Carlos Ghosn will aus dem japanischen Sanierungsfall in drei Jahren einen florierenden Autohersteller machen
Nissan-Präsident preist die Allianz mit Renault

In drei Jahren will der hoch verschuldete japanische Automobilhersteller Nissan aus den größten Schwierigkeiten heraus sein. Die Allianz mit Renault hilft den Japanern auf dem Weg zur Gesundung.

HB PARIS. Carlos Ghosn verkündet ehrgeizige Ziele. Der Präsident von Nissan Motor, seit dem Juni auf diesem Posten, will die Ertragslage des hoch verschuldeten japanischen Automobilherstellers jetzt schneller verbessern als zunächst erwartet. Die Rendite im operativen Geschäft soll nun bis zum Jahr 2002 von 4,5 auf 6 % gesteigert werden, kündigte Ghosn in Paris im Gespräch mit Journalisten an. Auslöser sind die ersten durchgreifenden Sanierungserfolge und die funktionierende Kooperation mit Renault. Der französische Hersteller hatte Anfang 1999 gut 36 % von Nissan erworben.

Ohne die aktuellen Probleme bei Daimler-Chrysler direkt zu erwähnen, bezeichnete Ghosn die Zusammenarbeit zwischen Nissan und Renault als Vorbild für die gesamte Automobilindustrie. "Die Allianz war der richtige Weg", sagte der frühere Renault-Manager, der bereits im vergangenen Jahr von Frankreich nach Japan gewechselt war.

Die komplette Fusion sei nicht der einzige Weg, um zwei Unternehmen zusammenzubringen. Die Renault-Beteiligung an Nissan lasse Raum für eine "ausbalancierte Partnerschaft", hob der Automobilmanager hervor. Damit sei es gelungen, die Motivation der Nissan-Mitarbeiter zu erhalten. "Diese Motivation ist das Wichtigste, was ein Unternehmen besitzt", so Ghosn weiter. Wegen der weiterhin hohen Verschuldung werde es auf absehbare Zeit keine Nissan-Beteiligung an Renault geben. "Wir müssen unser Geld für andere Zwecke einsetzen", sagte Ghosn. Im Moment sitzen die Japaner noch auf einem Schuldenberg von umgerechnet 10 Mrd. $.



US-Verkäufe sorgten für Absatzstabilität

Der Nissan-Präsident verteidigte den angekündigten Bau einer neuen Geländewagenfabrik im US-Bundesstaat Mississippi. "In den USA haben wir den profitabelsten Markt der Welt", betonte er. Auch wenn sich jetzt eine gewisse Beruhigung im US-Geschäft abzeichne, bleibe das neue Werk immer noch ertragsstark. Der Nissan-Absatz in den Vereinigten Staaten habe während der vergangenen Monate ganz entscheidend dazu beigetragen, dass Nissan wieder aufgerichtet wurde. Die Japaner hatten Mitte November mit umgerechnet 1,8 Mrd. Euro das beste Sechsmonatsergebnis seit zehn Jahren veröffentlicht.

Die stärksten Anstrengungen hält Ghosn auf dem japanischen Heimatmarkt für notwendig, wo der Nissan-Marktanteil in den vergangenen Jahren von 34 % auf 17,3 % geschrumpft war. "Japan hat für uns die höchste Priorität", sagte er. Deshalb gebe es bei Nissan für Japan zum ersten Mal auch ein eigenes Marketingteam.

Enttäuscht äußerte sich Ghosn über das Geschäft in Europa. "Die Schwäche des Euros blockiert uns", strich der Nissan-Chef heraus. Europa sei in diesem Jahr für Nissan die einzige Weltregion, in der sich das Betriebsergebnis verschlechtert habe. "Frustrierend", fasste Ghosn die Entwicklung zusammen.



Hoffen auf Unterstützung der britischen Regierung

Deshalb gibt es noch immer keine Entscheidung darüber, ob Nissan die nächste Generation seines Kleinwagens Micra auch wieder im eigenen britischen Werk in Sunderland bauen lässt. Eine Alternative gebe es auch in einem kontinentaleuropäischen Werk von Renault, wo sich der hohe Pfundkurs nicht mehr negativ auf das Nissan-Ergebnis auswirken würde. Noch hofft das Unternehmen auf eine finanzielle Unterstützung durch die britische Regierung. Ghosn: "Hilfen machen jede Investition leichter." Die Entscheidung über den künftigen Micra-Produktionsstandort kündigte er für den nächsten Januar an.

Ghosn warnte vor zu hohen Erwartungen. "Das Unternehmen Nissan ist immer noch sehr verletzlich", sagte er. Erst bei einer durchgreifenden Erneuerung sei das Unternehmen wieder richtig gesund. Für den Nissan-Präsidenten zählen dazu außer der neuen Renditesteigerung auf 6 % die deutliche Erhöhung des Marktanteils in Japan und ein kräftig reduzierter Schuldenberg. Das Ziel von Ghosn: 6,7 Mrd. $ Schulden. Im Jahr 2003 könnte Nissan diese Aufgaben gelöst und die endgültige Gesundung erreicht haben.

Über die Zukunft der Lkw-Tochter Nissan Diesel ist noch nicht entschieden. Wie bei der Mutter gehe es darum, das Unternehmen zunächst zu stabilisieren. Ghosn machte jedoch die Einschränkung, dass Nissan Diesel "niemals große Gewinne abwerfen wird". Zuletzt war über eine Kooperation mit Volvo spekuliert worden.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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