Chartkommentar – Die ausgeprägte Trendwende-Formation verheißt nur kurzfristig eine kleine Erholung
Den Bank-Aktien drohen neue Tiefs

Die Aktien europäischer Banken stehen vor einer kurzen Erholung. Längerfristig ist allerdings kein Land in Sicht. Charttechnisch drohen sogar neue Tiefstände.

DÜSSELDORF. Die Lage deutscher Banktitel ist zum Verzweifeln. Während sich der europäische Banken-Index bisher mit einem maximalen Verlust von 57 % tapfer gehalten hat - der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor in der Spitze 69 % - hat es die Kurse der Dax-Banken regelrecht zerlegt. Für die Commerzbank steht ein Minus von 89 % und für die Hypo-Vereinsbank ein Einbruch von 88 % zu Buche. Lediglich die Deutsche Bank hielt die Abschläge mit 66 % in Grenzen.

Charttechnisch sieht der Index Euro Stoxx Banken schlecht aus. Mit dem Bruch der Nackenlinie einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation im Bereich von 210 Punkten Mitte September wurde eine Entscheidung für die künftige Entwicklung des Bankensektors von großer Reichweite getroffen. Bei einer Schulter-Kopf-Schulter- Formation handelt es sich um einen klassischen Trendwechsel. Dabei gilt die Faustregel, dass die Verluste vor dem Bruch der Nackenlinie in etwa denen danach entsprechen.

Der Index musste seit dem Höhepunkt der Hausse bis Mitte September 2002 Kursverluste von 42 % hinnehmen. Weitere Kursverluste von rund 40% unter der Nackenlinie sind deshalb zu befürchten. Dies würde den Branchenindex der Banken auf ein Niveau von rund 120 Punkte zurückführen. Beeindruckend ist, dass sich genau dort die Unterstützungen befinden, die am ehesten in der Lage sein dürften, dem Treiben der Bären dauerhaft ein Ende zu setzen.

Es gibt weitere schwerwiegende Bedenken, die gegen ein Ende der Baisse mit den bisherigen Tiefkursen am 9. Oktober sprechen. Typischerweise finden Korrekturen und Abwärtstrends erst mit positiven Divergenzen wesentlicher Indikatoren ein Ende: Während der Index neue Tiefstkurse erzielt, behauptet sich zum Beispiel der MACD deutlich sichtbar auf höheren Niveaus. Genau das lässt sich beim Branchenchart der europäischen Banken nicht beobachten. Positive Divergenzen würden zwingend vorausgehende neue Baissetiefs erfordern.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die jüngste Erholungsphase im Rahmen einer breit angelegten Konsolidierungsphase noch andauern und den Index bis an die gebrochene Nackenlinie, auf Werte bis etwa 210 Punkte, heranführen wird. Gemessen vom heutigen Niveau entspricht das ein Kursplus von bis zu 10 %. Danach droht europäischen Bank-Aktien aber ein kräftiger Kursrückgang um bis zu 40 %. Die bisherigen Tiefstkurse markieren also nicht das Ende der Baisse. Mittelfristig muss mit Kursen bis hinunter auf 120 Punkte im Euro Stoxx Banken gerechnet werden. Insbesondere für die bereits in den letzten Jahren zu außergewöhnlicher relativer Schwäche neigenden deutschen Banken dürften damit weitere überdurchschnittliche Abschläge unvermeidbar sein.

Wieland Staud ist technischer Analyst und Geschäftsführer der Staud Research GmbH.

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