Cebit startet in Hannover: Der IT-Industrie bleibt nur die Hoffnung

Cebit startet in Hannover
Der IT-Industrie bleibt nur die Hoffnung

Die deutsche Informations- und Telekommunikationsbranche sieht derzeit keine Anzeichen für ein schnelles Ende der Krise. Der Branchenverband Bitkom rechnet für Deutschland allenfalls mit einer "schwarzen Null" beim Wachstum. Doch auch diese Prognose ist wacklig. Sie gilt nur, wenn es nicht zu einem Irak-Krieg kommt.

tnt HANNOVER. Die deutsche High- Tech-Branche sieht noch keine Anzeichen für ein Ende der Krise. Als einziger in Europa ist der deutsche Markt für IT- und Telekommunikation im vergangenen Jahr um 2 % geschrumpft. Für das laufende Jahr dürfe die Branche in Deutschland "mit einer schwarzen Null rechnen", sagte Bitkom Präsident Volker Jung kurz vor der offiziellen Eröffnung der Computermesse Cebit in Hannover. Die Bitkom-Prognose gelte jedoch nur für den Fall, dass es nicht zu einem Krieg im Irak kommt. Dessen Folgen seien für die High-Tech-Branche "nicht abschätzbar", warnte Jung.

Auch US-Technologie-Manager sehen mit Sorge auf die Politik: "Es sind schwierige Zeiten und der Einfluss eines Krieges auf die Wirtschaft ist immer negativ", sagte Xerox-Chefin Anne Mulcahy im Gespräch mit dem Handelsblatt. Gleichwohl gebe es wenig Möglichkeiten für die Wirtschaft, Einfluss auf die Politik zu nehmen.

Schlechte Nachrichten hatte der deutsche Branchenverband Bitkom auch für Stellensuchende in der IT- und Telekommunikationsbranche. Nachdem 2002 in Deutschland bereits 35 000 Arbeitsplätze abgebaut wurden, erwartet der Verband, dass in diesem Jahr noch einmal 10 000 von derzeit rund 780 000 Arbeitsplätzen der weiterhinlahmenden Konjunktur zum Opfer fallen. Gleichzeitig setze sich der Strukturwandel der Branche von einer Fertigungsindustrie zur Dienstleistungsindustrie fort. "72 Prozent der Umsätze werden inzwischen mit Software und Services erzielt", so Jung.

Auch die Zahl der in der Branche tätigen Unternehmen hat sich im vergangen Jahr verringert. Etwa 2 000 Firmen haben laut Bitkom in Deutschland den Markt verlassen, drei Viertel davon seien in die Insolvenz gegangen oder aufgelöst worden. Der Rest habe fusioniert oder sei übernommen worden. Einen weiteren Dämpfer erhielt die Stimmung durch eine Studie der in der IT-Branche Unternehmensberatung Gartner. Demnach muss die Branche damit rechnen, dass ihre Kunden auch in diesem Jahr zurückhaltend investieren. Europäische Unternehmen planten nur einen geringen Anstieg ihrer IT-Budgets und peilen auch für 2004 kein wesentliches Wachstum an.

Wenig Chancen auf einen Aufschwung in diesem Jahr sehen auch die PC-Hersteller . Adrian von Hammerstein, CEO von Fujitsu Siemens Computers, wies auf dem im Vorfeld der Cebit in Hannover stattfindenden ICT World Forum darauf hin, dass die Einkünfte in den Bereichen PC, Server und Speichermedien erst im Jahr 2004 wieder wachsen. Während auch nach Einschätzung von Bitkom das Hardwaregeschäft in Deutschland in diesem Jahr weiter rückläufig ausfallen dürfte, koppelt sich der Bereich "mobile Endgeräte" positiv ab.

Ein Grund dafür ist, dass private Nutzer alte PC vermehrt durch transportable Notebooks ersetzen. Aber auch die Zahl verkaufter Handys soll in diesem Jahr weltweit um 10 % steigen. Ein weiterer Hoffnungsträger der Branche sind die Telekommunikationsdienste sowie Internet- und Online-Dienste, für die weiterhin mit zweistelligen Wachstumsraten gerechnet wird. Wachstumstreiber sind auf diesem Gebiet vor allen Dingen breitbandige DSL-Internetzugänge. Sie sollen bis zum Jahr 2005 zur dominierenden Internet-Zugangstechnologie werden. Die Deutsche Telekom teilte mit, dass sie die Kundenzahl des schnellen Internet-Zugangs DSL auf derzeit 3,4 Millionen gesteigert hat.

In diesem Zusammenhang traf Bundeskanzler Gerhard Schröder gestern Abend bei der Eröffnung der Messe eine klare Aussage zur möglichen Regulierung dieser Märkte. Marktsegmente, in denen der Wettbewerb funktioniere, würden oder blieben in dem anstehenden neuen Telekommunikationsgesetz von der Regulierung ausgeklammert, sagte Schröder. Dies gelte vor allem für den Mobilfunkmarkt, auf dem sich in Deutschland ein dynamischer Wettbewerb entwickelt habe. Unter der Voraussetzung, dass sich die Anbieter "marktkonform" verhielten, reiche eine Missbrauchs-Aufsicht völlig aus. "Das soll auch im Zeitalter von UMTS so bleiben", sagte der Kanzler.

Das aus dem Jahre 1996 stammende Telekommunikationsgesetz muss Vorgaben der Europäischen Kommission vom Frühjahr 2002 angepasst werden. Der Bundestag soll die Novelle nach dem Fahrplan der Regierung im Herbst verabschieden.

Impulse verspricht sich Branche auch von der weiteren Einführung von elektronischen Prozessen in der Verwaltung. So kündigte Schröder Eröffnung der Messedie Einführungeine elektronische Gesundheitskarte für rund 70 Millionen Bundesbürger an. Auf dieser sollen Ärzte Rezepte ausstellen können. Dies erleichtere die Abrechnung und führe zu Ersparnissen von mindestens 1 Mrd. Euro, prognostizierte der Kanzler. Auch der elektronische Austausch von Patientendaten über Datennetze könne helfen, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Laut Eurobarometer setzen nur 6 % der deutschen Allgemeinmediziner solche Technologien ein. Damit belegt Deutschland im europäischen Vergleich den letzten Platz. Auch der weltgrößte Computerkonzern IBM stellt den Gesundheitssektor in den Mittelpunkt.Jorma Ollila, Chef des finnischen Hoffnungsträgers Nokia, sah Grund, grundsätzlich zu werden und sich auf Schröders Gebiet vorzuwagen: "In Europa können wir die Wettbewerbsfähigkeit nur dann zurückgewinnen, wenn wir die notwendigen Reformen durchsetzen." Ollila bekräftigte, dass Nokia seine Investitionen trotz der Branchenschwäche noch verstärke. Nokia werde 2003 allein 3 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung stecken.

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