Chaos bei der Auslieferung droht
2,5 Milliarden Banknoten auf den Straßen

Noch nie ist auf deutschen Straßen so viel Geld transportiert worden: Mehr als 2,5 Milliarden Banknoten und 71 500 Tonnen Münzen müssen nach Angaben der Deutschen Bundesbank von September an zur Vorbereitung der Euro- Bargeldeinführung am 1. Januar 2002 ausgeliefert werden. Dazu kommt der Rücklauf der alten D- Mark. Allein 100 000 Tonnen Münzgeld werden aus dem Verkehr gezogen. Die Geldtransportunternehmen rechnen mit einer satten Sonderkonjunktur, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

dpa FRANKFURT/M. Weil der einfachste Weg zum Euro für den Verbraucher durch den Supermarkt führt, hat der Handel zum Jahresbeginn 2002 einen enormen Wechselgeldbedarf. Rund sechs bis acht Mal so viel Bargeld wie üblich müsse in der Kasse sein, schätzt die Zentrale des Handelskonzerns Rewe in Köln. Für die bundesweit rund 8000 Beschäftigten der Geldtransportunternehmen bedeutet die Euro-Logistik die größte Herausforderung in der 100-jährigen Geschichte des Gewerbes.

Schon seit Monaten warnt der Dachverband der Geldtransporteure vor einem möglichen Chaos bei der Auslieferung der neuen Währung. Damit im Januar die Kassen von Banken und Supermärkten mit der neuen Währung gefüllt sind, können sich die Unternehmen bereits von September an mit dem neuen Geld eindecken. Wenn sie gut geplant sei, lasse sich die Belieferung von Banken, Supermärkten oder Möbelhäusern bewältigen, meint Martin Hildebrandt von der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste in Bad Homburg. Doch viele Unternehmen ließen sich Zeit mit der Bestellung. Auch ein führender Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen warnt vor logistischen Problemen: Nicht die Gefahr von Überfällen, sondern der Transport sei das eigentliche Nadelöhr.

Anders als ihr Dachverband vermitteln viele Unternehmen der Geldtransportbranche Gelassenheit: Alle Kunden bekämen rechtzeitig ihr Euro-Bargeld, versichert Lothar Klöckner von der deutschen Zentrale des Sicherheitsunternehmens Brink´s in Frankfurt. "Wir sind mit fast allen unseren Kunden auf der Zielgeraden", sagt auch der Sprecher der Securicor Geld- und Wertdienste in Kassel, Jan Hendrik Pietsch.

Um die vor allem im Dezember erwartete heiße Transport-Phase zu entzerren, hat die Bundesbank ein Bonus-System aufgestellt. Wer sich früh beliefern lässt, bekommt Rabatt beim Euro-Ankauf. Die Kapazitäten der Geldtransporteure sind nämlich nicht sehr flexibel. Nur für den Euro könnten die Unternehmen keine neuen Spezialfahrzeuge kaufen, erklärt Hildebrandt. Bundesweit gibt es rund 2500 dieser gepanzerten Lieferwagen. 141 davon gehören Brink´s. Elf neue Fahrzeuge kommen für den Euro-Transport hinzu. Diese ohnehin geplante Investition wird um einige Monate vorgezogen. Außerdem stellt Brink´s bis zu 100 Aushilfen ein, die in gemieteten Depots der Bundeswehr die Euro-Bestellungen zusammenpacken.

Zwischen 25 und 30 Prozent mehr Arbeit als normal werde zwischen September 2001 und Februar 2002 anfallen, schätzt Pietsch. Dieser Aufwand sowie zusätzliche Investitionen dürften sich auch in den Geschäftszahlen der Branche widerspiegeln. Securicors Jahresumsatz von rund 150 Millionen DM (77 Mio Euro) werde um rund 20 Prozent steigen. Mit dieser Größenordnung rechnet auch der Dachverband für die gesamte Branche. "Sanieren werden sich die Unternehmen damit aber nicht", sagt Hildebrandt.

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