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Castor-Zug am Ziel: 21 Millionen Euro Kosten

Der Castor-Transport aus Frankreich hat am Dienstag das niedersächsische Atommüll-Zwischenlager Gorleben ohne größere Zwischenfälle erreicht. Proteste begleiteten auch die letzte Etappe der rund 60-stündigen Fahrt, die 21 Mill. Euro gekostet haben soll.

dpa GORLEBEN. Der Castor-Transport aus Frankreich hat am Dienstag das niedersächsische Atommüll-Zwischenlager Gorleben ohne größere Zwischenfälle erreicht. Proteste begleiteten auch die letzte Etappe der rund 60-stündigen Fahrt, die 21 Mill. Euro gekostet haben soll.

Tausende Polizisten schützten die Fracht. Immer wieder versuchten Atomkraftgegner, den Transport mit hoch radioaktivem Müll aufzuhalten. Wegen einer defekten Zugmaschine verzögerte sich die Ankunft um rund 45 Minuten. Der Transport ins Zwischenlager Gorleben war der achte seit 1995. Er wurde von einem tödlichen Unfall am Sonntag in Frankreich überschattet.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) zeigte sich mit dem Polizeieinsatz zufrieden. "Wir haben den Castor- Transport ohne große Probleme nach Gorleben gebracht." Insgesamt seien in diesem Jahr während des Straßentransportes 10 100 Polizisten im Einsatz gewesen, 2 400 weniger als im Vorjahr. Bundesweit sicherten 15 710 Beamte den Transport. 833 Demonstranten wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, 1 244 waren es im Vorjahr. Schünemann schätzte die Gesamtkosten des Transports auf rund 21 Mill. Euro nach 25,7 Mill. im Vorjahr.

Die Tieflader mit der gefährlichen Fracht, die ein Restprodukt der Aufbereitung abgebrannter deutscher Kernbrennstoffe ist, passierten am Morgen im Schritttempo das Tor des Zwischenlagers. Zunächst hatte der Konvoi kurz nach der Abfahrt in Dannenberg wegen eines Motorschadens bei einem der Tieflader anhalten müssen. Die Zugmaschine wurde ausgetauscht. Bei zwei anderen Zugmaschinen gab es Probleme mit den Bremsen.

In der Nacht hatten Atomkraftgegner die Transportrouten an mehreren Stellen blockiert. Bei Quickborn ketteten sich nach Polizeiangaben fünf Demonstranten an einen Betonklotz hinter einem Traktor fest. Bei Groß Gusborn und Langendorf versperrten Hunderte Menschen die Straße. Sie gaben bei der Räumung durch die Polizei die Strecke weitgehend widerstandslos frei.

Mehrere Anti-Atom-Initiativen warfen der Polizei jedoch vor, "sehr ruppig und brutal" die Straße geräumt zu haben. Es habe 16 Verletzte gegeben. Einer habe ein Schädel-Hirn-Trauma davongetragen. Die Polizei zählte nach Angaben von Einsatzleiter Friedrich Niehörster einige wenige leicht verletzte Beamte. Niehörster wies den Vorwurf zurück, die Polizei habe auch Reizgas eingesetzt.

Sowohl die Polizei wie auch die Atomkraftgegner hoben hervor, dass der Unfall in Frankreich auch den Transport in Deutschland beeinflusst habe. Der Castor-Zug hatte am Sonntag einen 21 Jahre alten Atomkraftgegner überrollt und getötet. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) kündigte an, Aktionsformen und Risiken neu zu überdenken. "Der Protest wird sich verändern, aber er bleibt bestehen", teilte die BI mit.

Innenminister Schünemann bescheinigte den Atomkraftgegnern, nach dem Unfall in Frankreich insgesamt besonnen reagiert zu haben. Nach Angaben von Polizeieinsatzleiter Niehörster waren die Proteste mindestens so stark wie im Vorjahr.

Etwa 20 Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace besetzten in der Nacht zum Dienstag einen Förderturm im Erkundungsbergwerk Gorleben. Ihr Sprecher Thomas Breuer kündigte an, "dass Greenpeace sich weiter vehement gegen den Wahnsinn eines Endlagers im Salzstock Gorleben einsetzen wird".

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