Chartkommentar
Kräftiger Rückenwind für deutsche Aktien

Mit verblüffender Genauigkeit ist der Kursverlauf deutscher Aktien seit Jahresbeginn dem Muster des vierjährigen Aktienzyklus gefolgt. Sollte dieser Gleichlauf Bestand haben, so können Aktien bis in den April 2003 hinein steigen.

DARMSTADT. Der Vier-Jahres-Zyklus lässt sich mit dem Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft erklären. In der Regel baut sich vor einer deutschen Bundestagswahl eine hoffnungsfrohe Kursblase auf. Von ihrem Hochpunkt, sechs Monate vor der Wahl, aus wird diese Blase regelmäßig aufgelöst, um nach der Wahl ein Tief, was meistens im Oktober liegt, zu markieren. Diese sechs Monate stellen die heftigste Abwärtsphase im gesamten vierjährigen Zyklus dar.

Mit bemerkenswerter Präzision hat sich nun ein historisches Kursmuster um den deutschen Wahltermin herum wiederholt. Am Freitag vor der Wahl waren die Kurse gestiegen. Nach der Wahl fielen sie scharf, um am 13. Tag ein neues Mehrjahrestief auszubilden. Ein signifikantes Tief tritt regelmäßig nach zwei von drei Bundestagswahlen auf - unabhängig vom Wahlausgang. Die gute Nachricht lautet, dass man für die nächsten sechs Monate mit steigenden Kursen rechnen kann. Der Vier-Jahres-Zyklus lässt für April 2003 ein Hoch erwarten, das im August noch einmal überschritten werden kann.

Hinweise dafür, dass das Tief in der vergangenen Woche zu einer nachhaltigen Wende am Aktienmarkt führen könnte, finden sich in einschlägigen technischen Indikatoren. Besonders auffällig ist eine Häufung von Zwei-Sigma-Ereignissen seit Donnerstag: Bei normalem Handel verlaufen Aktienkurse innerhalb einer Standardabweichung. Bei Trendwenden kann es zu plötzlichen und sehr heftigen Kursausschlägen kommen, die sich bis zu zwei Standardabweichungen vom Durchschnitt weg bewegen.

Bestätigung für eine Trendwende findet sich auch bei den Stimmungsindikatoren. Marktbefragungen zeigten zuletzt einen größeren Pessimismus als beim letzten Börsentief im Juli. Zeigten sich bereits zu jenem Datum bei den Anlegern sehr hohe Baissebestände (Short-Zertifikate u.ä.), so hat sich dieser Anteil per letzter Woche in einigen Statistiken noch einmal verdoppelt. Dies spricht für eine weit verbreitete Aufgabestimmung, also für eine Kapitulation der Anleger.

Die technische Indikatorenlage spricht insgesamt dafür, dass das Tief im Deutschen Aktienindex (Dax) bei 2 518 Punkten nicht mehr unterboten wird. Es ist davon auszugehen, dass deutsche Aktien künftig eine relative Stärke gegenüber US-amerikanischen Titeln ausweisen werden. Fundamental haben deutsche Aktien mit gesünderen Bilanzkennzahlen und einer moderaten Verschuldung mehr Trümpfe. Zusätzlich hat Europa mit der EU-Osterweiterung ab 2005 die Chance auf einen kräftigen konjunkturellen Aufschwung.

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