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Ceuta und Melilla - Drehscheiben des Elends des afrikanischen Kontinenten

Seit Jahren strömen Schwarzafrikaner nach Marokko, um von dort aus mit dem selbstgebauten Boot, per Schleuserbanden oder versteckt in einem Autobus nach Europa zu gelangen.

Seit Jahren strömen Schwarzafrikaner nach Marokko, um von dort aus mit dem
selbstgebauten Boot, per Schleuserbanden oder versteckt in einem Autobus
nach Europa zu gelangen. Seit rund zehn Jahren klettern sie auch über den
Grenzzaun der beiden spanischen Exklaven im Norden Marokkos, Ceuta und
Melilla. Dort wohnen derzeit zirka rund 140 000 Menschen, 50 Prozent
Muslime. Die Hafenstädte sind herunter gekommen, sie leben vor allem vom
Warenhandel mit Marokko und den zig Millionen Subventionen, die sie jährlich
aus Madrid und Brüssel bekommen.
Es sind europäischen Festungen, deren Erhalt heute keinen Sinn mehr macht,
sondern der wegen der Flut von afrikanischen Hilfesuchenden nur Probleme
macht. 1800 Schwarzafrikaner schafften es in den vergangenen Monaten allein
in Melilla über den Grenzzaun der 12 Quadratkilometer grossen Stadt. Sie
leben nun in einem Auffanglager, wo sie bereits den Wohlfahrtsstaat Europas
zu spüren bekommen. Nach oft jahrelangem Wandern von Mali in die algerische
Wüste nach Marokko sind sie ausgehungert, mehrmals ausgeraubt worden,
desillusioniert. Spanien erscheint da wie der wohltätige Retter.
Viele spanische Polizisten haben Afrikaner in den vergangenen Wochen gegen
den Befehl von oben, auf die andere Seite klettern lassen. "Es ist eine
humanitäre Katastrophe, da kann man nicht einfach Befehle ausführen", sagt
einer von ihnen.
Die europäische Entwicklungspolitik hat in Afrika versagt. Marokko wird mit
Geld überhäuft, hat die Situation im eigenen Land in den vergangenen
Jahrzehnten aber nicht wesentlich verbessert. Immer noch kommen viele
Marokkaner auf dem Seeweg nach Spanien. "Wir müssen den Menschen eine
Zukunft in ihrem Land geben, die dortigen korrupten Regierungen stärker
unter Druck setzen und endlich aufhören, europäische Agrarprodukte zu
subventionieren", sagt Brigitte Epouche von der spanischen
Menschenrechtsorganisation Pro Derecho Humano. Niemand würde sich freiwillig
auf so eine gefährliche Reise nach Europa machen, wenn die Aussichten im
eigenen Land nicht völlig hoffnungslos wären.
Das Stadtbild von Ceuta und Melilla ist geprägt von Schwarzafrikanern und
verschleierten Frauen, Spanien ist hier nur spürbar, wenn man in eine Bar
geht, wo wie auf dem Festland, die schmutzigen Servietten, Zigarettenstummel
und Olivenkerne auf dem Boden liegen und der Fernseher nonstop läuft.
Viele spanische Bewohner der Stadt erklären wie Juan Jimenéz von der
Hilfsorganisation SOS Melilla, dass man hier mehr Ärger mit den Marokkanern
als mit den Schwarzafrikanern habe: "Die Marokkaner stehlen mehr, weil sie
ein spanisches Gefängnis im Vergleich zu den eigenen für Luxus halten." Sie
seien froh, wenn sie für ein paar Tage ein Bett und zu Essen hätten. Auch
Miguel Estavanez, der als Informatiker in Melilla arbeitet, hat mehr Respekt
vor den Afrikanern: "Sie sind sehr diskret und dankbar."
Für Angel Gutierrez, Chef der spanischen Gewerkschaft CCOO in Melilla, hat
der spanische Status schon allein wegen der schlechten Nachbarschaft keine
Zukunft: "Hier wird nur Geld reingesteckt, was rauskommt, sind jedoch nur
Probleme." Wenn Marokko in 2010 wie geplant das Freihandelsabkommen mit der
EU abschliesst, dann blieben den Städten noch nicht einmal die
Zolleinnahmen. Die Arbeitslosigkeit in Melilla hat bereits jetzt über elf
Prozent erreicht. Fraglich ist jedoch, ob jemals ein spanischer Politiker
wagt, die Dinge so klar auszudrücken.

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