Cass Business School, City University London: Jörg Klug

Cass Business School, City University London
Jörg Klug

Vielleicht denkt Ihr gerade darüber nach, ob sich ein MBA für Eure Karriere lohnt, vielleicht seid ihr schon einen Schritt weiter und fragt Euch, welche Schule für Euch am Besten geeignet ist? Mit meinem Beitrag möchte ich Euch aus erster Hand von meinem MBA Studium an der Sir John Cass berichten um Euch abseits von Hochglanzbroschüren einen subjektiven Eindruck aus Studentensicht von dieser Universität zu vermitteln.

Der Schreiber


Die Entscheidungsfindung und Bewerbung


Die Kosten und Finazierung


Die Schule und die Kursstruktur


Block 1


Das Flagship Wochenende



Das Flagship Wochenende

Ein besonderes Schmankerl hat sich Cass zu den Themen Teambuilding und Führung ausgedacht - das Flagship Wochenende! Auf einer aktiven Marinebasis der Royal Navy hatten wir ein Wochenende Gelegenheit diese Qualitäten zu vertiefen. Mit einer Reihe von Übungen und Rollenspielen, gefolgt von einer theoretischen Reflexion , was wir gerade gelernt haben. Soweit so gut, all das habe ich bei EnBW im Traineeprogramm auch gemacht (wie eingangs erwähnt überschneiden sich MBA und Traineeprogramm gelegentlich) aber die Erfahrung im DRIU war schlicht spektakulär.

OK, stellt Euch mal folgendes vor: Ein Schiff in schwerer See hat mehrere Lecks unterhalb der Wasserlinie. Wasser schießt in den Rumpf, Seeleute versuchen Holzkeile in die Löcher zu treiben. Nur durch Teamarbeit und die Führungsqualitäten des Teamleiters kann das Schiff vor dem Untergang gerettet werden.

Jeder Marinesoldat der Royal Navy wird für dieses Szenario ausgebildet- und jeder Cass MBA Aspirant. Natürlich findet das Training nicht auf einem Schiff statt, sondern in einem sogenannten DRIU, einer originalgetreuen Nachbildung eines Maschinenraumes der hydraulisch bewegt werden kann um Seegang zu simulieren. Es ist dunkel und rauch gefüllt, es ist laut und Wasser schwappt im Takt der Wellen durch den Raum- schultertief (bezogen auf meine 1,95m).

Ich hatte die herausfordernde Aufgabe als Teamleiter eine Gruppe von acht Kolleginnen und Kollegen durch den Maschinenraum zu scheuchen und die anfallenden Aufgaben zu delegieren: Ausrüstung holen, Löcher verkeilen, einen verlorenen Hammer herauftauchen.

Aufgrund der stressigen Umstände ist ein kollegialer Führungsstil nicht wirklich angebracht und ich ertappte mich dabei mein Team mit blumiger Sprache zu belegen, die ich sonst nur von Arsenal Fans oder City Tradern gewohnt bin. Ich glaube auf einem Schiff wären wir ertrunken aber die technische Umsetzung des Leckstopfens war auch nicht wirklich Ziel der Übung, sondern die Erkenntnis dass manche schwierige Situationen nur gemeinsam aber mit straffer Führung zu bewältigen sind. Alle haben teilgenommen, allen hat es Spaß gemacht und trotz meiner ursprünglichen Skepsis habe ich wirklich was gelernt.


Block 1

Am 16. September ging es los. Und zwar gleich richtig... Die ersten zwei Wochen dienten der Orientierung, das heißt einerseits administrative Notwendigkeiten wie Computer einrichten, Ausweise und Bücherei etc. Andererseits begegneten uns die ersten Strategie-Fallstudien und auch die ersten Unterrichtseinheiten in Quantitative Methoden (Statistik).

