Chartkommentar
Bei Porsche steht die Börsenampel auf Rot

Der Sportwagenhersteller ist anhaltend erfolgreich. Auch die Baisse konnten der Aktie bislang nichts anhaben. Doch die schweren Zeiten haben erst begonnen.

Deutschland ist das Land der Autobauer. Wenn es einen Inbegriff für die deutsche Ingenieurskunst gibt, dann ist es ein Porsche Carrera, ein Siebener BMW oder ein Mercedes aus der S-Klasse. Aber der Weg, den die drei Produzenten gegangen sind, könnte unterschiedlicher nicht sein. Daimler hat sich neben seinen Nobelkarossen auch dem globalen Allerweltssegment gewidmet - und über den Erfolg dieser Strategie lässt nicht streiten. Die Aktie der einstigen schwäbischen Autoschmiede notiert auf demselben Niveau wie mitten im Crash im Oktober 1987! BMW widerstand nach dem Rover-Debakel dem Globalisierungswahn; es gibt wenige Aktien im DAX, die sich gegen die Krise mit demselben Erfolg gewehrt haben. Schließlich Porsche, die sich mehr als alle andere zusammen auf das konzentriert haben, was sie wirklich können. Folge: Über zwei Jahre ist die Baisse alt und der Kurs ist der höchste seit Porschegedenken.

Trotz dieser Unterschiede gibt es aber ab sofort auch ein einigendes Moment: Mit keiner dieser drei Aktien wird in nächster Zeit Staat zu machen sein. Daimler-Chrysler und BMW werden weiter fallen. Einigkeit herrscht wieder beim mittelfristigen Kursziel: Für beide ist mit Kursen um 25 Euro zu rechnen. Für Porsche hingegen haben die schwereren Zeiten gerade erst begonnen. Es ist schwer vorstellbar, dass die Erfolgsgeschichte der Aktie weitergeht. Im Gegenteil: Mit einem Rückgang bis auf 300 Euro muss gerechnet werden.

Woher die Annahme? Porsche hat doch das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte hinter sich und mit dem Cayenne eine dritte Baureihe aufgelegt, die wieder einmal nicht nur Männerherzen höher schlagen lassen wird.

Es gibt wenigstens drei Dinge, die - technisch betrachtet - sehr auffällig sind. Erstens: Die Aktie hat alles erreicht, was zu erreichen war. Sie hat sich seit Ende 1992, dem Beginn der Regentschaft von Vorstandschef Wendelin Wiedeking nicht weniger als versiebenundzwanzigfacht. Von einem Tief bei rund 20 Euro auf bis zu 540 Euro - und das wohlgemerkt als Aktie der Old- und nicht der New Economy! Zweitens: Die Aufstiegsphase in nie gekannte Höhen erfolgte absolut perfekt nach allen Regeln der Ellliott-Wave-Theorie. Einen so bilderbuchhaften 5-er Zyklus nach oben findet sich selten. Die unvermeidbare Konsequenz wird jetzt sein: ein A-B-C Zyklus nach unten.

Drittens: Die meisten Indikatoren und Oszillatoren haben den letzten Schub der Aktie auf das aktuelle All-Time-High bei 540 Euro nicht mehr nachvollzogen. Stattdessen haben sich Divergenzen gebildet, die im Regelfall ein ziemlich gutes Indiz dafür sind, dass die bisherige Hauptrichtung des Marktes (nach oben) nicht die künftige sein wird.

Als Zielregion für die nun ziemlich wahrscheinliche Korrektur muss der Bereich zwischen der Elliott-"3"- und der Elliott-"4"-Welle angenommen werden (siehe Chart). Im besten Fall entspräche das einem Rückgang der Porsche-Aktie auf ein Niveau von etwa 300 Euro. Im schlimmsten Fall könnte auch ein Niveau von 220 Euro erreicht werden. Ist das Ende von Porsche? Nein - ganz gewiss nicht. Ein Porsche wird ein Porsche bleiben! Aber in der nächsten Zeit es wird wohl schwierig werden, sich mit Aktien des Unternehmens einen Porsche zu verdienen.

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