Chartkommentar – Index des US-Verbrauchervertrauens ist aus dem Aufwärtstrend ausgebrochen
US-Börsen werden längerfristig nicht steigen

Die Frühindikatoren in den USA verheißen eine Rezession. Anleger können davon ausgehen, dass die Notenbank die Leitzinsen weiter senken wird. Dies wird sich aber nicht in steigenden Aktienkursen niederschlagen. Stattdessen ist eine längere Seitwärts- oder sogar Abwärtsbewegung zu erwarten.

DARMSTADT. Nach der Zinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) stellt sich die Frage, ob es in Kürze weitere Diskontsenkungen geben wird und wie der Aktienmarkt darauf reagiert. Der Index des amerikanischen Verbrauchervertrauens hat wieder ein Niveau erreicht, wie zuletzt Mitte der 60er Jahre.

1965 ging in den USA eine Hausse am Aktienmarkt zu Ende, die 1942 begonnen hatte. Die Aufwärtsbewegung seit 1984 war noch stärker. Inzwischen ist das Verbrauchervertrauen aus einem seit 1992 bestehenden Aufwärtstrend nach unten ausgebrochen. Die Notenbank hat darauf sehr rasch reagiert. Auch der Index aus der Befragung der amerikanischen Einkaufsmanager ist auf einem Niveau wie zuletzt in den Rezessionen von 1990, 1982, 1980, 1974 und 1970.

Durch die stark gestiegenen Aktienkurse hatten sich in den vergangenen Jahren, wie auch schon in den 60er Jahren, die Aktienkäufer "reich gerechnet". Dies führte zu den höchsten Effektenkrediten in der Geschichte. Auch die Verschuldung der privaten Haushalte ist auf historischem Höchstniveau. Heute besitzt etwa die Hälfte aller Amerikaner Aktien - das ist ein Rekord in der langen Aktiengeschichte in den USA. Dieser Aktienbesitz ist entweder durch direkte Käufe zu Stande gekommen oder über institutionelle Anleger. So stieg in den großen OECD-Ländern das von institutionellen Investoren verwaltete Kapital zwischen 1990 und 1998 von 13,5 Billionen auf über 30 Billionen Dollar, also fast elf Prozent pro Jahr. Etwa 18 Billionen Dollar wurden 1998 in amerikanischen Depots von Fonds gehalten. Das entspricht 218,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Diese Fonds sind mit der Hälfte ihres Kapitals in Aktien investiert. In Deutschland wurden 1998 umgerechnet 1,5 Billionen Dollar von Fonds verwaltet. Das entspricht gut 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nur rund ein Fünftel dieses Geldes ist in Aktien investiert.

Die Altersvorsorge mit Hilfe von Investment- und Pensionfonds ist in den USA üblich. Nun besteht die Gefahr, dass an den amerikanischen Märkten Panik einsetzen könnte. Man versetze sich in die Rolle eines 50jährigen, der einen großen Teil seiner Altersvorsorge an den Börsen verloren hat. Dabei ist der Dow-Jones-Index noch nicht einmal sehr stark gefallen, allerdings aus einem aufwärts gerichteten Trend ausgebrochen - nach Ausbildung einer Diamantformation, die eine Umkehr einleitete. Der Markt breitere Standard-&-Poors-Index ist ebenfalls aus einem seit 1995 bestehenden Aufwärtstrend nach unten ausgebrochen und um 19 Prozent gefallen. Geschockt sind die Amerikaner allerdings durch den rund 55-prozentigen Kurssturz an der Technologiebörse Nasdaq.

Es ist sehr fraglich, ob die Notenbank durch Diskontsenkungen ein weiteres Absinken des Verbrauchervertrauens und damit der privaten Nachfrage aufhalten kann. In früheren Jahren, 1990, 1982, 1980 und insbesondere 1974 und 1970 ist das nur sehr begrenzt gelungen.

Dr. Hans-Dieter Schulz ist Experte für technische Analyse und Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts.

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