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Chancen für ausländische Firmen nach Fusion auf Spaniens Strommarkt

dpa MADRID. Mit der Fusion der beiden führenden spanischen Stromversorger Endesa und Iberdrola wird sich der heimische Markt nach Meinung von Analysten für ausländische Anbieter wie etwa die deutschen Unternehmen RWE oder Eon öffnen. Weitere mögliche Interessenten seien die französische EDF, die belgische Tractebel oder die italienische Enel, berichtete die spanische Presse am Mittwoch. Um die Vorbehalte der Wettbewerbshüter gegen den Zusammenschluss auszuräumen, hatten Endesa und Iberdrola am Vortag angeboten, sich von etwa 40 % ihrer Erzeugungskapazität in Spanien zu trennen. Das entspricht rund 4 Mill. Kunden.

Endesa und Iberdrola, die zusammen rund 80 % des spanischen Marktes kontrollieren, hatten am Dienstag ihre Fusion zum viertgrößten Stromversorger der Welt angekündigt. Mit fast 37 Mill. Kunden, die Hälfte davon in Lateinamerika, ist der neue Branchenriese nach eigenen Angaben international sogar die "Nummer Eins". Die neue Endesa Iberdrola S.A. mit Sitz in Madrid hat einen Börsenwert von rund sechs Billionen Pesetas (36,5 Mrd. Euro) und knapp 30 000 Beschäftigte. Die Fusion muss noch von der Regierung und den Aktionären beider Konzerne genehmigt werden.

An der Börse stieß das Vorhaben am Mittwoch auf ein geteiltes Echo: Die Aktien von Endesa gaben bis zum Mittag um 6,5 Prozent nach, die von Iberdrola stiegen um fast 5 %. Marktbeobachter werteten die zehnprozentige Prämie, die Endesa den Iberdrola - Aktionären zahlen will, als zu hoch. Im Rahmen des Aktientausches im Wert von 15 Mrd. Euro bietet Endesa 18 eigene Titel für 23 von Iberdrola.

Der Zusammenschluss ist auch bei den Iberdrola-Aktionären umstritten. Bei der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrates votierten die Vertreter der Großbank BBVA dagegen. Sie hatten sich dafür ausgesprochen, die Offerte des Mineralölkonzerns Repsol zu prüfen, der ebenfalls ein Angebot für Iberdrola vorgelegt hatte. Die BBVA ist bei dem Stromversorger mit 9,5 % Hauptaktionär.

Die Regierung bekräftigte unterdessen, dass sie aus Wettbewerbsgründen eine Reduzierung der Anbieterzahl auf dem Strommarkt nicht zulassen werde. Madrid hat über die "Goldene Aktie" beim einstigen Staatskonzern Endesa ein Vetorecht.

Die Fusionspartner halten dem entgegen, dass die Trennung von ihren Aktiva drei neuen Anbietern den Zugang zum spanischen Markt ermöglicht. Mit den freiwerdenden Mitteln im Wert von drei Milliarden Euro wollen Endesa und Iberdrola in Europa, den USA und Lateinamerika Marktanteile gewinnen und im Mobilfunk investieren.

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