CDU-Bundesgeschäftsführer bekam Schlüsselrolle in der Spendenaffäre
Willi Hausmann: Der treue Weggefährte Merkels

dpa BERLIN. Es war wohl einer der schwersten Momente in Willi Hausmanns politischem Leben. Gefasst, aber innerlich aufgewühlt, nahm der CDU-Bundesgeschäftsführer am Donnerstag alle Verantwortung auf seine schmalen Schultern. Er habe die politische Bedeutung der Million von Ex-CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep "total unterschätzt". Die ganze Behandlung des Falls sei ein "großer Fehler" gewesen, den er sich nun selbst vorhalten müsse. Sein trauriger Blick verriet auch die Selbstvorwürfe, die er sich wohl in den vergangenen Tagen gemacht hat, weil er Parteichefin Angela Merkel ebenfalls mit in die negativen Schlagzeilen gerissen hatte.

Merkel und Hausmann kennen sich lange. 1990 hatten sie sich bei den Verhandlungen über den deutsch-deutschen Einigungsvertrag kennen gelernt. Hausmann war damals ein enger Mitarbeiter des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble (CDU). Im Innenministerium war er seit 1987 in der Abteilung für innenpolitische Grundsatzfragen tätig.

Wege von Hausmann und Merkel trennten sich nur kurzfristig

Als Merkel dann nach der deutschen Einheit Ministerin für Frauen und Jugend im Kabinett von Helmut Kohl (CDU) wurde, holte sie Hausmann als Staatssekretär. Nur kurzfristig, als Merkel dann Bundesumweltministerin wurde, trennten sich ihre politischen Wege. Im Januar 1999, Merkel war da gerade Generalsekretärin der CDU, wurde der 57-jährige Hausmann Bundesgeschäftsführer der Partei. Damit war er vor allem für die interne Organisation der nach der Wahlniederlage angeschlagenen CDU zuständig.

In der Spendenaffäre bekam der Vater von zwei Kindern, der in Oberhausen geboren wurde, eine Schlüsselrolle. Merkel versuchte in jenen Krisenmonaten nach außen hin den Rest an Glaubwürdigkeit, die die engere CDU-Führung noch verkörperte, zu bewahren. Hausmann war intern mit der Aufklärung der Affäre beschäftigt. Er war es, der im Januar die zentralen Figuren für die Spendenaffäre befragte. Die Liste von Hausmanns Gesprächspartnern reichte von Alt-Kanzler Kohl über den ehemaligen Wirtschaftsprüfer Horst Weyrauch bis hin zu Kohls Vertrautem Hans Terlinden und eben auch Kiep. Auf Hausmanns Recherchen verließ sich Merkel.

Hausmann genießt den Ruf eines exzellenten Juristen

Hausmann ärgert sich wahrscheinlich derzeit am meisten über seine Fehler, weil er von Hause aus ein exzellenter Jurist ist. Nach seinem Studium in Freiburg und seinem zweiten Staatsexamen promovierte er 1978 zum Dr. jur. Er war wissenschaftlicher Assistent am Institut für ausländisches und internationales Privatrecht an der Universität Freiburg. Und auch auf dieser schweren Pressekonferenz am Donnerstag merkte man ihm die Freude an der Juristerei noch an, obwohl ihn die Anwälte von Kiep wohl ausgetrickst hatten.

Es ist offenbar der langen Verbundenheit mit Hausmann zuzuschreiben, dass Merkel den Bundesgeschäftsführer trotz dessen Fehlers nicht gefeuert hat. Dass sie zu radikalen Schritten bereit ist, zeigte sie im vergangenen Jahr, als sie den Generalsekretär auswechselte. Hausmann hat ihr den Rücktritt angeboten, so wie es sich für einen loyalen Mitarbeiter gehört. Merkel hat diesen nicht angenommen.

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