Carphone hat in Deutschland einen Marktanteil von nur 0,6 Prozent
Carphone bietet Solidität und Wachstum

Der deutsche Markt ist für die britische Carphone Warehouse Plc eine einzige Problemzone. Erst im Jahr 2000 war die größte Handy-Ladenkette Europas hier zu Lande angetreten. Entsprechend mager liest sich das Ergebnis: Die Handelskette kommt in Deutschland auf einen Marktanteil von gerade einmal 0,6 %. Die Läden mit dem Namen "Phone House" kennt fast niemand, und sie sind unprofitabel.

LONDON. Mit der Übernahme der Hutchison Telecom GmbH, die bisher zum britischen Mobilfunkunternehmen Orange gehörte, will Carphone- Chef Charles Dunstone jetzt auch in Deutschland Land gewinnen. Schon im laufenden Jahr soll im größten europäischen Markt ein Gewinn erwirtschaftet werden und der Marktanteil langfristig auf 5 % steigen.

Dem Aktienkurs halfen die Nachrichten in den vergangenen Wochen wieder auf die Beine. Seit Mitte März hat sich das Papier beinahe verdoppelt, zwischenzeitlich notierte es mit rund 100 Pence nahe seinem Hoch vom November vergangenen Jahres. Für Phantasie unter den Anlegern sorgten auch unerwartet starke Verkaufszahlen bei neuen Handys mit integrierter Kamera.

Angesichts des rasanten Kursanstiegs warnen Analysten für die kommenden Monate vor zu viel Euphorie. "Ich gehe davon aus, dass der Kurs kurzfristig erst einmal wieder sinken wird", sagt Nathan Cockrell von Credit Swiss First Boston. Er bewertet die Carphone-Aktie mit "neutral". Damit gehört er zur Mehrheit von rund 56 % der Analysten, die die Aktie laut einer aktuellen Statistik der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht zum Kauf empfehlen.

Langfristig bietet das Papier aber weiteres Potenzial. "Ein Investment in Aktien von Carphone Warehouse ist weniger riskant als eines in Netzbetreibern, weil das Unternehmen breiter aufgestellt ist", meint Cockrell. Die Briten verkaufen in ihren insgesamt 1 140 Läden in zwölf Ländern nicht nur Mobiltelefone und Zubehör, sondern vermarkten auch Verträge und vorausbezahlte Karten der verschiedenen Handy-Netzbetreiber wie Vodafone oder MMO2. "Carphone Warehouse bietet eine gute Mischung zwischen der Wachstumsphantasie der Mobilfunkbranche und der Bodenständigkeit eines Einzelhändlers", sagt Cockrell.

Im vergangenen Geschäftsjahr übertraf Carphone Warehouse damit die Erwartungen der meisten Analysten. Die Briten erwirtschafteten einen Umsatz von 1,8 Mrd. Pfund und einen Gewinn in Höhe von 22 Mill. Pfund. Für die Carphone-Anleger besonders erfreulich: Ihnen wurde erstmals eine Dividende gezahlt.

Im Heimatland Großbritannien hat Carphone Warehouse seine Produktpalette jetzt erweitert. Seit Jahresbeginn tritt das Unternehmen mit eigenen Festnetzangeboten gegen den ehemaligen Monopolisten BT Group an. Die Strategie von Carphone: Wenn Kunden in einem der konzerneigenen Läden ein neues Mobiltelefon kaufen, sollen sie das Festnetztelefonieren gleich mitbestellen. Doch Beobachter sind skeptisch, ob dieses Geschäft zum neuen Wachstumsmotor wird. Selbst wenn sich viele Kunden für das Angebot entscheiden, werden die Margen äußerst gering sein, denn der Markt ist stark umkämpft. Zudem wagt sich Carphone damit auf völlig unbekanntes Terrain.

Mit Hans Snook haben die Briten im vergangenen Jahr jedoch einen neuen Chairman verpflichtet, dem die Eroberung selbst schwieriger Geschäftsfelder zugetraut wird. Der ehemalige Orange-Manager soll für mehr Kundennähe sorgen. Eines der ersten Ergebnisse ist eine Kooperation mit Kodak. Schon bald können die Kunden ihre Fotos, die sie mit dem Mobiltelefon geschossen haben, in Carphone-Geschäften selbst auf Fotopapier ausdrucken.

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