Chance für Klagen gegen andere Unternehmen erhöhen sich
Infomatec legt Berufung gegen Schadenersatzurteil ein

Die Gründer der insolventen Augsburger Infomatec AG haben am Montag Berufung gegen das Urteil des Augsburger Landgerichts eingelegt, in dem der Schadenersatzanspruch eines Anlegers anerkannt worden war.

Reuters MÜNCHEN. Der Anwalt des früheren Vorstandschefs und Unternehmensgründers Alexander Häfele sagte am Montag Reuters, er sehe gute Chancen, dass das Oberlandesgericht München das Urteil aufhebe. Zum einen sei der Sachverhalt nicht richtig aufgeklärt worden, und zum anderen gebe es im Gesetz keine rechtliche Grundlage für den vom Kläger geltend gemachten Schadenersatzanspruch wegen falscher Adhoc-Meldungen. Wann mit einer ersten Verhandlung zu rechnen sei, konnte Rechtsanwalt Bernhard Hannemann nicht sagen.

Schadenersatzanspruch wegen falscher Adhoc-Meldung wurde erstmals anerkannt.

Das Augsburger Gericht hatte am 24. September erstmals den Schadenersatzanspruch eines Anlegers wegen falscher Adhoc-Meldungen anerkannt. In dem Prozess ging es um rund 100 000 DM. Das Gericht sprach dem Kläger den von ihm für die Infometec-Aktien gezahlten Kaufpreis samt Zinsen zu. Richter Hans Gleich hatte bei der Urteilsverkündung gesagt, Anleger hätten nach Auffassung seiner Kammer bei falschen Angaben über die Lage eines Unternehmens sehr wohl einen Anspruch auf Schadenersatz. Anlegerschützer hatten das Urteil begrüßt, weil es die Chancen für ähnliche Klagen gegen andere Unternehmen wie E-MTV, Intershop und Metabox erhöhe. Das Landgericht München hatte in einem anderen Verfahren gegen Infomatec einen Schadenersatzanspruch von Infomatec-Aktionären abgelehnt. Auch eine ähnliche Klage auf Schadenersatz von 59 Aktionären gegen E-MTV war am 18. Oktober vom Münchener Landgericht abgewiesen worden.

Gegen Harlos und Häfele, die mehrere Monate wegen des Verdachts des Kursbetruges in Untersuchungshaft gesessen hatten, und die am Neuen Markt gelistete Infomatec sind noch weitere Klagen von Anlegern anhängig, die sich getäuscht fühlen. Die Prozesse gegen Infomates selbst wurden wegen des laufenden Insolvenzverfahrens ausgesetzt. Die Deutsche Börse hatte am 10. Oktober angekündigt, die Zulassung der Aktien des Unternehmens zum Neuen Markt mit Ablauf des 10. November 2001 zu beenden.

Die Infomatec-Aktien notierten am Montag bei 17 Cents, 15 % oder drei Cents niedriger als zum Freitagsschluss.

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