CDU-Finanzaffäre
Weyrauch schweigt in Wiesbaden

Der ehemalige CDU-Finanzberater pocht vor dem Untersuchungsausschuss des hessischen Landtages auf sein Aussageverweigerungsrecht.

ap WIESBADEN. Horst Weyrauch gibt sich beinhart. Egal was oder wie die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss des Wiesbadener Landtags am Freitag zum hessischen CDU-Finanzskandal fragen, der langjährige Finanzberater der Partei antwortet immer das Gleiche: "Ich mache von meinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch." Der 68-Jährige, eine der zentralen Figuren im Schattenreich der CDU-Finanzen, schweigt eisern.

Millionensummen sind durch die Hände des Frankfurter Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers gelaufen. Weyrauch transferierte im Dezember 1983 im Auftrag des damaligen hessischen CDU-Landesgeschäftsführers Manfred Kanther und des langjährigen Schatzmeisters Casimir Prinz Wittgenstein 20,8 Mill. DM von offiziellen Konten der Landespartei auf ein Konto der Schweizerischen Bankgesellschaft in Zürich. Auch die heiklen Rücktransfers von Parteivermögen nach Deutschland regelte Weyrauch über Jahre hinweg penibel und an der offiziellen Buchführung der CDU vorbei.

Der Mann hätte also durchaus etwas zu erzählen, doch Weyrauch zieht es vor, nichts zu sagen. "Wusste der hessische Ministerpräsident Roland Koch von dem Geld im Ausland?" fragt der Obmann der SPD, Jürgen Walter. "Wusste der ehemalige CDU-Landesgeschäftsführer Siegbert Seitz davon?" - "Warum haben Sie vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt und schweigen hier?" Doch der 68-Jährige lässt sich zu keiner Äußerung hinreißen. Als Beschuldigter, gegen den die Staatsanwaltschaft Wiesbaden wegen der geheimen CDU-Finanzen ermittelt, muss er nichts sagen.

In dieser bequemen Situation ist Weyrauchs Kompagnon Dieter Kapp nicht. Der 47-Jährige muss vor dem Ausschuss reden. Doch viel Neues erbringt auch diese Vernehmung nicht. Obwohl Kapp seit 1978 mit Weyrauch zusammenarbeitet, obwohl er nach eigenen Angaben von Anfang der 80er bis Ende der 90er Jahre die Rechenschaftsberichte für die Hessen-CDU erarbeitet hat, will er nie etwas von Unregelmäßigkeiten gemerkt haben. Und natürlich hat Kapp auch von den schwarzen Kassen der Landespartei in der Schweiz nichts gewusst: "Es mag da mal eine Vermutung gegeben haben", erklärt er lediglich. "Ich habe das aber nicht weiter verfolgt."



"Man hätte sich Fragen stellen müssen"



Weder das Verschwinden eines zweistelligen Millionenbetrags aus dem offizellen Vermögen der Partei Ende 1983 noch der plötzliche Wegfall der bis dahin ansehnlichen Zinszahlungen will der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bemerkt haben: "Man hätte sich Fragen stellen müssen", räumt der 47-Jährige ein. Aber eigentlich sei ihm damals nichts aufgefallen. Auch als Weyrauch immer wieder in die Schweiz reiste, um Erträge aus dem geheimen Goldschatz zu heben und in den Finanzkreislauf einzuspeisen, blieb das Kapp nach eigenen Angaben verborgen. Von der Stiftung "Zaunkönig" will er nur aus den Medien erfahren haben.

Erst am 1. Dezember 1999 habe Weyrauch ihm gegenüber Andeutungen gemacht, dass es bei der Hessen-CDU ein schwarzes Konto geben könnte, berichtet der Steuerberater. Ob er sich von seinem Partner Weyrauch hintergangen gefühlt hat, will einer der Abgeordneten wissen. Kapp reagiert auch hier zurückhaltend: "Ich habe dazu Gefühle, aber das ist jetzt nicht die Runde um Gefühle auszudrücken."



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