Champions League
Mediziner sorgen sich um Rainer Calmund

Er leidet wie kein anderer, Mediziner haben Angst um ihn, doch die Gesundheitswerte von Reiner Calmund sind trotz des großen Stresses im Saison-Endspurt okay. Ruhe-Puls 66 und Blutdruck 125:85 lauteten die positiven Ergebnisse eines Checks des XXL-Managers von Bayer Leverkusen nach der 0:1-Pleite beim 1. FC Nürnberg.

sid LEVERKUSEN. "Ich bin leidensfähig. Wir sind angezählt, aber nicht ausgezählt. Jetzt kann die Post abgehen", sagte Feinschmecker und 135 kg-Mann Calmund vor dem Halbfinalrückspiel in der Champions League am Dienstag gegen Manchester United. "Calli" gibt trotz des Rückschlages in Nürnberg längst noch nicht die Hoffnung auf, träumt weiter vom "Triple" aus Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal. Aber allzu gerne möchte der 53-Jährige sein Lebenswerk bei Bayer am letzten Bundesliga-Spieltag mit dem Gewinn der "Schale" krönen: "Verein und Fans lechzen seit einem Jahrzehnt der Salatschüssel hinterher. Ich wäre der Enttäuschteste, wenn es nicht klappt, denn ich lebe mit Haut und Haaren für den Klub."

Bei Bayer ist er seit 1976 tätig, arbeitete sich Sprosse um Sprosse hoch. Seit 1989 ist Calmund Manager, leitet zusammen mit Wolfgang Holzhäuser als gleichberechtigter Geschäfsführer der Bayer-Fußball GmbH die wirtschaftlichen und sportlichen Belange. Calmund gilt als der "Macher" beim Uefa-Cup-Sieger von 1988 und DFB-Pokalgewinner von 1993. "Für mich ist Calli der sympathischste Chaot, den ich kenne.

Er ist ein Teil der Bundesliga seit vielen Jahren", charakterisiert Holzhäuser seinen Kollegen. "Calli ist ein Original, das ganz Deutschland liebt", urteilt Trainer Klaus Toppmöller über seinen Manager. Trainer und Superstars kamen und gingen bei Bayer, doch Calmund regiert seit zwei Jahrzehnten beim Werksklub. Nicht umsonst hat man ihn unterm Bayer-Kreuz den "Paten" getauft. Und der Brasilianer Tita, Mitglied der Bayer-Mannschaft, die vor 14 Jahren gegen Espanyol Barcelona den Uefa-Cup an den Rhein holten, bezeichnete Calmund damals "als kleines dickes Bandito".

Mitunter brutal, fußballverrückt und schlitzohrig, poltrig oder charmant, arbeitswütig, besessen, manchmal dreist und maßlos verrichtet Calmund Tag und Nacht seinen Job beim dreimaligen deutschen Vizemeister, der 1979 in die Bundesliga aufstieg. Dem sportlichen Erfolg ordnet "Calli" alles unter. Selbst zwei Ehen mit vier Kindern zerbrachen an diesem Stress, drei Herzattacken hat er als Warnung kassiert. In Lebensgefährtin Sylvia Häusler hat das Bundesliga-Unikum eine neue Partnerin gefunden. Aber auch sie sorgt sich um "Callis" Gesundheitszustand.

In der vergangenen Saison, als der Erfolg ausblieb, es Turbulenzen durch die Kokain-Affäre von Trainer Christoph Daum und dem "Irrtum" mit seinem Nachfolger Berti Vogts gab, wurde der Begriff "Zirkus Don Calli" kreiert. "Ich halte für alles meine Birne hin, mein Kopf ist groß genug, da könnt ihr, wenn ihr wollt, draufhauen, wenn's schief geht", sagte Calmund damals. 1996 indes erlebte "Calli" das schwärzeste Kapitel in seiner Ära bei Bayer. Da drohte der Sturz in die Zweitklassigkeit. Erst das späte Ausgleichstor durch Markus Münch zum 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern am letzten Spieltag bedeutete die Rettung. "Der Abstieg zu jenem Zeitpunkt hätte der Tod des Vereins sein können", erklärte Calmund.

Heute steht Bayer sportlich und wirtschaftlich blendend da, die Mannschaft spielt den schönsten und attraktivsten Fußball, bundesweit gönnt man Bayer 2002 den lang ersehnten ersten Meistertitel. Doch wie eim Vorjahr Schalke 04 droht Bayer 04 das Schicksal, nicht Champion zu werden, sondern als "Meister der Herzen" in die Saisonannalen einzugehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%