Canning Fok ist zweiter Mann beim Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa
Canning Fok: Des Tycoons General

Er ist der Drahtzieher vieler Milliarden-Deals in Europa, aber dennoch kaum bekannt. Jetzt sorgte Fok wieder für Furore: Der Chinese schickte die Telekom-Aktie in den Keller.

HONGKONG. Das Gesicht einer Bulldogge, das Lächeln eines Engels: Canning Fok, Managing Director und zweiter Mann bei Hutchison Whampoa, ist schwer zu ergründen. Gleiches gilt für seinen Arbeitgeber. Der Hongkonger Mischkonzern ist mächtig, aber äußerst verschwiegen. Seit acht Jahren steht Fok, 49, am Steuer des einzigen echten Global Players Asiens außerhalb Japans.

Seine Bubikopf-Frisur ist mit den Jahren ergraut, unter den Managern, die Europas Telekom-Landschaft umkrempeln, ist Fok der große Unbekannte geblieben. Dabei hatte er bei einer Reihe milliardenschwerer Deals die Finger im Spiel: etwa beim Verkauf des britischen Mobilfunkers Orange an Mannesmann oder bei der Übernahme der Düsseldorfer durch Vodafone.

Bei spärlich gewährten Interviews spricht der Vater von vier Kindern grundsätzlich nie über seine Person. In den lokalen Massenblättern taucht sein Foto genauso wenig auf wie in den Jahresberichten seines Arbeitgebers. Dabei hat Fok, den Banker für einen genialen Finanzingenieur halten, großen Anteil am Aufstieg des einstigen kolonialen Handelshauses in den Kreis der profitabelsten Weltkonzerne.

Doch Fok, von stämmiger Statur, ist nicht eitel. Ganz loyaler Diener, tritt er diskret zurück hinter seinen Herrn, Hutchison-Chairman Li Ka-shing, einen der zehn reichsten Männer der Welt. "Er ist der König, ich bin der General", beschreibt Fok ihr Verhältnis. Militärische Metaphern wie "Unser Telekom-Team kämpft den Krieg seines Lebens" oder "Hutchison schießt mit Pistolen, unsere Wettbewerber schwenken Schwerter" gehen ihm leicht über die Lippen. Wenn es hart auf hart kommt, wünscht man sich diesen Mann nicht zum Feind.

Für Asiens mächtigsten Tycoon dirigiert er die Truppen, für Li hält er die Stellung, wenn die Kanonen donnern. So im Februar 2000, als Vodafone-Chef Chris Gent mit Klaus Esser um Mannesmann rang. Da lag Fok, Vertreter des größten Einzelaktionärs des Traditionskonzerns, im Düsseldorf Steigenberger Parkhotel bereit, einen Steinwurf vom Mannesmann-Hochhaus entfernt. Fok beteuert, er habe Esser bis zum Fall der Trutzburg loyal zur Seite gestanden. Dennoch ermitteln jetzt die Staatsanwälte, ob der Chinese Gent eine Bresche geschlagen hat. Sie vermuten hinter der "Anerkennungsprämie" von 31 Millionen Mark, die Fok auf Lis Geheiß Esser unmittelbar nach der Kapitulation andiente, Bestechungsgeld.

Kurz drauf tat sich das nächste Schlachtfeld auf: die deutsche UMTS-Auktion. Kaum hatte das Konsortium von Hutchison und KPN Mobile eine Lizenz ergattert, ließ Fok den Alliierten aus Holland mit 8,4 Milliarden Euro Kosten allein. Chuzpe und Vorausschau, die Analysten dem messerscharfen Rechner und seinem Chef heute, ein Jahr später, hoch anrechnen.

Doch Canning Fok hat auch eine zarte Seite. Als Kind träumte er von einer Karriere als Pianist, und noch heute überrascht er Gäste mit brillanten Spontankonzerten, berichtet ein Hongkonger Banker. Fok lacht gern, redet wie ein Wasserfall und meidet Worthülsen. Sein Mantra ist die Steigerung des Unternehmenswerts. Beteiligungen stößt er ohne Wehmut und Zögern ab. Als Fok Anfang August ein größeres Aktienpaket an der Deutschen Telekom verkaufte, brach deren Kurs um ein Drittel ein.

Bei Hutchison trat "Klein Canning", wie er anfangs geneckt wurde, mit 27 ein, nach Studium in Hongkong, den USA und Australien. Schnell stürmte er die straffe Hierarchie des Hauses hoch. Heute muss Fok die 1000 Teile des weltumspannenden Konzern-Puzzles zusammenhalten. Hutchison hat 100 000 Mitarbeiter in 34 Ländern.

Nach dem perfekt getimten Ausstieg aus Orange und dem Verkauf von Voicestream an die Telekom steht der Veteran vor seiner vielleicht größten Prüfung: dem Aufbau eines europäischen UMTS-Geschäfts. Die Hälfte seiner Zeit verbringt Fok derzeit auf dem Alten Kontinent. Auf 12 Milliarden Dollar schätzen Analysten die Investitionskosten in Großbritannien, Italien, Schweden und Österreich.

Das Risiko hämmerte den Hutchison-Kurs in den Keller. Fok hat das alles schon einmal erlebt. "1993 hieß es überall, unser Start-up Orange würde zur Zitrone," sagt er, "aber wir haben damit viel Geld gemacht."

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%