Champions League
Toppmöller: „Schale wichtiger als Champions League“

Die "Kathedrale" Old Trafford gestürmt, das Triple im Visier und die Fußball-Welt in Verzückung versetzt: Die einstigen Loser von Bayer Leverkusen greifen nach dem grandiosen 2: 2 (0:1) im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen die Weltauswahl von Manchester United nach den Sternen.

sid Manchester. "Nach diesem Gigantenspiel haben wir eine Riesenchance auf den Einzug ins Finale am 15. Mai in Glasgow. Ich habe in den letzten zwei Jahren nicht mehr so ein schnelles Spiel erlebt, und eine Milliarde Menschen auf der Welt haben es im Fernsehen gesehen", sagte Manager Reiner Calmund und ließ seiner Freude feien Lauf. Und sollte Bayer am 30. April (20.45 Uhr/live bei Premiere) im Rückspiel in der BayArena das Glanzstück perfekt machen, erfüllt sich für Trainer Klaus Toppmöller ein ganz persönlicher Traum. "Dann kann ich Real Madrid zum 100-Jährigen Jubiläum gratulieren."

Die "Königlichen" stehen nach dem 2:0-Coup beim Erzrivalen FC Barcelona mit einem Bein im Finale der "Königsklasse" im Hampden Park. Im Augenblick des Triumphes vergassen die Himmelstürmer aus Leverkusen aber nicht den bevorstehenden Bundesliga-Alltag. Denn schon am Samstag beim 1. FC Nürnberg kann der einst als Retortenklub verschrieene Werksverein dem langersehnten Meisterstück näherkommen und den Titel durch Schützenhilfe des HSV gegen Borussia Dortmund sogar perfekt machen. Aber Calmund warnt: "Das Spiel beim "Club' wird genauso schwer wie gegen "ManU'." Bei aller Champions-League-Euphorie genießt der Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft bei Bayer absolute Priorität. "Die Schale wäre das Größte für den Verein. Dafür gäbe ich Manchester freiwillig den Vortritt für das Finale", meinte "Toppi". Am 11. Mai steht Bayer in Berlin auch im DFB-Pokalendspiel gegen Schalke 04. Toppmöller: "Ich bin sicher, am Ende der Saison werden wir irgendwas in den Händen halten."

Bestes Indiz für die Bedeutung, endlich in den Besitz der Schale zu kommen, war die Vorsichtsnahme, Kapitän Jens Nowotny nach 45 Minuten wegen eines "leichten Ziehens im Oberschenkel" auszuwechseln. "Wir brauchen Jens unbedingt in Nürnberg, deshalb sind wir kein Risiko eingegangen", begründete Toppmöller seine Maßnahme. Aber auch ohne den Kapitän demonstrierte Bayer vier Tage nach der 1:2-Pleite gegen Werder Bremen Klassefußball, präsentierte sich gefestigt und stabil.

Michael Ballack hatte seine Kameraden in der Kabine nach dem 0:1-Rückstand durch ein Tor von Ole-Gunnar Solskjaer (29.), dessen Schuss Boris Zivkovic mit dem Rücken unglücklich abfälschte, heiß gemacht: "Wir stehen im Halbfinale, das kommt ihr nie mehr hin." Daraufhin wurde er von den Mitspielern mit Handtüchern beworfen und spaßig angepflaumt: "Glaub' doch nicht, dass du mit Bayern in der Champions League noch einmal so weit kommst."

Ballack rafften sich vor 68.000 Zuschauern in Old Trafford zu einer kaum für möglich gehaltenen Leistungssteigerung auf. Die Leistung des Bundesliga-Primus wird durch eine ungewöhnliche Statistik von 53:47 Prozent Ballbesitz, 20:9 Torschüssen und 16:9 Flanken unterstrichen. Der Lohn war der Ausgleich durch Ballack (62.). Und selbst nach dem 1:2 durch Superstürmer Ruud Nistelrooy (67., Foulelfmeter) kam Bayer ins Spiel zurück und schaffte durch Oliver Neuville (75.) das verdiente 2:2. "Ich bin mächtig stolz auf meine Mannschaft, sie hat begeisternden Fußball gespielt, das beste Auswärtsspiel in der Champions League gezeigt und bewiesen, wie schön Fußball sein kann", war "Tipp-Topp-Toppi" happy.

Doch von einem Einzug ins Finale will man im Bayer-Lager noch nichts wissen. "Natürlich träumen wir vom Endspiel, aber das wird noch ein schweres Stück Arbeit. "ManU' ist eine Top-Mannschaft, die auswärts genauso stark spielen kann wie zu Hause. Es ist erst Halbzeit, mehr nicht", kommentierte Ballack. Ebenso Manager Calmund: "Die Chancen stehen nicht mehr 30:70, sondern 50:50."

"ManU"-Coach Sir Alex Ferguson indes hat trotz der nicht gerade günstigen Ausgangsposition längst noch nicht die Hoffnung aufgegeben, ins Finale in seine Heimatstadt Glasgow zu kommen. "Es wird schwer, das Ding noch umzubiegen. Aber ich sehe noch Chancen, denn wir spielen auswärts immer gut. Ich verspreche für das Rückspiel eine Menge Tore."

Der geadelte Trainer kündigte für den Hit in der BayArena von Beginn an den Einsatz von Kapitän Roy Keane an. Der Ire feierte schon im Hinspiel nach seiner schweren Knieverletzung sein Comeback und wurde in der 82. Minute eingewechselt. Dagegen fällt Gary Neville in Leverkusen defintiv aus. Der Nationalverteidiger erlitt nach einem Zweikampf mit Ze Roberto einen Mittelfußbruch. Für ihn ist die Saison beendet.

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