Chartanalyse: Ausbruch aus dem Abwärtstrend könnte sich als Bullenfalle erweisen
Am Neuen Markt droht die Gefahr eines Doppel-Tops

Die Entwicklung am Neuen Markt rät zur Vorsicht. Aus technischer Sicht könnte sich der abzeichnende Aufwärtstrend als Flop herausstellen. Eine ähnliche Situation hatte es bereits vor einem Dreivierteljahr gegeben. Damals brach der Index aus seinem steilen Abwärtskanal nach oben aus. Danach stürzte er ab.

DARMSTADT. Bei der Frage nach einem finanziellen Engagement am Neuen Markt kann ein Blick in die Vergangenheit hilfreich sein. Die momentane Kursentwicklung könnte Hoffnungen wecken, sich aber auch genau so gut als Bullenfalle erweisen.

Nach dem Höchststand von knapp unter 9 000 Punkten im März vergangenen Jahres bildete der Neue-Markt-Index ein Doppel-Top aus und fiel darauf in einen flachen Abwärtstrend. Im September 2000 wurde der Abwärtstrend dann noch steiler, so dass der alle Werte umfassende Nemax-All-Share-Index bis 1 440 Punkte einbrach und damit rund 84 % an Wert verlor.

Szenenwechsel: Frühjahr 2001. Im März und April dieses Jahres bildete sich eine untere Schulter-Kopf-Schulter-Formation aus - die jedoch den klassischen charttechnischen Regeln nicht standhielt: Alle drei Tiefpunkte dieser Formation lagen sehr eng beieinander. Nach dieser unteren Umkehrformation stieg nämlich der Nemax-All- Share-Index vom Tiefpunkt gerechnet bis auf 2 000 Punkte, um darauf bis auf 1 760 Punkte zu fallen, dann wieder bis auf 1 980 Punkte zu klettern, und dann erneut zurückzufallen, womit sich ein Doppel-Top ausbildete.

Gefahr eines Rückganges der Nasdaq erhöht

Das Problem aus technischer Sicht ist jedoch, dass die beiden Hochpunkte recht dicht beieinander liegen. Da der Markt extrem überkauft ist, droht nun die Gefahr eines Rücksetzers unter die Unterstützung bei 1 760 Punkten. Und sollte dies eintreten, würde sich der Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal als Bullenfalle erweisen.

Diese Annahme wird auch dadurch gestützt, dass sich vom Tiefpunkt Anfang April zwei Trendlinien einzeichnen lassen, wobei die zweite unter der ersten liegt, so dass diese als der Beginn einer Fächerformation interpretiert werden kann. Das heißt, jede neue Trendlinie zeigt einen schwächeren Aufwärtstrend als die davor liegende. Zudem ist zu erkennen, dass sich die Erholungen im Abwärtstrend im Herbst 2000 und zu Beginn dieses Jahres immer in die Nähe des Durchschnittes der letzten 100 Börsentage bewegten, diesen aber nie durchbrachen - was auch derzeit wieder der Fall ist. Wie stark der Markt überkauft ist, lässt sich am Stochastik-Indikator ablesen, der ein höheres Niveau erreicht hat als bei den anderen oberen Umkehrpunkte nach den bisherigen Erholungen im Abwärtstrend.

Das Risiko eines Rückganges wird auch dadurch verstärkt, dass sich die Gefahr eines Rückganges beim Nasdaq in der vergangenen Woche deutlich erhöht hat.

Fazit: Bei einem signifikanten Fall unter die Unterstützung bei 1 760 Punkten besteht die Gefahr rascher weiterer Kursverluste im Nemax. Allerdings kann erst von einer Fortsetzung des Abwärtstrends gesprochen werden, wenn auch der Tiefpunkt bei 1 440 Punkten unterschritten wird. Sollten die Kurse nicht unter diesen Punkt fallen, so besteht sogar die Chance einer breit angelegten unteren Umkehrformation in Form eines Doppel-Bodens, also eines doppelten Tiefs, so dass von der Basis aus sogar eine längerfristige Aufwärtsbewegung möglich wäre.

Dr. Hans-Dieter Schulz ist Experte für technische Analyse und Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts.

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