Champions-League-Aus im Kurs enthalten
BVB-Aktie in der Defensive

Auf dem Fußballfeld voll auf Angriff, auf dem Börsenparkett in der Defensive: Während Borussia Dortmund in der Champions League an alte Erfolge anzuknüpfen versucht, ist der Kurs des Bundesligisten abgestürzt.

dpa HAMBURG/LIVERPOOL. Ein Jahr nach der Erstnotierung am 31. Oktober 2000 hat sich der Wert der einzigen deutschen Fußball- Aktie halbiert. Der Emissionspreis von elf Euro wurde in den vergangenen zwölf Monaten nicht mehr erreicht. Derzeit dümpelt die Aktie bei rund 5,50 Euro. Doch ein Grund zur Panik sieht Gerd Niebaum in dem Kursverfall nicht. "Wir sind in eine Zeit geraten, die einzigartig negativ in der gesamten Börsenlandschaft ist", sagte der BVB-Präsident vor dem Weg weisenden Spiel beim FC Liverpool.

Nicht jeder Analyst gibt Niebaum recht. "Dortmund befindet sich in guter Gesellschaft", sagt Stefan Steib von der WGZ-Bank. Kein Börsenneuling machte Kursgewinne. Und auch die anderen 31 börsennotierten Fußball-Unternehmen in Europa konnten an den Aktienmärkten nicht glänzen. Sie hätten eine "katastrophale Performance" gehabt, so Steib. Doch Rolf Drees von Union Investment verweist auf die Entwicklung der BVB-Aktie seit August. Während die Indizes Pluszeichen verbuchen, sei der Borussia-Kurs nach dem Zwischenhoch zum guten Saisonstart ins Minus gerutscht.

Seit ihrer "Pionierarbeit" (Niebaum) vor einem Jahr wird das Auftreten der Dortmunder auf dem Aktienmarkt mit einer Mischung aus Skepsis, Spannung und Hoffnung beobachtet. Rund 300 Mill. DM spülte die Ausgabe von 13,5 Mill. Aktien und 1,5 Mill. so genannter Mehrzuteilungsoptionen in die Kasse. Geld, ohne das die Transfers von Marcio Amoroso, Tomas Rosicky, Jan Koller oder Ewerthon nicht möglich gewesen wären.

"Pfad zur Profitabilität" fehlt

Von Finanzexperten erhalten Clubchef Niebaum und seine Mitstreiter ein mäßiges Zeugnis. Das Minus von 9 Mill. Euro (etwa 17,6 Mill. DM) im Geschäftsjahr 2000/2001 (30. Juni) wurde nachsichtig behandelt. Die Dortmunder hätten fast alles gehalten, was sie beim Börsengang versprochen haben, so WGZ-Bank-Analyst Steib: "Allerdings haben sie auch nicht positiv überrascht." Kollege Drees fehlt hingegen der "Pfad zur Profitabilität". Er fordert "weniger Abhängigkeit von der sportlichen Entwicklung. Alle anderen Aktivitäten sind noch im embryonalen Stadium."

Die Bundesliga-Konkurrenz verfolgt das Dortmunder Börsen-Abenteuer ebenfalls mit großem Interesse. Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß ist sogar Borussia-Aktionär, um sich einen besseren Eindruck zu verschaffen. Längst haben die Vereins-Lenker erkannt, dass TV- Gelder, Eintrittskarten und Merchandising als Einnahmequellen nicht mehr ausreichen. "Wenn man auf Dauer international mitspielen will, geht das nur mit einem vermehrten Kapitalbedarf", weiß auch Bayer Leverkusens Finanzchef Wolfgang Holzhäuser. Der Börsengang sei eine Lösung. Für Bayer Leverkusen schloss er die Möglichkeit aber aus. "Aus Sicht von Dortmund war der Schritt jedoch richtig."

Konkrete Börsenpläne auch bei anderen Clubs

Bei anderen Clubs sind nach Ansicht von Analyst Steib die Börsenpläne konkret. Schon in den kommenden ein bis zwei Jahren rechnet er mit der nächsten Fußball-Aktie. Etliche Bundesligisten wandeln in einer Art Vorstufe ihre Kicker-Sparten in Kapitalgesellschaften um. "Einige müssen aber noch Hausaufgaben machen", so Steib. Viele Vereine seien noch zu sehr Verein und zu wenig Unternehmen. "Der Trend ist jedoch vorgezeichnet." Seine Kandidaten: der 1. FC Kaiserslautern, Schalke 04 oder Hertha BSC.

Die besten Voraussetzungen hat aber Branchenprimus Bayern München. Doch gerade der Rekordmeister hat derzeit einen Börsengang nicht nötig. Steib: "Nur wenige Vereine wie der FC Bayern München sind in der komfortablen Lage, diesen herauszuschieben." Auch Drees sieht nur Bayern und Schalke 04 als Kandidaten. Nur sie seien echte Marken.

Von einer Ernst zu nehmenden Anlage ist die Fußball-Aktie aber noch weit entfernt. "Die Aktie ist etwas für Fans", betont Drees. Das Produkt Fußball sei ein emotionales Produkt, "was seriösen Anlegern nicht schmeckt", so Steib. Immerhin: Bei einem Scheitern der Dortmunder in der Champions League erwartet Steib nur einen kleinen Dämpfer. Die Enttäuschung sei schon im Kurs inbegriffen.

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