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Cap-Anamur-Verantwortliche nehmen zu Seenotrettung StellungDPA-Datum: 2004-07-20 07:23:00

Berlin (dpa) - Einen Monat nach der Seenotrettung von 37 Afrikanern wollen die Verantwortlichen der Kölner Hilfsorganisation Cap Anamur heute in Berlin zu den Vorgängen vor der italienischen Küste Stellung nehmen.

Berlin (dpa) - Einen Monat nach der Seenotrettung von 37 Afrikanern wollen die Verantwortlichen der Kölner Hilfsorganisation Cap Anamur heute in Berlin zu den Vorgängen vor der italienischen Küste Stellung nehmen.

Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel hatte am Montag in einem Interview Versäumnisse eingeräumt. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) kündigte in Folge des Dramas um das Flüchtlingsschiff «Cap Anamur» an, in Nordafrika Asylbewerberlager einrichten zu wollen. Dort könnten EU-Beamte die Asylanträge von Flüchtlingen vor ihrer Einreise in die Europäische Union prüfen.

Neben Bierdel wollen sich der Kapitän der «Cap Anamur», Stefan Schmidt, sowie der frühere Bundesinnenminister Gerhard Baum (FDP) als Mitglied des Förderkreises bei einer Pressekonferenz äußern. Bierdel war mit Schmidt und einem weiteren Mitarbeiter der Organisation am vergangenen Freitag nach fünftägiger Untersuchungshaft freigelassen worden. Die italienischen Behörden werfen ihnen Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor, weil sie die Afrikaner zum sizilianischen Hafen Porto Empedocle gebracht haben.

Bierdel sagte im Deutschlandfunk: «Ich habe Fehler gemacht.» Zum Beispiel habe die Hilfsorganisation zu spät Kontakt mit den italienischen Behörden gesucht. «Das hätten wir viel besser und leichter erreichen können.» Vorwürfe, die Aktion sei eine Medieninszenierung gewesen, wies er zurück. Kapitän Schmidt sagte den «Lübecker Nachrichten» (Dienstag), «ich habe nur getan, was ein Kapitän eines Schiffes machen musste, von Anfang bis zum Ende.»

Schily erklärte in Brüssel, «ich glaube, dass auch die nordafrikanischen Länder ein Interesse daran haben müssen, dass sich die Sache nicht so entwickelt wie sie sich entwickelt.» Die Lösung könnten - wie von Großbritannien vorgeschlagen - Aufnahmelager in Nordafrika sein, in denen Asylbewerber mit Ziel Europa bis zur Entscheidung über ihre Anträge warten müssten.

Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sind die Asylgesuche der Afrikaner abgelehnt worden. 14 seien in ein Flüchtlingslager gebracht worden. Von dort sollen sie abgeschoben werden. Andere hätten Aussicht auf Gewährung von «humanitärem Schutz». Die Männer stammen den Angaben zufolge nicht wie von ihnen angegeben aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, sondern aus Nigeria, Niger und Ghana.

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