CDU-Anhänger durch SPD-Mitglied ersetzt
Erik Bettermann ist neuer Intendant der Deutschen Welle

Der SPD-Politiker Erik Bettermann (57) wird neuer Intendant der Deutschen Welle. Der Rundfunkrat des Auslandssenders stimmte am Donnerstag in Berlin für den Bundes-Bevollmächtigten des Landes Bremen, der am 1. Oktober die Nachfolge von Dieter Weirich (CDU) antritt. Weirich hatte sein Amt im März dieses Jahres nach zwölf Jahren vorzeitig zur Verfügung gestellt. Porträt: Der Neue gilt als geschickter Vermittler

dpa BERLIN.

Auf den Bremer Staatsrat Bettermann, seit 1994 Mitglied des Verwaltungsrats der Deutschen Welle (DW), entfielen im dritten und letzten Wahlgang zehn Stimmen. Für die WDR-Journalistin Sabine Rollberg (47), frühere ARD-Korrespondentin in Paris, stimmten sieben Rundfunkratsmitglieder. Der 55 Jahre alte Jürgen Büssow (SPD), Düsseldorfer Regierungspräsident, war bereits im zweiten Wahlgang ausgeschieden. Die Deutsche Welle mit Sitz in Köln und Berlin sendet Rundfunkprogramme auf Deutsch und weiteren 29 Sprachen. Außerdem strahlt der Sender weltweit ein Fernsehprogramm auf Deutsch, Englisch und Spanisch aus.

Der Auslandsrundfunk ist Spielball der Politik

Nach seiner Wahl forderte Bettermann größere Planungssicherheit für den deutschen Auslandsrundfunk, für den der Bund zuständig ist. Im Gegensatz zu ARD und ZDF werde die DW nicht mit Rundfunkgebühren finanziert, sondern sei von öffentlichen Zuwendungen abhängig. Wünschenswert sei eine Festlegung des Etats über mindestens eine Legislaturperiode, sagte Bettermann. Dafür müssten aber die Gesetze geändert werden.

Bettermann verlangte außerdem eine Diskussion darüber, wie sich Deutschland in einer globalisierten Welt präsentieren wolle. "Wir nehmen diese Frage oft nicht sehr ernst", sagte er. Allerdings werde die Deutsche Welle am Prinzip der Staatsferne festhalten. Das vom früheren Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) angestrebte Ziel, die DW als Sender für Krisengebiete zu etablieren, sei vom Tisch. "Wir sind nicht der Propagandasender des Auswärtigen Amtes".

In den kommenden Monaten werde die DW konkrete Pläne für eine Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten auf den Tisch legen. Geplant sei ein gemeinsamer Kanal mit den besten Angeboten aus ARD und ZDF, der als Pay-TV in den USA starten soll. Zielpublikum seien vor allem die Auslandsdeutschen, sagte Bettermann.

Zur Personalentwicklung im Sender meinte Bettermann, durch die Mittelkürzungen seien in den vergangenen Jahren vor allem junge Mitarbeiter abgewandert. Dies habe eine große Unsicherheit ausgelöst. "Ich will die Deutsche Welle in ruhigeres Fahrwasser bringen". Wegen der von der Bundesregierung verfügten Haushaltskürzungen von 54 Mill. DM musste die DW, die derzeit etwa 1 700 Beschäftigte hat, im vergangenen Jahr mit 581 Mill. DM auskommen. Sechs Fremdsprachenprogramme wurden eingestellt. Bis zum Jahr 2003 soll der Etat auf 546 Mill. DM zurückgefahren werden.

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