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Camdessus-Bericht sieht Abkopplung Frankreichs vom Wachstum

Frankreich koppelt sich nach Einschätzung des früheren IWF-Direktors Michel Camdessus zunehmend vom Wachstum ab, weil die Wirtschaft nicht genügen Arbeitskräfte mobilisiert.

dpa-afx PARIS. Frankreich koppelt sich nach Einschätzung des früheren IWF-Direktors Michel Camdessus zunehmend vom Wachstum ab, weil die Wirtschaft nicht genügen Arbeitskräfte mobilisiert. Ohne Reformen würde das durchschnittliche Wachstum bis 2015 auf etwa ein Prozent sinken, mahnt Camdessus in einem Bericht, der am Dienstag der französischen Regierung übergeben wurde. Seit 20 Jahren gebe es wegen geringerer Arbeitszeit und Beschäftigungsquote ein Wachstumsdefizit im Vergleich zu den USA und Großbritannien.

Gegen die Unterbeschäftigung älterer Arbeitnehmer empfiehlt Camdessus, dass Renten und Lohneinkommen uneingeschränkt kumuliert werden dürfen. Arbeitslose sollten stärker kontrolliert und ihre Förderung an die Annahme bisher als unzumutbar abgelehnter Arbeit gekoppelt werden. Die Mindestlöhne sollten langsamer steigen und die Lohnhöhe vom Dienstalter abgekoppelt werden. Die Unternehmen will Camdessus über ein Bonus-Malus-System bei der Sozialversicherung dazu bringen, schneller einzustellen und weniger zu entlassen. Über eine Reform des Arbeitsrechts soll zudem der Einspruch vor Gericht gegen Kündigungen erschwert werden.

Dem Staat empfiehlt Camdessus, seine Schulden abzubauen und Ausgaben über mehrere Jahre stabil zu planen. Es gebe zu viele Minister. Im Staatsdienst solle nur jede zweite frei werdende Stelle ersetzt werden, erklärte Camdessus.

Der Bericht entspricht den Forderungen des Unternehmerverbandes Medef. Der scheidende Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy erklärte, er werde sich "stark auf diese bemerkenswerten Vorschläge stützen". Insgesamt stößt Camdessus Plan in der Regierung aber eher auf Zurückhaltung. Die linken Oppositionsparteien und die Gewerkschaften kritisierten die Vorschläge als "liberal". Camdessus war von 1987 bis 2000 Chef des Internationalen Währungsfonds gewesen, dem in dieser Zeit die Verschärfung der Währungskrise in Asien mit liberalen Sanierungskonzepten vorgeworfen wurde.

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