Carrefour erhöht Reingewinn um vier Prozent
Europas Einzelhändler machen gute Geschäfte

Kaum ein Land trifft die Konsumzurückhaltung so stark wie Deutschland. In Frankreich und Spanien fahren die großen Händler kräftige Gewinne ein. Auch Ahold soll heute steigende Umsätze verkünden.

DÜSSELDORF/PARIS. Die deutschen Einzelhändler stöhnen und klagen - jenseits der Grenzen melden Supermarkt-Betreiber dagegen steigende Ergebnisse. Am Mittwoch überraschte die französische Handelsgruppe Carrefour S.A. Analysten und Anleger mit ausgesprochen guten Halbjahreszahlen: Der zweitgrößte Einzelhändler der Welt hinter Walmart steigerte den Reingewinn zur Vorjahresperiode um 4,1 % auf 459 Mill. Euro. Der um Zu- und Verkäufe bereinigte Gewinn legte sogar 25 % auf 400 Mill. Euro zu. Vorstandschef Daniel Bernard rechnet fest damit, dass der Konzern im Gesamtjahr beim Ergebnis 10 % bis 15 % und beim Umsatz 5 % wächst.

Sparprogramm zeigt Wirkung

Damit wirkt sich offenbar das 2001 eingeleitete Sparprogramm aus: Der Umsatz sank zwar in der ersten Jahreshälfte um gut 1 % auf 33 Mrd. Euro. Die Umsätze im Juli und August entwickelten sich allerdings "in die richtige Richtung", sagte Bernard am Mittwoch bei der Präsentation der Ergebnisse

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Deutsche Einzelhändler blicken neidisch auf ihren französischen Wettbewerber. Analysten haben eine plausible Erklärung für das positive Ergebnis. Carrefour beschränkt sich mit seinem Warenangebot größtenteils auf Lebensmittel. Diese trifft die Kaufzurückhaltung in konjunkturellen Schwächephasen nicht so stark, heißt es bei der Hypo-Vereinsbank Research. Wenn gespart wird, gehe dies eher zu Lasten von Bekleidung, Möbeln oder anderen Gebrauchsgütern.

Positive Zahlen auch aus Spanien

Auch aus Spanien meldete Anfang der Woche ein Einzelhändler positive Zahlen: El Corte Inglès setzte im vergangenen Geschäftsjahr (28.2.) mit 11,9 Mrd. Euro 10 % mehr um. Der nicht börsennotierte Konzern, der mehrheitlich einer privaten Stiftung von Eigentümerfamilien gehört, will trotz des schwieriger gewordenen Konsumklimas in Spanien weiter expandieren. Der Nettogewinn des vergangenen Jahres stieg um 11 % auf 482 Mill. Euro.

Von solchen Zahlen können deutsche Einzelhändler nur träumen. Die Konsumlaune habe zwar auch in anderen europäischen Ländern einen Dämpfer bekommen - die ausgesprochen schwache Nachfrage im Einzelhandel sei allerdings ein "speziell deutsches Thema", sagt Julia Münchschwander, Analystin beim Bankhaus Metzler.

Umsatz in Deutschland weiter rückläufig

So meldete Karstadt-Quelle am Montag ein Umsatzminus von 3,1 %, der Verlust vor Ertragssteuern war mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Der Schwerpunkt des Einzelhandel-Warenmixes liegt bei Karstadt-Quelle auf Produkten, die in schlechten Zeiten eher im Regal liegen bleiben: Textilien und Hartwaren. Auch die Metro AG musste rückläufige Umsatz- und Ertragszahlen für das erste Halbjahr hinnehmen. Dass Vorstandschef Hans-Joachim Körber nach wie vor für das Gesamtjahr an ein Umsatzplus von 5,5 bis 6 % glaubt, liegt unter anderem an den unterschiedlichen Sparten des Unternehmens. Neben dem Warenhausgeschäft von Kaufhof und Media-Markt/Saturn sowie den Baumärkten erzielt Metro noch immer einen Großteil seines Umsatzes mit Lebensmittelmärkten. Zudem stammen 46 % des Umsatzes aus dem Ausland.

Carrefour setzt auf das Ausland

Auch Carrefour setzt auf das Ausland. In der zweiten Jahreshälfte wollen die Franzosen ihren Weltmarktanteil mit 220 neuen Märkten deutlich steigern. Bereits im ersten Halbjahr hat Carrefour weltweit 92 neue Märkte eröffnet. In Lateinamerika, wo Carrefour stark engagiert ist, trifft die Krise den Konzern Bernard zufolge zwar bei den Umsätzen vor Ort, aber kaum bei den Gewinnen auf Konzernebene, zu denen ganz Lateinamerika nur mit 2 % beitrage.

Carrefour liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der niederländischen Ahold-Gruppe. Die Nummer drei der Welt ist besonders stark in Nord- und Südamerika vertreten. Am Dienstag hatte das Unternehmen Zukäufe in Polen bekannt gegeben und veröffentlicht am heutigen Donnerstag seine Halbjahreszahlen. Analysten erwarten ein Umsatzplus von rund 12 % auf 18 Mrd. Euro. Seit Juli rechnen die Niederländer aufgrund der Argentinienkrise nur noch mit 5 bis 8 % Zuwachs beim Gewinn. Ursprünglich hatten sie ein Plus von 15 % vorhergesagt.

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