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CD-Brenner bringen Musikbranche Umsatzeinbußen

Die deutsche Phonowirtschaft leidet empfindlich unter Internet-Piraterie und Raubkopien von Musik-CDs. Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Thomas M. Stein, sind dies die wesentlichen Gründe dafür, dass die Branche im Jahr 2000 unter dem Absatz- und Umsatzniveau des Vorjahres blieb.

ddp HAMBURG. Wie Stein am Donnerstag in Hamburg mitteilte, ging der Umsatz zu Endverbraucherpreisen bei den an der Verbandsstatistik teilnehmenden Firmen gegenüber 1999 um 2,2 % auf 4,78 Mrd. DM zurück.

Außerdem sank der Absatz von Tonträgern um 3,8 % auf 262,2 Mill. Stück (1999: 272,5 Mill. Stück). Bereits im dritten Jahr in Folge habe die Branche jetzt Umsatzrückgänge hinnehmen müssen und befinde sich jetzt auf dem gleichen Niveau wie Mitte der 90er Jahre. Angesichts der "Flutwelle von Internet-Piraterie und der ausufernden privaten Vervielfältigung mit Hilfe von CD-Brennern" sei das Umsatzergebnis 2000 jedoch immer noch als Erfolg zu werten, betonte Stein.

Vor allem illegale Downloads von Musik aus dem Internet sowie die so genannte Schulhofpiraterie, also das verbotene Verkaufen von zu Hause kopierten CDs in Schulen, Clubs und am Arbeitsplatz, verhindere eine Umsatzsteigerung bei CDs. Der Umsatzverlust durch die Schulhofpiraterie betrage rund 250 Mill. DM jährlich, sagte Stein. Rund 300 Mill. DM gehen durch Online-Piraterie verloren. Legale Privatkopien, die nichts mit Piraterie zu tun hätten, seien für Einbußen von rund 98 Mill. DM verantwortlich. So seien im vergangenen Jahr fast so viel unbespielte CDs verkauft worden wie bespielte. Insgesamt seien der deutschen Phonowirtschaft 2000 mehr als 1,45 Mrd. DM Umsatz- und Lizenzverluste entstanden.

Wolf Gramatke, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Landesgruppe des internationalen Musikverbandes Ifpi, rechnet in den nächsten Monaten mit den ersten Verkäufen von kopiergeschützten CDs. Jedes Musikunternehmen müsse aber für sich selbst entscheiden, ob und mit welchen technischen Mitteln es diesen Weg geht, betonte Gramatke. Von der Politik erwarte die Phonowirtschaft "klare rechtliche Rahmenbedingungen" im Netz und die Reform der Regelungen zur Privatkopie. Die Anfang April vom Europäischen Rat beschlossene Urheberrechts-Linie müsse jetzt in deutsches Recht umgesetzt werden. Er fügte hinzu: "Es ist ungerecht, dass die Künstlerlizenzen für eine bespielte CD bei etwa 8 DM liegen, bei einer Privatkopie auf einem CD-Rohling jedoch nur bei gut 0,14 DM."

Am Gesamtumsatz der Phonobranche ist die Popmusik mit rund 44 % (Vorjahr: 45,5 %) beteiligt, gefolgt von Rock mit 14,6 % (1999: 14,3) und Schlagern mit 6,9 % (1999: 6,4). Die Volksmusik konnte ihren Marktanteil von 1,9 % im Vorjahr auf 2,3 % im vergangenen Jahr erhöhen. Der Umsatz an klassischer Musik ging leicht von 8,7 auf 8,3 % zurück. Am Weltmarkt mit Tonträgern nimmt Deutschland einen Marktanteil von 7,4 % ein und ist nach den USA (37 %) und Japan (16,7 %) der drittgrößte Musikmarkt weltweit.

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