Cart-Serie könnte in Hannover Station machen
Expo-Gelände soll Rennstrecke werden

Die Weltausstellung Expo ist längst Geschichte und ihr Terrain verwaist. Jetzt wollen Jakub Andreas Grajewski und Michael Jürgens von der Sportmarketing-Agentur Jag der Geisterstadt am Rande Hannovers wieder Leben einhauchen.

HEIDELBERG. Im September 2004 soll auf dem Expo-Gelände ein Rennen der US-Cart-Serie mit ihren so genannten Champ-Cars ausgerichtet werden. Jürgens will damit auch die Königsklasse des Motorsports angreifen: "Deutschland ist vor allem Formel-1-gesteuert. Wir wollen die Champ-Cars populär machen." Er geht davon aus, dass sich die Cart-Show in der Messestadt rechnet und erwartet mindestens 80 000 Zuschauer. Schließlich gibt es in Norddeutschland kaum hochkarätige Rennen.

Bislang fährt die Cart-Serie vor allem in Nordamerika, in Deutschland kreisten die Champ-Cars erst einmal: Im September 2001 auf dem Eurospeedway verunglückte der ehemalige Formel-1-Pilot Alex Zanardi schwer. Die Champ-Cars sind schneller, gefährlicher und billiger als die Formel-1-Boliden. "Ein Team kann pro Saison schon mit acht Millionen Dollar auskommen", so Jürgens. Spitzenteams der Formel 1 benötigen dagegen zwischen 200 und 400 Millionen Dollar.

Für die Strecke in Hannover rechnet er mit einem Investitionsvolumen von gut zwölf Millionen Euro. Sie soll rund drei Kilometer lang und von Tribünenaufbauten gesäumt sein. Nach der Veranstaltung wird wieder abgebaut. Deshalb sieht sich Jürgens nicht im Wettbewerb mit permanenten Rennstrecken wie etwa dem Hockenheimring. Die Chancen, dass das Projekt realisiert wird, beziffert er mit "mindestens 80 Prozent".

Die Millionen müssen sich Grajewski und Jürgens von privaten Investoren besorgen. Vier Geldgeber hat das Vermarkterduo angeblich schon an der Hand; einer soll aus den USA stammen, die übrigen Drei aus Deutschland. Namen will Jürgens zwar nicht nennen, doch es ist ein offenes Geheimnis, dass die Cart-Serie selbst das Projekt mitfinanzieren soll. Cart-Chef Chris Pook, Pendant zu Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, war Ende 2002 in Hannover und sprach mit Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg. In zehn Tagen fahren die Agentur-Leute auf Gegenbesuch zu Pook nach Los Angeles.

Schmalstieg hatte seine Unterstützung zugesagt, schließlich können Stadt und Geschäftswelt nur davon profitieren. Klaus Timaeus, Büroleiter des OB, kümmert sich seither um die Details im Genehmigungsverfahren: "Ich gehe davon aus, dass sich das Vorhaben realisieren lässt." Es gebe zwar noch kleinere Probleme mit der Streckenführung, der Vermarktung und einigen Anwohnern, generell aber ist er "vorsichtig optimistisch", dass es 2004 klappt. Ende April gebe es das nächste Treffen mit den Beteiligten. Eins aber stehe fest: "Von der Stadt wird es kein Geld geben. Die Infrastrukturkosten müssen die Investoren allein tragen."

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