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Cap-Anamur-Mannschaft wieder in DeutschlandDPA-Datum: 2004-07-18 15:19:52

Köln/Rom (dpa) - Drei aus der Haft entlassene Mitarbeiter der Hilfsorganisation Cap Anamur und die Besatzung des gleichnamigen Flüchtlingsschiffes sind wieder in Deutschland. Die komplette Mannschaft sei sicher aus Italien eingetroffen und glücklich, in der Heimat zu sein.

Köln/Rom (dpa) - Drei aus der Haft entlassene Mitarbeiter der Hilfsorganisation Cap Anamur und die Besatzung des gleichnamigen Flüchtlingsschiffes sind wieder in Deutschland. Die komplette Mannschaft sei sicher aus Italien eingetroffen und glücklich, in der Heimat zu sein.

Dies sagte ein Cap-Anamur-Sprecher am Sonntag in Köln. In Kürze will sich der Leiter von Cap Anamur, Elias Bierdel, zu den Vorwürfen der italienischen Justiz und den Umständen der Haft öffentlich äußern. Zunächst werde sich die Hilfsorganisation intern absprechen.

Bierdel, der Kapitän und der erste Offizier des Schiffes waren am Freitag nach fünftägiger Untersuchungshaft freigekommen. Weil sie 37 afrikanische Flüchtlinge zum sizilianischen Hafen Porto Empedocle brachten, warf ihnen die Staatsanwaltschaft Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor. Das Schiff wurde beschlagnahmt.

Die Asylgesuche der aus Seenot geretteten Afrikaner wurden abgelehnt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf das Innenministerium in Rom. 14 von ihnen wurden demnach in ein Flüchtlingslager gebracht. Von dort sollen sie in ihre Heimatländer abgeschoben werden. Andere hätten Aussicht auf Gewährung von «humanitärem Schutz» in Italien. Nach Angaben der italienischen Behörden stammen die Männer nicht wie zunächst von ihnen angegeben aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, sondern aus Nigeria, Niger und Ghana.

Das öffentlichkeitswirksame Vorgehen der Hilfsorganisation blieb umstritten. Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck übte heftige Kritik an seinen Nachfolgern: Dass die Besatzung des Flüchtlingsschiffs sechs Tage lang auf Kamerateams und den Cap-Anamur-Chef Bierdel wartete, rieche nach Geheimplänen, sagte er der «Welt am Sonntag». Cap Anamur lebe aber von Transparenz.

Der Unions-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach bemängelte in der «Wams» außerdem, es sei verantwortungslos, noch häufiger durch das Mittelmeer zu kreuzen, um Flüchtlinge nach Europa zu bringen. Dadurch begäben sich die Menschenmassen erst Recht auf den Weg nach Europa. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums kritisierte, Cap Anamur suggeriere durch solche Aktionen den Afrikanern, dass sie sicher über das Meer kommen. Tatsächlich aber würden die meisten verdursten oder ertrinken.

Die italienische Küstenwache hat indes erneut 147 Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Das völlig überfüllte Boot sei am Samstagabend von der Luftwaffe entdeckt worden, berichteten italienische Medien. Die Flüchtlinge wurden in ein Aufnahmelager nach Lampedusa gebracht, einer zwischen Sizilien und der afrikanischen Küste gelegenen Insel.

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