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Charisteas trauriger Held im Werder-Freudentaumel

Glückliche Menschen sehen anders aus. Während die Fans von Werder Bremen sich nach dem Sturmlauf zum 2:1 gegen den FC Valencia ausgelassen ihrem Freudentaumel hingaben, stand Angelos Charisteas mit traurigen Augen da.

dpa BREMEN. Glückliche Menschen sehen anders aus. Während die Fans von Werder Bremen sich nach dem Sturmlauf zum 2:1 gegen den FC Valencia ausgelassen ihrem Freudentaumel hingaben, stand Angelos Charisteas mit traurigen Augen da.

Obwohl er dem deutschen Fußball-Meister mit seinem späten Treffer (84.) allerbeste Aussichten auf den Achtelfinal-Einzug in der Champions League beschert hatte, sagte der gefeierte "Joker" mit leiser Stimme: "Ich weiß nicht, ob für mich jetzt alles schön ist." Schon im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Bayern München wird er wohl wieder auf der Bank sitzen.

Dass Werder mit totaler Offensive das verloren geglaubte Spiel gegen Spaniens Meister umgedreht hatte, konnte den griechischen Europameister nur wenig trösten. "Ich habe einen Vertrag in Bremen", sagte er, "mehr kann ich nicht sagen zu meiner Situation." Aus dem umjubelten EM-Helden ist ein zuweilen schwermütig wirkender Bankdrücker geworden, der schon häufiger seine Wechselabsichten bekundet hat. Sein wichtiger Treffer konnte ihn nicht trösten.

Nach der Gelb-Roten Karte für Valencias Carlos Marchena (55.) brachte die Einwechselung von Charisteas und die Umstellung auf eine stürmende Viererkette die Wende. "Wir haben gesehen, dass auch das funktioniert", verkündete Miroslav Klose schmunzelnd. Der häufig an sich selbst zweifelnde Stürmer hatte Valencias Führung durch Vicente (2.) nach einer Stunde ausgeglichen und nach monatelanger Pause wieder ein Tor per Salto gefeiert. Bereits in Bochum hatte der Ex-Lauterer drei Treffer erzielt.

Kloses zunächst zaghafter Auftritt gegen den Uefa-Cup-Gewinner war symptomatisch für Werder. "In der ersten Halbzeit haben wir nicht an uns geglaubt und nicht gewusst, wie stark wir sind", gab der Nationalstürmer zu. Nach einer Halbzeit mit kräftigen Trainerworten riss Klose mit seinen Dribblings auf der rechten Seite die Defensive der Spanier immer wieder auf und bewies seine Qualitäten.

Werders Flucht nach vorne klappte, ohne dass sich die vier Angreifer gegenseitig behinderten. "Dass sie diszipliniert ihre Positionen halten, bedurfte einer lauten Stimme", erklärte Thomas Schaaf, dessen Risiko-Taktik die Spanier verwirrte. "Es war schon überraschend, dass sie plötzlich vier Stürmer hatten", gab Valencias Kapitän David Albelda zu. "Wir hatten dem nach dem Platzverweis nichts entgegen zu setzen."

Werder verkraftete gegen Valencia nicht nur den Schock des frühen Gegentores, sondern auch den Ausfall von fünf Defensivspielern. "Es ist schon sehr schön, dass wir trotz unserer beschränkten personellen Möglichkeiten so ein Spiel hingelegt haben", meinte Schaaf. Der Coach durfte sich zudem in seiner grundsätzlichen Einschätzung bestätigt sehen. "Seit Wochen wiederholen wir, dass wir alle unsere Stürmer gut gebrauchen können", erklärte er mit Blick auf den unzufriedenen Charisteas: "Und wir haben Recht behalten." Gegen die Bayern dürfte Schaaf, wenn Frank Baumann und Petri Pasanen weiter ausfallen, trotzdem mit der Startelf des Valencia-Spiels beginnen - ohne den traurigen Helden Charisteas.

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