Canning Fok spielte Schlüsselrolle
Hongkonger Manager soll Licht in Esser-Affäre bringen

Bei den Untreuevorwürfen, gegen die sich Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und einige seiner Aufsichtsratskollegen derzeit wehren müssen, spielt ein Hongkonger Top-Manager eine Schlüsselrolle: Canning Fok. Seiner eigenen Aussage nach ist der Managing Director des Mischkonzerns Hutchison Whampoa der Initiator der Anerkennungsprämie von knapp 30 Mill. DM, mit denen Esser und andere Mannesmann-Spitzenmanager nach der Übernahme durch Vodafone im Februar 2000 belohnt wurden.

DÜSSELDORF/HONGKONG. Auf Fok ruhen viele Hoffnungen der früheren Mannesmann-Aufsichtsräte, gegen die zurzeit die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt: Noch wurde Fok nicht vernommen. Vielleicht kann seine Aussage die Staatsanwälte, die offenbar in mehreren Fällen zur Anklage entschlossen sind, noch umstimmen, heißt es aus Kreisen der Beschuldigten.

Hutchison hatte allen Grund, mit Esser zufrieden zu sein: Als Hutchison 1999 Großaktionär bei Mannesmann wurde, war das Papier 150 ? Wert. Beim Verkauf an Vodafone ein Jahr darauf waren es 380 ?. Den 10 %-Anteil an Mannesmann, der sie zum größten Einzelaktionär machte, hatten die Hongkonger durch den Verkauf ihrer Mobilfunktochter Orange an die Düsseldorfer erlangt. Seitdem saß Fok im Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Mobilfunkers.

"Esser hat gekämpft wie ein Löwe, bis zur letzten Sekunde," rechtfertigte der Chinese, der selbst als knallharter Verhandler und genialer Finanzjongleur gilt, vor einem Jahr im Gespräch mit dem Handelsblatt die hohe Prämie für Esser. Auf Grund dieses Einsatzes habe Vodafone den Mannesmann-Anteil am fusionierten Unternehmen von den ursprünglich gebotenen 42 % auf 49,5 % erhöhen müssen - und Esser habe sich mit der Unterschrift unter die Fusion um den eigenen Job gebracht.

Als "Geste, als Zeichen, dass wir ein Herz haben," verteidigt Fok die Anerkennungsprämie für Esser, als Ausdruck einer Hutchison-typischen Unternehmenskultur. In Wirklichkeit dürfte allerdings nicht der untersetzte Kämpe mit Prinz-Eisenherz-Frisur und Knubbelnase, sondern der drahtige Hutchison-Chairman und Mehrheitsaktionär Li Ka Shing die treibende Kraft hinter der umstrittene Anerkennungsprämie gewesen sein. Den Tycoon - einer der reichsten Männer der Welt und einer der mächtigsten Asiens - nennt Fok respektvoll "den König". Der Feudalvergleich hinkt nicht. Der Patriarch lebt sehr zurückgezogen. Doch in einem straff geführten asiatischen Familienkonzern wie Hutchison fällt keine wichtige Entscheidung ohne den Boss.

Im persönlichen Leben gilt Li als bescheiden. Gleichzeitig ist er bekannt für seine große - aber immer genau kalkulierte - Freigiebigkeit. Sie fängt bei Kellnern an und hört bei Politikern und einflussreichen Verwaltungsbeamten in Hongkong und China nicht auf. Der Tycoon ist bekannt für seine Begabung, ein engmaschiges Netz einflussreicher Personen um sich zusammenzuflechten. Seine Spendierfreude spielt dabei eine Schlüsselrolle. Hochrangigen Beamten trägt Li zum Beispiel bei ihrem Ausscheiden gern gut dotierte Beratungsposten an, damit sie ihren Einfluss in den Institutionen diskret für ihn spielen lassen.

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