Capitalia verkauft 135 Filialen – Banca Intesa verringert die Ausleihungen
Italiens Banken flicken ihre Kapitaldecke

Doch jetzt die steuern Manager um: Sie verkaufen Vermögenswerte und verringern das Kreditvolumen - nicht zuletzt auch, um die Vorgaben der Notenbank zu erfüllen.

MAILAND. Im Bestreben, ihre mangelhafte Kapitalausstattung aufzupolieren, hat die viertgrößte Bank Italiens, Capitalia, 135 Filialen und andere Unternehmensteile für rund 1 Mrd. Euro abgestoßen. Käufer sind die genossenschaftliche Versicherungsgruppe Unipol sowie diverse norditalienische Sparkassen.

Mit dem Deal hebt das bis vor kurzem als Banca di Roma firmierende Institut stille Reserven von 389 Mill. Euro und streicht Ausleihungen im Volumen von 1,6 Mrd. Euro aus der Bilanz. Damit verbessert das Institut seine Kernkapitalquote (Core Tier 1) - also das Verhältnis zwischen dem Eigenkapital ohne Vorzugsaktien und den Risikoaktiva - von 5,5% auf rund 5,9%. Capitalia erfüllt jetzt fast die von der Zentralbank in Rom ab Ende 2003 geforderte Marke von 6%.

Der Schritt des Römer Instituts passt ins Bild. Während in anderen EU-Ländern vor allem die Ertragskrise der Geldhäuser im Mittelpunkt der Diskussionen steht, ist in Italien das Thema der schwachen Kapitalausstattung aktueller denn je. Nach Ansicht der Analysten von WestLB Panmure sind diesbezüglich die italienischen Banken im europäischen Vergleich am meisten unter Druck. Vor allem der Marktführer Banca Intesa, Capitalia, Montepaschi di Siena sowie die Banca Nazionale del Lavoro (BNL) rangieren in internationalen Ranglisten auf den hinteren Plätzen.

Zu den Banken mit einer eher schwachen Kapitaldecke zählen in Europa auch die Commerzbank, die Hypo-Vereinsbank, die spanische SCH und ABN Amro aus Holland. Sie alle erfüllen zwar bequem die Mindestanforderung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die ein Tier-1- Kapital von 4 % vorschreibt. Die Märkte strafen aber die Aktienkurse dieser Häuser aus Furcht vor einer Herabstufung durch die Ratingagenturen ab.

So wie jetzt Capitalia haben sich in den letzten Monaten auch andere italienische Banken des Themas energisch angenommen. So hat Banca Intesa nicht nur Vermögenswerte verkauft und damit stille Reserven gehoben, sondern auch die Ausleihungen an globale Konzerne drastisch verringert.

Intesa hatte sich über Gebühr an den Pleiten von Enron, Swissair und Worldcom die Finger verbrannt; nun hat der neue Vorstandschef Corrado Passera allein im dritten Quartal die Kredite an Großkonzerne um fast 12 Mrd. Euro reduziert. Die Folge ist eine Verbesserung der Core-Tier 1-Ratio von 5,6% auf 5,9%. Hohe Restrukturierungsaufwendungen für die verlustreichen Töchter in Südamerika werden im vierten Quartal die Kennzahl aber wieder verschlechtern. Um einige Zehntelpunkte hat auch Italiens fünftgrößte Bank, Montepaschi di Siena, ihre Kapitalquote durch den Verkauf eines 5%-Paketes an San Paolo IMI verbessern können. Die von einer öffentlichen Stiftung kontrollierte Bank wies zur Jahresmitte nur eine Kernkapitalquote von 5,2% auf. Schlechter war nur BNL mit fast schon besorgniserregenden 4,8%.

Die Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass vier italienische Banken bis 2003 nicht die von der Zentralbank geforderte Mindestmarke erreichen werden. Nach ihrer Ansicht riskieren Intesa, BNL, Banca Popolare di Bergamo und die Antonveneta, eine Kapitalerhöhung durchführen zu müssen. Grund dafür sei nicht nur der schwache Ausgangspunkt der Häuser, sondern auch die schlechten Ertragsaussichten durch Druck auf die Zinsmarge, dümpelnde Börsen und mehr faule Kredite.

Auch die Experten von Credit Suisse First Boston sehen Gefahren. Sie glauben zwar nicht, dass Italiens Banken bald den Kapitalmarkt anzapfen müssen. Voraussetzung sei aber, dass keines der drei Negativszenarien eintrete: eine heftige Rezession in Italien, eine Pleite von Fiat oder die Zahlungsunfähigkeit Brasiliens. Sollte eines oder gar mehrere dieser Ereignisse eintreten, würden die Kapitalquoten diverser Banken auf ein gefährliches Niveau abstürzen, meint CSFB.

Quelle: Handelsblatt

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