Der wichtigste Bestandteil ist jedoch das Kennenlernen der Mitstudenten, besonders der Gruppe mit der man bis Weihnachten zusammenarbeiten wird. In meinem Fall sind das zwei Engländer, ein Inder, eine Taiwanesin, eine Amerikanerin, ein Schwede und ein Norweger, mit beruflichem Hintergrund u.a. als Unternehmensberater, Marketingfachfrau und ein Spendenbeschaffer für eine Wohltätigkeitsorganisation. Wir haben keine Wahl mit wem wir zusammenarbeiten werden, mit manchen kommt man dann auch besser aus als mit anderen, Gruppendynamik entsteht zwangsläufig und es gilt sich zu arrangieren.

Die Fächer des ersten Blocks sind Statistik, Buchhaltung und Informations-Management. Insgesamt haben wir pro Woche etwa 16-18 Stunden Vorlesung; vier Wochen pro Block. Das hört sich nach nicht viel an, aber die Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen, die ständig benoteten Arbeiten, Präsentationen und Gruppenaufgaben verschlingen unglaublich viel Zeit. Alle Horrorgeschichten die man über die Arbeitsbelastung während des MBA zu lesen bekommt- zumindest während des ersten Blocks- sind0zutreffend! Die Geschwindigkeit mit der die Professoren vorgehen ist unglaublich, aber die Qualität der Lehre ist erheblich besser als die während meines Studiums in Deutschland, und man selber ist genauso wie die Kollegen hoch motiviert und so bekommt man doch einiges geschafft.

Woche fünf eines Blocks besteht aus der Integrationswoche in der anhand von Gruppenarbeiten und Fallstudien das Gelernte vertieft und die Inhalte der drei Fächer miteinander verknüpft werden. Am Ende des vierten Blocks werden dann die Pflichtfächer in einer Integrationswoche zusammengezogen. Sinn und Zweck der Übung ist es, ein umfassendes Bild über die verschiedenen Fachbereiche zu vermitteln. Aufbauend auf diese gemeinsame Wissensplattform besteht dann die Möglichkeit sich mit entsprechenden Wahlfächern bis zu einem gewissen Grad zu spezialisieren. Bereits im ersten Block hatten wir eine ganze Reihe von Gastrednern die mit großer Offenheit aus Ihrer Berufspraxis berichteten: Analysten, Firmengründer, den Finanzchef eines Blue Chip Unternehmens etc.


Die Schule und die Kursstruktur

Häufig ist zu lesen, dass jeder MBA einen eigenen Charakter und bestimmte Besonderheiten aufzuweisen hat. Cass hat eine der größten Fakultäten im Bereich Finanzwirtschaft in ganz Europa und die vielen hier angebotenen, spezialisierten MSc Programme stehen in den Banken der City hoch im Kurs. Die Lage der Schule mitten im Zentrum der europäischen Finanzwelt hilft sicherlich diese Ausrichtung zu erklären. Entsprechend hat der Cass MBA in der Vergangenheit viele Studenten mit einem Bank-Hintergrund angezogen und auch in meinem Jahrgang finden sich eine ganze Reihe von Tradern und Bankern.

Ziel der Schulleitung ist es jedoch für den MBA in Zukunft eine breitere Ausrichtung zu erreichen. So wurden ab diesem Jahr die bislang üblichen zusätzlichen Bezeichnungen je nach Spezialisierung abgeschafft (z.B. "MBA in Finance", jetzt nur noch "MBA"). Die entsprechenden Wahlfächer existieren jedoch nach wie vor. Ein eichen der Diversifizierung sind die 63 Teilnehmer meines Jahrgangs mit ihrem äußerst breit gefächerten Hintergrund: von der egyptischen Investment Bankerin zum norwegischen Theologen, vom englischen Unternehmensberater zum chinesischen Ingenieur.

Die Gruppe ist dieses Jahr nur halb so groß wie in den Jahren zuvor (einerseits wurden die Zulassungskriterien verschärft, andererseits gab es aber auch weniger Bewerbungen als in den Jahren zuvor) so dass wir einen sehr intensiven Umgang mit unseren Mitstudenten und Dozenten pflegen können. Diesen Austausch schätze ich sehr und betrachte ihn als Vorteil im Vergleich mit größeren Schulen.

