Chance zur Konsolidierung
Lufthansa-Chef fordert Öffnung des Luftverkehrs

Vor dem Hintergrund der aktuellen Luftfahrt-Krise hat Lufthansa-Chef Jürgen Weber die vollständige Öffnung des Luftverkehrsmarktes zwischen den USA und Europa und eine neue Welt-Luftverkehrsordnung gefordert.

Reuters BERLIN. "Die Zeit des Bilateralismus ist vorbei", sagte Weber am Mittwoch beim Deutschen Luftverkehrskongress in Berlin. Die amerikanische und die europäische Verkehrsluftfahrt seien so weit gereift, dass sie die Öffnung hin zu einem gemeinsamen transatlantischen Luftverkehrsmarkt wagen sollten. Die Staaten müssten Abstand nehmen von den bilateralen Regelungen, die den Marktzugang und den freien Kapitaltransfer noch immer einengten.

Die jüngste Krise biete die Gelegenheit, die Rahmenbedingungen für die Luftfahrt zu überdenken und sie den Erfordernissen von Liberalisierung und Globalisierung anzupassen, sagte Weber. Gemeinsam könnten USA und Europa Vorreiter einer neuen Ordnung sein und damit auch neue Wege zu solidem Wachstum finden.

Mit der Rechtmäßigkeit bilateraler Luftverkehrsabkommen beschäftigt sich zur Zeit auch der Europäische Gerichtshof. Experten gehen davon aus, dass der Gerichtshof die herrschende Praxis für unzulässig erklären wird, dabei aber ausreichende Übergangsfristen gewähren dürfte. Die bilateralen Abkommen führen beispielsweise dazu, dass die Lufthansa nur von Deutschland aus direkt in die USA fliegen darf und nicht etwa von britischen Flughäfen aus.

Nach den Worten des Lufthansa-Chefs bietet die derzeitige Luftfahrt-Krise zugleich die Chance für Konsolidierungen in der Branche. Dies sei allerdings nur möglich, wenn die Politik gegen Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen vorgehe. "Wenn sich eine Konsolidierung abzuzeichnen beginnt, springen häufig genug Regierungen mit rettenden Staatsbeihilfen ein, damit die Flagge am Himmel weiter weht", sagte Weber. So seien auf dem Gebiet der Europäischen Union (EU) in den vergangenen zwölf Jahren 13 Milliarden Euro an Subventionen gezahlt worden, in den USA allein nach dem 11. September fünf Milliarden Dollar.

"Die Zeit der National Carrier (der großen nationalen Fluglinien) ist aber längst vorbei", sagte Weber. Die Konkurse der belgischen Sabena und der Swissair und die sich abzeichnende Krise bei der griechischen Olympic Airways machten deutlich, wie hoch der Konsolidierungsbedarf in der Branche derzeit sei und wie hoch auch die Emotionen gingen. Für die Summe, die die Schweiz mit Hilfe privater Investoren in den Swissair-Nachfolger gesteckt habe, hätte der Staat "glatt die Lufthansa kaufen können", rechnete Weber vor.

"Wir erwarten von der Politik, dass sie solchen Wettbewerbsverzerrungen entgegentritt und sie zukünftig vermeidet, damit wir eine auf Dauer leistungsfähige und wettbewerbsstarke Luftverkehrsindustrie erhalten", forderte der Lufthansa-Chef.

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