Celesio kämpft gegen steigende Rabatte
Pharmahändler Celesio setzt auf den Einzelhandel

Ein besseres Geschäft in den Apotheken sowie Sparmaßnahmen im Großhandel sollen dem größten europäischen Pharmahändler Celesio auch 2003 zu einem Gewinnwachstum von mehr als 10 Prozent verhelfen.

Reuters STUTTGART. Eine höhere Umsatzrendite im Einzelhandel mit Medikamenten und Drogerie-Artikeln solle die Einbußen mehr als wettmachen, die Celesio aus den Sparmaßnahmen im deutschen Gesundheitswesen erwarte, teilte das bisher als Gehe AG firmierende Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mit. Die geplante Reduzierung der Celesio-Niederlassungen in Deutschland könnte nach Angaben von Finanzvorstand Stefan Meister bis zu 200 der rund 2200 Stellen kosten. In den ersten drei Monaten des Jahres bekam der Konzern massiv die Schwäche des britischen Pfund Sterling zu spüren.

In den ersten drei Monaten des Jahres steigerte Celesio den Gewinn trotz stagnierender Umsätze und der Wechselkurseffekte auf seinem zweitgrößten Markt, Großbritannien, vor Steuern um 9,7 Prozent auf 81,3 Milli. Euro. Ohne die Währungseffekte hätte das Plus sogar 13,4 Prozent betragen. Bis Ende März hatte das Pfund um rund 10 Prozent nachgegeben. In der Prognose für das gesamte Jahr seien Wechselkurseffekte nicht berücksichtigt, hieß es. Grund für den Zuwachs waren vor allem die auf 2,4 von 1,9 Prozent verbesserte Umsatzrendite in den eigenen Apotheken. "Wir haben sukzessive an den Einkaufspreisen und am Produktmix gearbeitet", sagte Meister. Während der Gewinn im Großhandel um 3,3 Prozent zulegte, schnellte er im Einzelhandel um 43 Prozent nach oben.

Der Konzernumsatz von Celesio stieg nur um 0,5 Prozent auf 4,525 Mrd. Euro. Ohne Kurseffekte hätte er um 2,6 Prozent zugelegt. Die 1835 in Dresden gegründete Gehe AG war erst am Dienstag offiziell in Celesio umbenannt worden, um die Internationalität des Geschäfts zu betonen. Zudem sollte dadurch vor allem in der gesundheitspolitischen Diskussion eine Verwechslung mit dem weiter unter Gehe firmierenden deutschen Großhandelsgeschäft verhindert werden.

Der Kurs der Celesio-Aktie stieg am Mittwoch um 1,9 Prozent auf 35,90 Euro. Bisher hatte sich Vorstandschef Fritz Oesterle für 2003 nur auf eine Ergebnissteigerung festlegen wollen, ohne eine Wachstumsrate zu nennen. Im Einzelhandel wolle Gehe stärker als der Markt wachsen, im Großhandel dagegen nur so stark wie der Markt, für den ein Zuwachs von fünf Prozent erwartet wird. "Die Ziele sind durchaus erreichbar", sagte Analystin Antje Laschewski von der Landesbank Baden-Württemberg. "Celesio hat trotz der schwierigen Marktbedingungen sehr gut abgeschnitten."

Sorgen macht Celesio das Großhandelsgeschäft in Deutschland, wo die gesetzlichen Krankenversicherungen seit Jahresbeginn einen Teil der Großhandels-Rabatte an die Apotheken abschöpfen dürfen. "Wir schreiben in Deutschland noch schwarze Zahlen", betonte Meister, der Gewinn sei aber deutlich zurückgegangen. Das liege unter anderem an einem großen Wettbewerber, der die Rabatte an die Apotheken erhöht habe. Nach Angaben aus Branchenkreisen geht es um die Frankfurter Anzag. "Die negative Entwicklung in Deutschland wird noch einige Zeit andauern", hieß es in einem Aktionärsbrief. Das Ergebnis werde sich weiter verschlechtern. Erst im zweiten Halbjahr würden die Rabatte auf ein vernünftiges Niveau sinken. Das Deutschlandgeschäft macht rund ein Fünftel des Umsatzes von Celesio aus.

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