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«Cassini-Huygens»-Sonde am ZielDPA-Datum: 2004-07-01 06:46:46

Washington (dpa) - Der eine Milliarde Kilometer entfernte Ringplanet Saturn hat erstmals Besuch von der Erde bekommen. Nach fast siebenjähriger Flugzeit erreichte die amerikanisch-europäische Doppelsonde «Cassini-Huygens» ihr Ziel.

Washington (dpa) - Der eine Milliarde Kilometer entfernte Ringplanet Saturn hat erstmals Besuch von der Erde bekommen. Nach fast siebenjähriger Flugzeit erreichte die amerikanisch-europäische Doppelsonde «Cassini-Huygens» ihr Ziel.

Am Mittwochabend um 21.12 Uhr Ortszeit (6.12 Uhr MESZ) schwenkte sie in eine Umlaufbahn um den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems ein. Zuvor hatte das Sondenduo ohne Probleme eine Lücke zwischen zwei der majestätischen Ringe des Saturns durchflogen.

Als endlich das erste Bestätigungssignal der «Cassini» die Erde erreichte, feierten die Wissenschaftler im NASA-Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena ihren Erfolg mit Klatschen und Jubelrufen. NASA-Programmdirektor Robert Mitchell sagte: «Ich fühle mich großartig». Er bekannte, den ganzen Abend über nervös gewesen zu sein. Die ersten jemals aus solcher Nähe gemachten Aufnahmen von den Saturn-Ringen würden um 14.00 Uhr MESZ auf der Erde erwartet.

Vor der lang erwarteten Ankunft beim Saturn musste «Cassini-Huygens» ihre «zwei Stunden der Wahrheit» überstehen. Zuerst drehte sich die Sonde um ihre eigene Achse. Mit ihrer im Durchmesser vier Meter großen Antenne als Schutzschild voran flog sie durch eine Lücke zwischen den äußeren Saturn-Ringen F und G. Damit sollte die Sonde vor dem Einschlag von Weltraumpartikeln geschützt werden.

Danach drehte sich die Sonde wieder um ihre Achse, um durch die Zündung des Haupttriebwerkes die Geschwindigkeit beim Anflug auf den Saturn zu verringern. Die Sonde raste zu diesem Zeitpunkt mit einem Tempo von mehr als 30 Kilometern pro Sekunde, das sind mehr als 100 000 Stundenkilometer, auf den Planeten zu.

Mit dem Gelingen dieses absolut entscheidenden Manövers war klar, dass die Sonde in eine Umlaufbahn um den Saturn einschwenkte und von dessen Anziehungskraft gefangen gehalten wird und nicht einfach an dem Planeten vorbeiflog.

«Der Brennvorgang hat im richtigen Moment aufgehört. Wir sind wahrscheinlich in einem sehr guten Orbit und bereit, unsere wissenschaftliche Arbeit zu beginnen», sagte ein NASA-Sprecher in Pasadena.

Noch vor Abschluss des 96 Minuten langen Brennmanövers kam die 6,7 Meter lange und vier Meter breite Sonde bis auf 20 000 Kilometer an die minus 139 Grad Celsius kalte Oberfläche des Saturns heran; so nah wie nie wieder in den kommenden vier Jahren ihrer Mission. Mehr als 75 Minuten lang nahmen zehn der zwölf Instrumente an Bord der High-Tech-Sonde Daten der Ringe sowie der inneren Struktur des Saturns auf. Bislang haben Wissenschaftler nicht klären können, wann und wie die Ringe gebildet wurden.

Bei dem 3,3 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) teuren internationalen Gemeinschaftsprojekt handelt es sich um die bislang technisch anspruchsvollste Weltraummission. An der prestigeträchtigen Mission arbeiten 250 Mitarbeiter aus den USA und 17 europäischen Ländern mit.

Die Sonde soll den Saturn in den kommenden vier Jahren insgesamt 76 Mal umkreisen. Für die Europäische Raumfahrtorganisation ESA kommt die Bewährungsprobe am 24. Dezember (Ortszeit). Dann soll die kleine Sonde «Huygens» von der «Cassini» abgekoppelt werden und drei Wochen später auf dem größten der 31 bislang bekannten Saturn-Monde, Titan, landen.

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