Cebit 2001
Zwischen Rummel und Big Business: Linux auf dem Prüfstand

So viel Rummel um ein Computerprogramm - das hat bislang nur der Softwareriese Microsoft mit vielen Mill. $ für Werbung und PR geschafft.

dpa HAMBURG. Doch die Rede ist nicht vom neusten Microsoft-System Windows XP, sondern vom alternativen Betriebssystem Linux. Auf der Cebit in Hannover (22. bis 28. März) wird der Pinguin, das Maskottchen des freien Computersystems, allgegenwärtig sein.

Doch obwohl immer mehr Firmen das offene System einsetzen und inzwischen schon etliche private Computeranwender ihr Windows-System durch die kostenlose Alternative ersetzt haben, steht Linux auf der Cebit 2001 vor einer gewaltigen Herausforderung. Denn mit der wachsenden Popularität des Systems wollen insbesondere die kommerziellen Anwender wissen, ob der "Hype" um Linux gerechtfertigt ist und sich der Einsatz des Systems auch unter den harten Gesetzen des Wettbewerbs rechnet.

Der finnische Student Linus Torvalds hatte 1991 die Linux-Bewegung quasi zufällig gegründet, als er sich aus Ärger über bestehende Computer ein eigenes Betriebssystem schrieb und seine Arbeit ins Internet stellte. In diesen Tagen könnte es Torvalds schon schwindelig werden, wenn er beispielsweise hört, dass IBM, der größte Computerkonzern der Welt, im Jahr 2001 allein eine Milliarde $ (2,1 Mrd.. DM) investieren wird. Selbst von dem großen "Konkurrenten" aus Redmond erntete Torwalds quasi Lorbeeren: Im Januar bezeichnete Microsoft-Präsident Steve Ballmer Linux als das größte Problem des Software-Riesen für die Marktposition von Windows.

"Linux kann für Business-Anwendungen das bedeuten, was das Internet für die Netzwerke und die Telekommunikation getan hat", verkündete IBM-Chef Louis Gerstner im vergangenen Dezember und stellte 1500 Entwickler für die Arbeit an Linux ab. Auf der CeBIT in Halle 1 präsentiert "Big Blue" nun die ersten Resultate der Initiative und zeigt Linux auf allen denkbaren Systemen - vom großen Enterprise-Server bis zu einer intelligenten Linux-Armbanduhr mit drahtlosem Netzwerkanschluss.

Das Engagement von IBM stellt das gewichtigste Beispiel dar, wie die bislang wenig kommerziell ausgerichtete freie Gemeinschaft der Linux-Gemeinde plötzlich und ungefragt Verstärkung durch eine Truppe fest angestellter Programmierer erhält. IBM hofft, dass etliche Software-Hersteller diesem Beispiel folgen und ebenfalls Programme und Lösungen für Linux auf den Markt bringen, um das Fundament der Linux-Plattform immer größer werden zu lassen. Dabei hat IBM nicht nur den Erz-Konkurrenten Microsoft mit seinem Windows-System im Visier. Im oberen Marktsegment möchte IBM die Vorherrschaft von Sun Microsystems brechen.

Schwieriger sieht die Lage für Linux im Bereich der PCs für "Otto Normal-Anwender" aus. Zwar sind Linux-Betriebssysteme wie das neue SuSE Linux 7.1 deutlich leichter zu installieren als frühere Versionen. Doch an manchen Ecken und Enden dürften normale PC-Nutzer mit dem komplexen System überfordert sein. Das wird sich erst ändern, wenn PCs bereits mit Linux vorinstalliert auf den Markt gebracht werden. Auf der Cebit sollen solche "Preload"-Linux-Rechner vorgestellt werden.

"Die Linux-Entwickler haben in den vergangenen Monaten viel dazugelernt, was die Benutzbarkeit für EDV-Laien angeht", meint der Chefredakteur der Fachzeitschrift "iX", Jürgen Seeger. Unter bestimmten Randbedingungen sieht er darum Linux auch als sinnvolle Alternative für PC-Arbeitsplätze, aber eher auf Firmen- als auf Privat-Computern. Doch selbst wenn das Linux-System ohne Mucken läuft, werden viele Anwender bekannte Programme aus der Windows-Welt vermissen. Das reicht von Adobe Photoshop über Microsoft Office bis hin zu privaten Finanzprogrammen wie Quicken oder bestimmten Computerspielen.

Vertreter von Linux-Firmen wollen dieses Argument nicht gelten lassen: "Wofür brauchen die meisten Menschen einen PC? Sie wollen im Web surfen, E-Mails lesen und senden, Chatten oder einen Brief schreiben", sagt Dirk Hohndel, Technologie-Chef der SuSE Linux AG in Nürnberg. "Für all diese Aufgaben gibt es hervorragende Lösungen unter Linux. Und mit einem Programm wie StarOffice von Sun kann ich auch Dokumente aus der Office-Welt von Microsoft lesen und bearbeiten."

Hohndel glaubt, dass künftig viele Privatanwender von Windows auf Linux umsteigen werden, wenn die Folgen der Zwangsregistrierung der Windows- und Office-Produkte von Microsoft sichtbar würden, mit der der Softwareriese das Raubkopieren seiner Produkte verhindern möchte. "Microsoft ist eine absolute Marktmacht, doch die Zwangsregistrierung wird bei den Kunden auf entschiedenen Widerstand stoßen. Die Zeit der Monopole ist nämlich vorbei."

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