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"Celulandia"

Die Mexikaner und das Handy - das ist ein Thema für sich. Das Mobiltelefon heißt hier Celular, und die meisten Mexikanern sehen es noch immer als Statutssymbol. Sie tragen ihr Celular in der Regel wie einen Colt am Gürtel.

Die Mexikaner und das Handy - das ist ein Thema für sich. Das Mobiltelefon
heißt hier Celular, und die meisten Mexikanern sehen es noch immer als
Statutssymbol. Sie tragen ihr Celular in der Regel wie einen Colt am Gürtel. Manchmal
auch wie die Revolverhelden früherer Tage gleich zwei, rechts und links. Dank
Carlos Slim, dem Eigentümer von Amércia móvil, dem größten Handy-Anbieter
Lateinamerikas, haben fast alle Mexikaner ein Celular. Denn der flächendeckende
Verkauf von Mobiltelefonen mit Prepaid-Karten ist vor allem eine Idee von ihm.
Handys ohne Vertrag sind in Mexiko relativ billig, und so gibt es inzwischen
mehr Mobil- als Festnetzanschlüsse. Rund 22 Millionen Mexikaner - also jeder
Fünfte - hat ein tragbares Telefon.

Die Mexikaner lieben ihr Handy so innig, dass sie sich nicht einmal für einen
Kinobesuch, ein klassisches Konzert oder ein Theaterstück von ihm trennen
wollen. Ich habe noch keine derartige Veranstaltung erlebt, in der nicht
mindestens drei Handys geklingelt hätten. Aber damit nicht genug. Oft genug nehmen die
scheinbar Kulturinteressierten den Anruf an und quatschen in voller
Lautstärke gegen die Musik, den Film und die Pfiffe der übrigen Zuschauer an.

Inzwischen haben die Dauerquatscher auch die Kirchen erobert. Mexiko rühmt
sich das katholischste Land Lateinamerikas zu sein, aber nicht einmal in der
heiligen Sonntagsmesse machen die Gläubigen ihr Celular aus. José de Jesús
Martínez Zepeda ist jetzt der Kragen geplatzt. Der Bischof von Guadalajara, der
zweitgrößten Stadt Mexikos, hat den Kirchenbesuchern in seiner Diözese den
Gebrauch untersagt. Großflächig hat er in den Kirchen Schilder anbringen lassen:
"Gott will mit Dir reden, aber nicht über das Handy".

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