Chartanalyse – Hochdynamischer Abwärtstrend ist intakt
Im Dax überwiegen immer noch die Risiken

Im Dax dominiert unverändert ein intakter, übergeordneter Abwärtstrend, der chart- und markttechnisch bestätigt wird. Käufe sollten deshalb sowohl aus kurz- und mittelfristiger Sicht zurückgestellt werden.

FRANKFURT/M. Seit Wochen bilden die Aktienindizes wieder einmal hochdynamische Abwärtstrends aus. Nachdem die meisten europäischen und US-amerikanischen Indizes neue Jahrestiefs ausgebildet haben, lassen sich kaum Indikationen herleiten, die auf ein rasches und nachhaltiges Ende dieser Bewegungstendenzen schließen lassen. Käufe sollten deshalb sowohl aus kurzfristiger Sicht, aber auch aus mittelfristigen Gesichtspunkten zurückgestellt werden.

Im Deutschen Aktienindex dominiert unverändert ein intakter, übergeordneter Abwärtstrend, der chart- und markttechnisch bestätigt wird. Auffallendstes markttechnisches Kriterium ist die derzeit hohe Bewegungsdynamik, mit der sich der laufende Abwärtstrend in den letzten Wochen entfaltete. Eine hohe und weiter steigende Bewegungsdynamik erhöht in der Regel auch die Stabilität und Zuverlässigkeit einer Tendenz, so dass aus mittelfristiger Sicht mit weiter fallenden Kursen gerechnet werden muss.

Hinzu kommt, dass wir im Kursverlauf des Dax auf der Unterseite inzwischen keine sinnvoll herleitbare Unterstützungen mehr vorliegen haben. Alle tiefer liegenden Niveaus, die in früheren Jahren als Unterstützungsebenen fungierten, können wir nur noch zur Orientierung heranziehen. Auf der Oberseite sind die nächst höher liegenden, potenziellen Widerstandsmarken in den Bereichen zwischen 4 500 und 4 700 bis 4 730 Punkten zu erwarten. Fassen wir diese Komponenten zusammen, so müssen wir davon ausgehen, dass der Dax aus strategischer Sicht weiterhin ein höheres Risiko auf der Unterseite aufweist, als das er Chancen auf der Oberseite verspricht. Mittelfristig ausgerichtete Neupositionierungen auf der Kaufseite sollten deshalb sinnvollerweise weiterhin zurückgestellt werden.

Im kurzfristigen Zeitfenster fällt der aktuell etwas überverkaufte Charakter des Kursverlaufes auf. Orientiert man sich an klassischen Indikatoren, die für die Beurteilung der Qualität einer Bewegungstendenz eingesetzt werden, wie z.B. ein Relativer-Stärke-Index oder ein einfaches Momentum, so weisen diese Indikatoren eine überhitzte Marktsituation aus. Doch es ist darauf hinzuweisen, dass diese Aussagen nicht überbewertet werden sollten. In hochdynamischen Marktphasen sind überkaufte bzw. überverkaufte Marktzustände typisch, ohne dass es zu einer raschen Entspannung dieses Zustandes kommt. Es wird lediglich das technische Umfeld für technische Gegenreaktionen günstiger, potenzielle Trendwenden können nicht unterstellt werden.

In der praktischen Konsequenz sollte somit auch unter kurzfristigen Gesichtspunkten eine Zurückhaltung im Bezug auf geplante Kaufpositionen geübt werden. Kommt es zu Reaktionen, so sollten diese aus aktuellem Blickwinkel heraus auch nur als solche betrachtet werden. Wir können noch keine Indikationen herleiten, die ein baldiges, nachhaltiges Ende der Abwärtsbewegung erwarten lässt.

Uwe Wagner ist technischer Analyst bei der Deutschen Bank in Frankfurt/Main.

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