Champagner und Kaviar zum Abschied
Frankreich trauert um Concorde

Au revoir Concorde: Mit Tränen, Trauerflor und Wehmut haben die Franzosen Abschied vom Mythos Concorde genommen. Der legendäre weiße Vogel mit den Deltaflügeln und der spitzen Nase hat sich am Samstag zum letzten Mal auf den Boden herabgeschwungen. "Ich könnte heulen. Seit 25 Jahren arbeite ich mit der Concorde. Dieser Abschied tut so weh wie ein Todesfall", sagt der Concorde-Techniker Hubert Protin. Auch die Passagiere des Abschiedsfluges von New York nach Paris waren gerührt. "Ich habe mir damit den Traum meines Lebens erfüllt", sagte der 42 Jahre alte Privatpilot Vincent Olivotto. "Jeder Augenblick in der Luft war pures Glück."

HB/dpa PARIS. Dieses Spitzenprodukt der Technologie, in den 60er Jahren entwickelt, war wirtschaftlich jedoch ein Fiasko. Der Überschallflug kostet drei Mal so viel Treibstoff pro Passagier wie ein normaler Jet, und die empfindliche Concorde kann nicht pausenlos im Einsatz bleiben. Nach jedem Flug brauchen die strapazierten Materialien acht Stunden Pause, um ihre Form zurückerlangen. Fatale Auswirkungen hatte vor allem die Opposition der Amerikaner in den 70er Jahren. Der Kampf um die Landerechte in New York dauerte fast zwei Jahre.

Seit Aufnahme der Linienflüge 1976 hat die Concorde jedoch Passagieren und Crew umso mehr Vergnügen eingebracht. "Man fliegt in 18 000 Metern Höhe bei Mach 2 und schlürft Champagner dazu. Einfach großartig", sagt ein Gast. Das Menü des letzten Fluges, von Star-Koch Alain Ducasse zusammengestellt, bestand aus Kaviar, Gänseleber und Champagner, Rindfleisch, edlen Weinen und kleinen Törtchen zum Nachtisch. Serviert wurden sie von der dienstältesten Stewardess Pierrette Cathala in ihrer eleganten, beigefarbenen Uniform. Sie arbeitet seit über 25 Jahren bei Air France und hat 5800 Flugstunden in der Concorde verbracht. "Ich werde nie wieder Schauspieler, Prominente, Reiche und Berühmte in diesem schönen weißen Vogel hoch über dem Atlantik bedienen", sagt sie gefasst.

Concorde war nie von Arbeitskämpfen betroffen

Für Flugkapitän Jean-François Michel war auch dieser letzte Flug "wie immer ein großes Vergnügen". "Die Concorde lässt sich wunderbar fliegen", sagt er, bleibt dabei aber ganz sachlich. Bedauern über den letzten Flug? Michel schüttelt den Kopf. "Das gehört zu unserem Beruf." Über seine Zukunft mag er sich nicht äußern. "Man wird sehen." Die Concorde-Piloten, Co-Piloten und das Bordpersonal gehen entweder in Pension oder lassen sich für andere Maschinen umschulen.

Für die Franzosen ist es ein Abschied in großer Sentimentalität: Mit keinem Flugzeug sind so viele Emotionen verbunden. Der Stolz auf den wunderschönen Flieger hat auch Arbeitskämpfen getrotzt. Im streikfreudigen Frankreich war die Concorde nie von Arbeitsniederlegungen betroffen. "Wenn es am Wochenende ein technisches Problem gab, konnte ich immer eine Gruppe von Technikern zusammentrommeln", erinnert sich Protin.

Der Absturz im Juli 2000, als bei Paris 113 Menschen starben, hätte fast das Ende der Flüge bedeutet. Doch Air France und British Airways wollten die Karriere des Wundervogels nicht mit einem Drama enden lassen. Mit Millionenaufwand wurden die Maschinen überholt und der Flugbetrieb fast ein Jahr nach dem Unfall wieder aufgenommen. Doch die Passagiere kamen nicht wieder. Auch British Airways zieht ihre Staffel Ende Oktober aus dem Verkehr. Aber der Mythos bleibt. "Die Concorde wird immer die Fantasie der Menschen beflügeln", sagt Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta.

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