Cave-Festival in Bonn präsentiert Kunst im dreidimensionalen Würfel
Virtuelle Welt im Kasten-Kino

Eintauchen in eine dreidimensionale Welt, in der sich bislang nur Entwickler und Forscher bewegen: In Bonn erleben Besucher des Cave-Festivals die perfekte Illusion.

BONN. Der würfelförmige Projektionsraum - auch Cave (Höhle) genannt - diente bislang ausschließlich Forschern und Entwicklung als virtuelle Welt, in der sie ihre Ideen visualisieren können. Jetzt ist die Technik auch für Otto Normalverbraucher erfahrbar geworden: Noch bis Ende August läuft im Animax-Multimediatheater in Bad Godesberg das erste internationale Cave-Festival "Art of Immersion". Die Besucher gewinnen hier verblüffende Sinneseindrücke: Da rauscht ein riesiger Balken aus den Tiefen des Raumes auf den Betrachter zu und geht mitten durch ihn hindurch. Die Illusion zerfließt, man schwebt plötzlich in eisiger Höhe und taucht durch eine Wolkendecke hinunter. Nur dass die Wolken bei näherem Hinsehen gar keine Wolken sind, sondern weibliche Körper.

Verantwortlich für diese akustisch unterstützten Verwirrspiele ist die so genannte Cave: "Das ist ein würfelförmiger Projektionsraum, den mehrere Personen gleichzeitig betreten können", erläutert Bodo Lensch, Vorsitzender der Bonner Entwicklungswerkstatt für Computermedien, dem Betreiber des Animax. Videoprojektoren werfen bewegte Stereobilder auf Wände und den Fußboden. Für die Besucher, die eine spezielle 3-D-Brille tragen müssen, fügen sich die Bilder zu einem kontinuierlichen dreidimensionalen Eindruck zusammen. Acht Lautsprecher erzeugen die passende räumliche Akustik und unterstützen so die "Immersion" - das Eintauchen in eine künstliche Welt.

Ein spezieller Grafikcomputer generiert in Echtzeit die Bilder und Geräusche. So kann die virtuelle Welt auf Eingaben der Besucher reagieren - sei es durch die freie Bewegung im Cyberspace oder durch die Steuerung einer Simulation. Auch in Bonn wird der Betrachter zum Gestalter: In der Installation "Configuring the Cave" von Agnes Hegedüs, Jeffrey Shaw, Bernd Lintermann und Leslie Stuck können die Besucher mit den Wahrnehmungswelten spielen. Über ein Pult mit berührungsempfindlichem Bildschirm und Reglern können sie eine Gliederpuppe auf dem Touch-Screen bewegen.

Mit der Bewegung verändert sich gleichzeitig der Eindruck der virtuellen Welt: Schlägt die Puppe einen Salto, steht auch die Welt in der Cave Kopf. "Die Künstler wollen so die Grenzen zwischen Raum und Bild, zwischen Körper und Umgebung aufheben", erläutert Lensch das Experiment.

Wer vor rund zehn Jahren die virtuelle Realität erleben wollte, musste noch einen klobigen Monitorhelm überstülpen. 1992 bauten dann Forscher der University of Illinois in Chicago die erste Caveee (Cave Automated Virtual Environment for Engineering and Exploration), in der sich erstmals mehrere Menschen gleichzeitig in dreidimensionalen Bildern bewegen konnten.

Inzwischen wird die Cave-Technologie von mehreren Firmen vertrieben, von der kanadischen FakeSpace Systems Inc., der amerikanischen Firma Mechdyne und dem Düsseldorfer Hersteller Tan, der auch geschlossene sechsseitige Cubes produziert. Zu den Kunden gehören vor allem Automobilkonzerne, Erdölgesellschaften, Forschungseinrichtungen und die US-Army. "Vor allem die großen Fahrzeughersteller und viele Flugzeugproduzenten nutzen unsere Systeme in ihren Entwicklungsabteilungen", sagt FakeSpace-Produktmanager Jeff Brum. Eine Studie des New Yorker Marktforschungsinstituts CyberEdge Information Systems beziffert den Weltmarkt für Virtual-Reality-Systeme im Jahr 2000 auf 24 Mrd. $, bei Zuwachsraten von derzeit jährlich 35 %.

Die Cave-artigen Visualisierungssysteme sind wegen ihrer Realitätsnähe ideale Erprobungsfelder für Tätigkeiten, bei denen schwierige räumliche Operationen simuliert werden. So testet das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart beispielsweise in der Cave das menschliche Leistungsvermögen beim Fahren und Steuern eines virtuellen Hallenkrans. Auch in der Pilotenausbildung oder der Mikrochirurgie kommt die Technik zum Einsatz.

In Zukunft könnte der Zauberwürfel jedoch durch eine große gewölbte Leinwand ersetzt werden. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Medienkommunikation (IMK) in St. Augustin bei Bonn haben eine solche Projektionswand - den so genannten I-Cone - entwickelt. Vier Projektoren projizieren die Bilder auf die bis zu 230 Grad gewölbte Leinwand. Störende Ecken und Kanten, die einen Knick im Bild verursachen, fallen hier weg. "Der Betrachter hat das Gefühl, sich inmitten einer virtuellen Welt zu bewegen", erläutert IMK-Forscher Andreas Simon. Ein weiterer Vorteil gegenüber der Cave: Während in der Höhle maximal sechs Besucher Platz finden, können in der I-Cone bis zu 15 Menschen die virtuellen Welten gemeinsam erkunden.

Quelle: Handelsblatt

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