Chaos bei der Rückreise
Deutsche Touristen sitzen in Sibirien fest

Mehr als 240 verzweifelte deutsche Touristen sitzen nach einem Urlaub in der alten Heimat Russland seit Tagen in der sibirischen Stadt Barnaul fest.

HB/dpa MOSKAU. Die Urlauber müssen einen Streit zwischen deutschem Reiseanbieter und russischer Fluglinie ausbaden. Jeder Passagier solle trotz bezahlter Rückflugtickets zusätzlich 200 US-Dollar (206 Euro) zahlen, um zurück nach Deutschland geflogen zu werden, berichteten die Betroffenen der dpa am Dienstag. "Wir werden als Geiseln genommen", klagte der russischstämmige Alois Zerr aus Wertheim (Bayern). "Ich will einfach raus." Auch 50 Kinder warten auf den Rückflug nach Frankfurt/Main und Hannover.

Die Reisenden sind Opfer einer undurchsichtigen Auseinandersetzung zwischen der russischen Charterfluggesellschaft Aviaexpresscruise und dem deutschen Charterer Avikon aus Frankfurt/Main um unbezahlte Rechnungen und Vertragsverletzungen. Nachdem viele Passagiere seit Ende vergangener Woche auf dem Flughafen von Barnaul übernachtet hatten, brachten die örtlichen Behörden am Montag etwa 30 Menschen in Hotels unter. Andere Russlanddeutsche fanden Unterschlupf bei Verwandten. Das deutsche Generalkonsulat in Nowosibirsk bemühte sich um eine Klärung.

"Wir fürchten um unsere Arbeit"

"Es hat fast niemand mehr Geld hier", sagte die in Paderborn lebende Natalja Müller. Ihr Mann hätte am Montag zu seiner Arbeitsstelle als Schlosser zurückkehren müssen. "Wir fürchten um unsere Arbeit." In dem Chaos in Barnaul wusste zunächst keiner der Passagiere genau, wer eigentlich den Aufpreis forderte. Die Fluggesellschaft Aviaexpresscruise und das Reisebüro Avikon beschuldigten sich gegenseitig, mehr Geld zu verlangen.

"Avikon schuldet uns 170 000 Dollar", erklärte der Leiter der Verkaufsabteilung der Fluggesellschaft, Andrej Gugel, in Moskau. "Die letzten Flüge haben wir bereits auf unsere Kosten durchgeführt." Die 1993 gegründete Fluggesellschaft Aviaexpresscruise mit Sitz in Moskau bietet nach eigenen Angaben im Sommer wöchentlich mehrere Charterverbindungen von Deutschland in die sibirischen Städte Barnaul und Nowosibirsk an. Die Flüge werden vor allem von Russlanddeutschen zu Besuchen in der alten Heimat genutzt.

Der Rückflug wurde für Mittwoch angekündigt

"Wir haben Probleme mit der Fluggesellschaft", sagte Avikon-Chef Karl Liedke. Die Airline habe bereits mehrere Flüge in diesem Sommer ausfallen lassen. "Wenn die Maschine fliegt, dann zahlen wir." Die Nachforderung an die Fluggäste stellte er als Gebühr für den Flughafen Barnaul dar. Der verschobene Flug nach Frankfurt werde am Dienstagabend abheben unter der Voraussetzung, dass die Passagiere bezahlen. Das Geld werde in Deutschland erstattet, versprach Liedke. Der Flug nach Hannover wurde für Mittwoch angekündigt.

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