Revier Meister wird", machte Assauer keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen einen Titelträger namens Leverkusen. 25 km Luftlinie von dort entfernt herrscht Tristesse pur.

Obwohl die Kölner Fans Gastgeber Bayer noch verhöhnten ("Ihr werdet nie deutscher Meister") und zumindest gesangstechnisch erstklassig sind, ist der zweite freie Fall des Geißbock-Clubs nicht mehr aufzuhalten. "Wir beschäftigen uns natürlich mit der 2. Liga", gestand der neue Manager Andreas Rettig, der die Trümmer einer Saison wegräumen darf. Sieben Auswärtsspiele im Jahr 2002, null Punkte, 1:23 Tore - da muss sich Köln schnell daran gewöhnen, dass es in der kommenden Saison nicht mehr nach München, Berlin oder Schalke geht, sondern nach Burghausen.

Dem FC St. Pauli wird Köln wohl wieder begegnen, denn das 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern war für die Kiez-Kicker zu wenig, um noch einmal Richtung Platz 15 schielen zu dürfen. Mut macht sich ein St. Paulianer da selbst: "Ich habe die Überzeugung, dass wir in der 1. Liga bleiben", erklärte Thomas Meggle den Sechs-Punkte-Rückstand auf den 1. FC Nürnberg (0:1 bei Hansa Rostock) für aufholbar.

Als gerettet darf sich Borussia Mönchengladbach
nach dem 3:3 in Cottbus und einem kuriosen Selbst-Kopfballtor von Energie-Torhüter Tomislav Piplica zum Ausgleichstreffer fühlen. Großzügig war auch der VfL Wolfsburg beim 1:3 gegen Hertha BSC Berlin: "Wir haben Geschenke verteilt", befand VfL-Trainer Wolfgang Wolf. Wolfsburg dümpelt im tabellarischen Niemandsland, die Berliner dürfen als Fünfte und mit fünf Zählern Vorsprung auf Kaiserslautern international planen.

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