Chaos-Forscher soll FDP-Krise in NRW beenden
Portrait: Andreas Pinkwart

Der neue nordrhein-westfälische FDP-Chef Andreas Pinkwart (42) kennt sich mit chaotischen Zuständen bestens aus: Eines der Hauptwerke des Wirtschaftswissenschaftlers beschäftigt sich mit "Chaos und Unternehmenskrisen" bei kleinen und mittleren Betrieben. An die Spitze des größten FDP-Landesverbands ist Pinkwart nach einem reichlich verworrenen Verfahren gelangt.

HB/dpa DÜSSELDORF. Ursprünglich wollte Pinkwart bereits am 7. Oktober auf einem Parteitag den damaligen Landesvorsitzenden Jürgen Möllemann herausfordern. Nach der Erkrankung Möllemanns und seinem Rücktritt einigte sich Pinkwart mit Bundesparteichef Guido Westerwelle und der stellvertretenden NRW-Landesvorsitzenden Ulrike Flach auf eine andere Aufgabenverteilung.

Flach sollte nun Landeschefin werden und Pinkwart stellvertretender Bundesvorsitzender. Wenig später entzog Pinkwart seiner Konkurrentin jedoch wieder die Unterstützung - ohne selbst seinen Hut in den Ring zu werfen. Noch vor 14 Tagen hatte er seine Kandidatur ausgeschlossen. Auf dem Parteitag am Sonntag trat er dann doch überraschend an. Kritiker warfen ihm darauf ein abgekartetes Spiel vor.

Der am 18. August 1960 im rheinischen Seelscheid geborene Pinkwart kennt die liberale Kulisse bestens. Drei Jahre war er Büroleiter des damaligen FDP-Fraktionschefs im Bundestag, Hermann Otto Solms und seit 1996 Stellvertreter Möllemanns im FDP-Landesvorsitz. Die Bundesspitze der Liberalen schätzt ihn als loyalen und sachkundigen Fachmann. Der Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Siegen ist Mitautor der FDP-Reformpläne für eine neue Steuerpolitik.

Zahlen faszinieren das Mitglied des FDP-Bundesvorstands seit seiner Jugend. Nach dem Abitur lernte und arbeitete Pinkwart bei der Dresdner Bank. Sein Studium in Münster und Bonn krönte er 1991 mit dem Doktortitel. Später warfen dann die Liberalen ein Auge auf den Mitarbeiter des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung. Pinkwart, der für Volksbefragungen wirbt, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Gegen Möllemann hatte er deutlich früher als seine innerparteiliche Konkurrentin Flach Stellung bezogen. Schon im Frühsommer meldete sich Pinkwart mit Kritik zu Wort, als Möllemann den israel-kritischen Ex-Grünen Jamal Karsli in Fraktion und Partei aufnehmen ließ. Bei der Bundestagswahl holte Pinkwart das bundesweit beste Wahlkreis-Ergebnis aller FDP-Kandidaten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%