Cass ist sehr stolz auf das neue Gebäude der Schule, das erst letztes Jahr mitten im Finanzdistrikt von der Queen eingeweiht wurde. Speziell für den Zweck errichtet ist die Qualität und die Ausstattung der Einrichtungen in der Tat hervorragend. Die Nähe zur City sorgt dafür, dass wir viele Gastredner bekommen, die direkt aus der Praxis berichten. Die Kehrseite der Medaille einer Top Lage ist jedoch ein Platzproblem das sich im Kampf um freie Computer und Besprechungszimmer äußert.

Der Cass Full Time MBA dauert ein Jahr, beginnend Mitte September, und ist in fünf Blöcke (je fünf Wochen) sowie ein "Business Research Project" untergliedert.

In den ersten vier Blöcken werden die "Core Subjects" abgedeckt, d.h. 11 grundlegende Management Disziplinen müssen verpflichtend belegt werden. Grundkenntnisse werden nicht vorausgesetzt, aber die Geschwindigkeit mit der die Themen durchgepeitscht werden ist vielfach atemberaubend. Ziel der ersten vier Blöcke ist es, uns die Grundlagen und Zusammenhänge der Wirtschaft zu vermitteln, so dass wir mit den verschiedenen funktionalen Spezialisten des Arbeitgebers konstruktiv und informiert zusammenarbeiten können.

Je nach Gusto können wir dann im fünften Block aus ca. 20 Fächern sechs als Wahlfach belegen und uns so entweder spezialisieren oder inhaltlich mehr in die Breite gehen.

Über die ersten vier Blöcke hinweg läuft parallel ein Strategie Projekt bei dem Teams von Studenten in Unternehmen als Berater auftreten und eine Studie für die Firma anfertigen.

Die letzten drei Monate sind mit dem "Business Research Project" ausgefüllt, also auf gut Deutsch der Diplomarbeit. Dabei können wir wählen ob wir diese während eines Praktikums für eine Firma absolvieren (die anschließend hoffentlich einen Job zu vergeben hat), oder ob wir uns klassisch in ein theoretisches Thema vertiefen wollen.

Nachdem ich Euch jetzt hoffentlich einen guten grundlegenden Eindruck über die Cass vermittelt habe, werde ich ab dem nächsten Beitrag mehr auf meine unmittelbaren Erfahrungen während des Studiums eingehen.

Bis bald, Euer Jörg


Die Kosten und Finanzierung

Für das einjährige Vollzeitprogramm waren im Jahrgang 2003/04 an Studiengebühren £ 21.500 zu berappen. Dies beinhaltet noch keine Lebenshaltungskosten und zusätzliche Bücher. Um den angebotenen Studienplatz zu sichern ist eine Anzahlung von £1.500 erforderlich, die restlichen £20.000 können in zwei Raten bezahlt werden.

London ist teuer! Mir wird immer noch schwindelig wenn ich im Pub für das hier so beliebte lauwarme Kaltgetränk zwischen £2,80-£4,00 pro Pint über die Theke reiche. Wirklich schlimm sind jedoch die Wohnungspreise. Zum Glück wohne ich privat, wenn Ihr aber auf Eure gewohnten 100 m2, renovierter Altbau nicht gerne verzichten möchtet, solltet Ihr vorsorglich mal im Lotto gewinnen. Die meisten meiner Kommilitonen sind entweder in den Halls of Residence der Universität untergebracht (und scheinbar recht zufrieden damit), oder sie sie residieren wieder wie zu Studentenzeiten in (MBA) WGs. Ein weiterer Kostenblock ist der eigene Laptop.

Was die Finanzierung betrifft ist der Kelch eines Kredites zum Glück an mir vorbeigegangen. Solltet Ihr einen Kredit benötigen empfehle ich dies in Deutschland zu regeln. Als Uniabsolvent mit meinem Traineevertrag in der Tasche haben mich deutsche Finanzinstitute seinerzeit regelrecht mir Visa-Goldkarten beworfen, in England habe ich mehrere Versuche gebraucht eine Bank zu finden die mir ein einfaches Girokonto ausstellen würde.


