Chancen für Anleger
Aktionäre zweiter Klasse

Um ihren Indexplatz abzusichern, wandeln immer mehr deutsche Unternehmen ihre Vorzugsaktien in Stämme um. Clevere Anleger können daran verdienen.

tlu DÜSSELDORF. Vorzugsaktien? "Moment, da muss ich Sie zu unserer Abteilung Investor Relations durchstellen." Die Mitarbeiterin der Presseabteilung ist bemüht, aber anscheinend nicht auskunftsberechtigt. Allerdings kann ihr Kollege auch nicht weiterhelfen: "Tut mir leid, dazu dürfen wir nichts sagen. Bitte wenden Sie sich an unsere Presseabteilung." So oder so ähnlich liefen gut die Hälfte aller Rechercheanrufe zum Thema Vorzugsaktien ab - ein Rückfall in finsterste Urzeiten der Informationspolitik deutscher Großkonzerne.

Mauern war auch die Devise der Verwaltung auf der Hauptversammlung des Automobilbauers VW vor ein paar Wochen. Dort sollten die Anteilseigner darüber abstimmen, ob das Management erneut zehn Prozent der eigenen Aktien zurückkaufen darf. Wenn, dann nur Vorzugsaktien, forderten einige institutionelle Anleger und Aktionärsvertreter. Schließlich notieren die Vorzüge rund 35 % unter den Stämmen. Der Erwerb käme den Konzern und damit die Aktionäre deutlich billiger, und bei der möglichen Finanzierung einer Akquisition über eigene Anteile könnten sie in Stämme umgewandelt werden, so die Kritiker.

Doch Finanzvorstand Jens Neumann blieb hart. "Wir wollen diese Wahlmöglichkeit für die Aktionäre erhalten", blockte er den Vorstoß ab - wohl wissend, dass der Gegenantrag angesichts der Mehrheitsverhältnisse ohnehin keine Chance hatte. Doch der laxe Umgang mit den Aktionärsinteressen könnte sich als Pyrrhussieg entpuppen. Wer in der Börsenliga auf Dauer oben mitspielen will, muss die großen institutionellen Investoren für sich begeistern - und die sind von Vorzugsaktien nicht gerade angetan. An der Börse gelten Vorzüge selbst von großen Dax-Werten als nicht gerade liquide, und gegenüber den Stämmen werden sie wegen des fehlenden Stimmrechts in der Regel mit einem Abschlag gehandelt.

Unternehmen könnten in Zugzwang geraten

"Wir sind Freunde des OneShare-One-Vote-Prinzips", sagt Rolf Drees von Union Investment. Das heißt: Jede Aktie besitzt eine Stimme auf der Hauptversammlung.

Unternehmen, die dennoch auf Biegen und Brechen an ihren Vorzugsanteilen festhalten, könnten allerdings in Zugzwang geraten. Alle großen Indexanbieter stellen in den nächsten Monaten die Berechnungsbasis für ihre Indizes Schritt für Schritt um. Entscheidend für das Gewicht in den Kursbarometern ist dann nur noch die Zahl der frei handelbaren Aktien - der so genannte Free Float. Bei Unternehmen, die mehrere Aktiengattungen haben, zählt dabei nur noch die liquidere - in der Regel die Stammaktie.

Aus diesem Grund muss zum Beispiel VW um seinen Platz im Stoxx 50 und langfristig wohl auch im Dax fürchten. Denn die Konkurrenz um die begehrten Plätze im Index schläft nicht. MLP und SAP zum Beispiel haben die Umstellung ihrer Vorzüge gegen Stämme bereits vollzogen oder zumindest beschlossen. Und fast schon Ironie ist es, dass der Zuckerproduzent Südzucker just am Tag der VW-HV die Umwandlung seiner Vorzugsaktien bekannt gab, um seinen Platz im MDax zu sichern.

Chancen für Anleger

Die verbliebenen Nachzügler bieten Anlegern Chancen. Wenn sie ihre Aktiengattungen zusammen legen, wird der Abschlag meist schon bei der Bekanntgabe in einem Zug aufgeholt. Allerdings geht der Tausch nicht immer zum Nulltarif über die Bühne. Bei der Metro wurden zum Beispiel die Vorzugsaktionäre mit zusätzlich 11,60 Euro pro Stammanteil zur Kasse gebeten. Unkonventionell auch der Fall MAN. Dort hat das Management einen Teil der Vorzüge im Rahmen eines Rückkaufprogramms eingesammelt, wodurch der Kursabstand zu den Stämmen, der so genannte Spread, etwas zusammengeschmolzen ist.

Das hat allerdings nicht verhindert, dass die Vorzüge den jüngsten Kurseinbruch des Maschinenbaukonzerns mehr oder weniger ungebremst mitgemacht haben. Umwandlungsspekulanten sollten deshalb auch die allgemeine Kursentwicklung im Auge haben und von den generellen Chancen des Papiers überzeugt sein.

Mit den "Longshorts"-Zertifikaten der Société Générale (Kennnummer 775 479 bis 775 483) können sie allerdings bei fünf Werten (BMW, FMC, Fresenius, Henkel und VW) gezielt darauf spekulieren, dass sich der Spread beider Aktiengattungen verringert - unabhängig von der jeweiligen Kursentwicklung der Aktie. Das ganze funktioniert mittels einer Kombination aus zwei Termingeschäften, die im Zertifikat gebündelt werden. Der maximale Verlust ist auf den Kapitaleinsatz beschränkt, wenn das jeweilige Unternehmen bis zum 19.7.2002 (= Laufzeitende) keine Wandlung vollzogen hat. Dafür bietet der geringe Kapitaleinsatz einen Hebeleffekt.

Stichwort: Vorzugsaktie

Aktie ist noch lange nicht gleich Aktie. Während die Käufer von Stammaktien alle gesetzlichen und satzungsmäßigen Rechte als Anteilseigner eines Unternehmens genießen (Teilnahme-, Auskunfts- und Stimmrecht auf der Hauptversammlung), müssen Vorzugsaktionäre in der Regel auf ihr Stimmrecht verzichten. Dafür gewähren Vorzugsaktien einen bestimmten Vorteil gegenüber den Stämmen. In der Regel bezieht sich dieser auf die Gewinnausschüttung. So genannte kumulative Vorzugsaktien gewähren eine Mindest- und/oder Mehrdividende gegenüber den Stammaktien. Teilweise gewähren sie auch Anspruch auf Ausschüttung, bevor die Stammaktionäre bedient werden. Die Vorzugsdividende muss bei einem Ausfall in den Folgejahren nachgezahlt werden. Außerdem lebt das Stimmrecht auf, wenn der Vorzug im darauffolgenden Jahr nicht oder nur teilweise aufgeholt wird.

Mehr Informationen zu den sechs "Longshort"-Zertifikaten der Société- Générale gibt es im Internet unter der Adresse www.warrants.com.

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