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Cap-Anamur-Chef: «Ich habe Fehler gemacht»DPA-Datum: 2004-07-19 15:37:48

Köln/Rom (dpa) - Der Chef der Kölner Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, hat bei der Seenot-Rettung von 37 Afrikanern aus dem Mittelmeer Versäumnisse eingeräumt. «Ich habe Fehler gemacht», sagte Bierdel in einem Interview mit dem «Deutschlandfunk» am Montag in Köln.

Köln/Rom (dpa) - Der Chef der Kölner Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, hat bei der Seenot-Rettung von 37 Afrikanern aus dem Mittelmeer Versäumnisse eingeräumt. «Ich habe Fehler gemacht», sagte Bierdel in einem Interview mit dem «Deutschlandfunk» am Montag in Köln.

Zum Beispiel habe die Hilfsorganisation zu spät Kontakt mit den italienischen Behörden gesucht. «Das hätten wir viel besser und leichter erreichen können.» Gleichzeitig wies er Vorwürfe zurück, die Aktion sei eine Medieninszenierung gewesen.

Bierdel war mit zwei Mitarbeitern der Organisation am vergangenen Freitag nach fünftägiger Untersuchungshaft freigelassen worden. Die italienischen Behörden werfen ihnen Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor, weil sie die Afrikaner zum sizilianischen Hafen Porto Empedocle gebracht haben. Laut Bierdel war dieser der «nächstgelegene von der Rettungsstelle aus». Eine für den Wochenanfang in Köln angekündigte Pressekonferenz wurde am Montag auf einen zunächst nicht genannten Zeitpunkt verschoben.

Laut Bierdel hat das Schiff auf seine Anweisung hin einige Zeit gekreuzt. «Weil wir wussten, wir sind in einer Zone, in der es möglicherweise noch sehr viel mehr Menschen gibt, die in Not sind, als nur jene 37, die wir bis dahin hatten retten können.» Der Cap-Anamur-Chef, der während der Aktion zusammen mit zwei Kamerateams an Bord gekommen war, betonte, dass «dort draußen auf dem Meer täglich Menschen ertrinken». Derzeit gebe es allerdings niemanden, «der das so richtig wahrnehmen möchte oder - geschweige denn - ganz gezielt versucht, diesen Menschen zu helfen», sagte Bierdel.

Gleichzeitig kritisierte Bierdel Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck scharf. Schily habe sich «sehr schnell und ohne verlässliche Datengrundlage» über ein laufendes Ermittlungsverfahren in Italien geäußert. Über Neudeck sagte er: «Er gehört zu den ganz wenigen Menschen in Deutschland, die sich auch ohne jede Detailkenntnis selbst zu sehr komplizierten Sachverhalten jederzeit öffentlich äußern dürfen.» Sollte stimmen, was er über Neudeck gelesen habe, dann habe man es möglicherweise mit einem «bizarren Fall von senilem Zynismus» zu tun.

«Ich fühle mich nicht angegriffen», sagte Neudeck am Montag auf Anfrage in Köln. Seine Sorge gelte den 37 Afrikanern, deren Asylgesuche nach Informationen der Nachrichtenagentur Ansa abgelehnt worden sind. 14 seien in ein Flüchtlingslager gebracht worden. Von dort sollen sie abgeschoben werden. Andere hätten Aussicht auf Gewährung von «humanitärem Schutz». Die Männer stammen den Angaben zufolge nicht wie zunächst von ihnen angegeben aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, sondern aus Nigeria, Niger und Ghana.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderte unterdessen in Berlin die Freigabe des von den italienischen Behörden beschlagnahmten Schiffes. Die Organisation müsse ihre Arbeit fortsetzen können, sagte er. Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth (Grüne), plädierte in einem Forum der «Netzeitung» für eine europaweit geltende «humanitäre Klausel» im Umgang mit Flüchtlingshelfern.

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