Die Entscheidungsfindung und Bewerbung

Also MBA, soweit so gut. Sobald ich die grundsätzliche Entscheidung getroffen hatte, musste ich mir in einem nächsten Schritt darüber klar werden, welche Schule meine folgenden Kriterien am Besten abdeckt:
1.) voll akkreditierte, in Rankings gelistete und angesehene Universität,
2.) max. 12 Monate in Vollzeit,
3.) internationale Ausrichtung,
4.) englischsprachiges Ausland.
Nach intensiver Suche in Internet und dem Besuch einer MBA Messe kristallisierten sich einige britische Business Schools heraus, die diese Punkte abdeckten. Und wenn schon England, dann wollte ich nach London, aus persönlichen Gründen weil es eine faszinierende Stadt ist und aus beruflichen Gründen weil London ein hervorragendes Sprungbrett für eine internationale Karriere ist. Die Schule, die all meine Kriterien am Besten erfüllt ist die Sir John Cass als Teil der City University London.

Nachträglich kann ich mir nur auf die Schulter klopfen weil ich es ausnahmsweise mal geschafft habe, rechtzeitig mit der Vorbereitung für die Bewerbung begonnen zu haben, konkret bereits vor Weihnachten 2002 für den Studienbeginn im September 2003. Es gibt eine ganze Menge zu tun vor der Bewerbung. Zunächst mal muss man nach dem guten Studienabschluss erst mal mindestens drei Jahre arbeiten. Cass verlangt 2 Referenzen, eine akademische, eine von einem Arbeitgeber. Der GMAT will vorbereitet und abgelegt werden, die Latte liegt ca. bei 600 Punkten, der Durchschnitt in unserem Jahr bei ca. 630 Punkten, Tendenz steigend. Ein gutes TOEFL Resultat ist notwendig wenn man seine hervorragenden Englischkenntnisse nicht anderweitig nachweisen kann. Nachdem ich meine Bewerbung losgeschickt hatte wurde ich innerhalb von vier Wochen zu einem Interview gebeten (das entweder telefonisch oder vor Ort erfolgen kann), innerhalb einer weiteren Woche hatte ich dann das schriftliche Angebot eines Studienplatzes.


Der Schreiber

Bevor ich über den Cass MBA berichte, möchte ich gerne einige kurze Worte über meine Person anbringen und schildern warum ich mich für einen MBA entschlossen habe.

Nach meinem Sinologiestudium sammelte ich erste Berufserfahrung im Traineeprogramm der EnBW, dem drittgrößten deutschen Stromversorger. In 15 Monaten durchlief ich mit meiner Traineegruppe ein sehr intensives Ausbildungsprogramm, mit einer Sequenz aus Theorie und Praxis und vor allen Dingen einer ganzen Menge Teamarbeit. Ich erwähne dies deshalb, weil mich der MBA jetzt stellenweise eher an das Traineeprogramm erinnert, als an mein Studium an der LMU München. Dazu später mehr. Nach knapp zwei weiteren Jahren im Key Account Management meines ehemaligen Arbeitgebers hatte ich trotz viel Spaß an der Arbeit zwei wertvolle Einsichten gewonnen: 1.) Stromverkaufen kann der Karriereweisheit letzter Schluss nicht sein, 2.) ein geisteswissenschaftlicher Studienabschluss allein reicht nicht aus um mittelfristig internationale Managementaufgaben ausfüllen zu können. Ergo: MBA!

Von diesem Abschluss verspreche ich mir, dass er wie eine Klammer meine internationale und meine Berufserfahrung zusammenbringen wird und mir darüber hinaus in intensiver Form alle Grundlagen des Managements vermitteln wird. Außerdem erwarte ich, dass mir dieser international bekannte und anerkannte Abschluss in Zukunft Berufswechsel wesentlich erleichtern wird.

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