Cash-Flow rückt in Mittelpunkt
Telekomkonzerne vor neuer Etappe beim Schuldenabbau

Die Telecom Italia hat einen großen Schritt zum Abbau ihres Schuldenberges getan. Eine Gruppe von Finanzinvestoren übernimmt ihre Gelbe-Seiten-Sparte der Tochter Seat Pagine Gialle für insgesamt 5,7 Mrd. Euro. Mit verkauft wird ein 79-Prozent-Paket an dem deutschen Auskunftsdienst Telegate. Mit dem Milliardengeschäft nähert sich die Phase der massiven Unternehmens- und Beteiligungsverkäufe der europäischen Telekommunikationskonzerne allmählich ihrem Ende. Künftig werden die Unternehmen den Schuldenabbau verstärkt aus der Ertragskraft des operativen Geschäfts leisten müssen.

HB MAILAND/FRANKFURT. So stehen zwar noch immer Unternehmensteile wie beispielsweise die Telefonbuchtochter der Deutschen Telekom, DeTeMedien, zum Verkauf. Doch werden weitere Asset-Verkäufe nur dann stattfinden, "wenn der Preis stimmt", betonte Telekom-Finanzvorstand Karl Gerhard Eick bereits bei der Vorlage der Quartalsergebnisse.

Auch die France Télécom will an ihrem Branchenbuch-Geschäft vorerst festhalten. Zwar fordern Analysten immer wieder, das bei der Internetsparte Wanadoo angesiedelte Geschäftsfeld zu Geld zu machen. Aus Konzernkreisen wurde darauf aber stets entgegnet, die Pages Jaunes stünden einstweilen nicht zum Verkauf.

In den vergangenen Monaten hatten Europas Telekomkonzerne nicht zuletzt auf Druck der Kreditratingagenturen im großen Stil Unternehmensteile und Beteiligungen abgestoßen. So hat alleine die Deutsche Telekom seit Oktober Assets im Wert von 4,9 Mrd. Euro veräußert. Rechnet man noch die für dieses Jahr geplanten Immobilienverkäufe hinzu, wird die Deutsche Telekom ihr Ziel von sechs Mrd. Euro mehr als erfüllen. Unternehmensnahe Kreise rechnen mit Verkaufserlösen "zwischen sieben und acht Mrd. Euro" bis Ende des Jahres. Stand Ende März sank die Verschuldung auf 56,3 Mrd. Euro, Ende des Jahres soll sie 50 Mrd. Euro betragen.

In Großbritannien hat sich am konsequentesten der ehemalige Monopolist British Telecom durch Verkäufe aus der Schuldenfalle befreit. Der Konzern, der heute unter BT Group firmiert, hat vor zwei Jahren seine Mobilfunksparte komplett abgespalten. Der Schuldenberg von fast 30 Mrd. Pfund ist unter 10 Mrd. Pfund gesunken. Zuletzt hat BT seinen Anteil an der französischen Cegetel für 4 Mrd. Euro versilbert und das US-Joint-Venture Concert aufgelöst.

France-Télécom-Vorstandschef Thierry Breton setzt bei der Schuldenreduktion auf einen dreiteiligen Sanierungsplan. Dank der 15 Mrd. Euro Erlöse aus der Kapitalerhöhung im April sank die Gesamtverschuldung bereits von 68 Mrd. Euro zu Jahresanfang auf derzeit noch 50 Mrd. Euro. Sie liegt noch deutlich über der Marktkapitalisierung von 44 Mrd. Euro. Bis 2005 sollen weitere 15 Mrd. Euro eingespart werden.

Der größte Mobilfunkkonzern der Welt, die britische Vodafone, hat dagegen nie so stark unter Schulden wie die Konkurrenz gelitten. Ende März hatte der Konzern einen Schuldenstand von 13,8 Mrd. Pfund - was gemessen am Jahresumsatz von umgerechnet rund 44 Mrd. Euro kein Problem ist.

Die Telecom Italia (TI) hat mit dem Verkauf ihrer 61-prozentigen Tochtergesellschaft Seat Pagine Gialle die durch die Fusion mit Olivetti drastisch gestiegenen Schulden wieder reduziert. TI-Präsident Marco Tronchetti Provera hat versprochen, den Schuldenstand von rund 40 Mrd. Euro bis Ende nächsten Jahres auf 34 Mrd. Euro zu reduzieren. Ein Konsortium von vier institutionellen Investoren zahlt ihm jetzt drei Mrd. Euro für das Paket. Darüber hinaus übernimmt das Konsortium rund 700 Mill. Euro Verbindlichkeiten von Seat und bietet den Minderheitsaktionären weitere 1,95 Mrd. Euro.

Käufer der Seat sind drei große europäische Finanzinvestoren und eine kleinere italienische Gesellschaft, Investitori Associati aus Mailand. Konsortialführer BC Partners und die Co-Investoren Permira und CVC Capital Partners haben britische Wurzeln und haben seit den achtziger Jahren jeweils zweistellige Milliardenbeträge in Beteiligungen an europäischen Unternehmen gesteckt. So hat Permira in jüngster Zeit den Abonnementsender Premiere übernommen und sich am Brillenhersteller Rodenstock beteiligt, BC Partners ist unter anderem an dem Mozzarella-Hersteller Galbani und dem Badezimmereinrichter Friedrich Grohe beteiligt und CVC Capital Partners an dem Autozulieferer Metzeler Automotive Profile Systems und der Werkstattkette Kwik-Fit. Für Deals der Seat-Dimension ist es üblich, dass sich Finanzinvestoren zu Konsortien zusammenschließen. Sie halten ihre Firmenbeteiligungen in der Regel zwischen fünf und zehn Jahre lang und streben danach einen Verkauf oder einen Börsengang an.

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